Parkprobleme in Hamm

„Drehen die Parkscheibe einfach weiter“: Trotz Parkausweis findet Anwohnerin keinen Stellplatz

Wie hier an der Feidikstraße dürfen Anwohner mit Ausweis parken. Erlaubt ist das für drei Stunden aber auch mit Parkscheibe; Anwohner beschweren sich, das werde zu sehr ausgenutzt.
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Wie hier an der Feidikstraße dürfen Anwohner mit Ausweis parken. Erlaubt ist das für drei Stunden aber auch mit Parkscheibe; Anwohner beschweren sich, das werde zu sehr ausgenutzt.

Der Parkdruck für Anwohner in Hamm steigt. Der Unmut über vermeintlich fehlende Kontrollen ebenso. Eine Anwohnerin in der südlichen Innenstadt klagt über eine zunehmend schlechtere Situation in ihrem Quartier.

Hamm – Um 4.240 ist die Zahl der Kfz-Zulassungen in Hamm zwischen dem 31. Dezember 2018 und dem gleichen Datum 2022 gestiegen. Damit erhöht sich zwangsläufig der Parkdruck. Das bekomme sie täglich zu spüren, sagt eine Anwohnerin der Feidikstraße in der südlichen Innenstadt. Da helfe ihr auch ihr Anwohnerparkausweis nicht, wenn die Straßen zugeparkt seien. Mehr Autos und mehr Menschen, die die Parkscheibenregelung missbrauchten, beklagt sie.

„Leute drehen die Parkscheibe nach drei Stunden einfach weiter und blockieren Stellplätze“, sagt die Frau, die seit 16 Jahren hier lebt. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. Das gelte für die Feidikstraße, aber auch für die Roonstraße und die Albertstraße. „Der Parkdruck hat sich erhöht“, so die Frau. „Für mich ist es vor allem in den Abendstunden ab 20 Uhr unerträglich, weiter weg den Wagen abzustellen.“

„Präsenz des KOD nicht spürbar“

Im Umkehrschluss wünscht sie sich vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) „dringend“ mehr Kontrollen. Eine Präsenz sei für sie nicht spürbar. Zudem regt sie an, das Zeitfenster für Parken mit Parkscheibe von drei auf eine Stunde zurückzufahren. „Diejenigen werden es dann irgendwann leid sein, ständig zum Auto gehen zu müssen“, glaubt die Frau.

In der südlichen Innenstadt gibt es eine Kombination aus freien, nicht reglementierten Plätzen (50 Prozent) und einer Parkscheibenregelung, von der sich die Anwohner mit ihrem Parkausweis befreien können. Diesen gibt es ab einer Gebühr von 27 Euro jährlich. „Rechnerisch ist das Verhältnis von gekauften Bewohnerparkausweisen und ausgewiesenen Bewohnerparkplätzen in allen Hammer Bewohnerparkbereichen mehr als ausgeglichen. Das heißt, Bewohner könnten durchaus noch mehr Ausweise erwerben, ohne das System zu überlasten“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster. Dieses städtische Rechenspiel, dass es mehr ausgewiesene Anwohnerstellfläche gebe als vergebene Parkausweise, helfe ihr im Alltag wenig, entgegnet die Frau.

„Parkhöchstdauer in Bürgerversammlungen diskutiert“

Parkhöchstdauer und Geltungszeiten der Parkscheibe seien in den verschiedenen Quartieren individuell auf die Bedarfe der einzelnen Bereiche abgestimmt und in den Bürgerversammlungen zu den jeweiligen Parkraumkonzepten breit diskutiert worden, erläutert Huster.

Dass der Parkdruck steigt, ist aber auch bei der Stadt unbestritten. „Klar ist: Wenn die Kfz-Zulassungszahlen kontinuierlich steigen, dann sorgt das ganz ,natürlich’ für größeren Parkdruck in einzelnen Quartieren“, sagt Huster. Das gelte allgemein im Stadtgebiet. „Der Parkdruck im genannten Quartier ist recht hoch, wodurch es trotz der genannten Parkregelungen dazu kommt, dass Anwohner und Anwohnerinnen nicht so wohnungsnah, wie sie es sich wünschen, einen Parkplatz finden.“ Dementsprechend gebe es „immer mal wieder“ Beschwerden über zu wenig Parkmöglichkeiten.

„Keine Häufung von Beschwerden“

Längere Geltungszeiten für Parken per Parkscheibe bis in den Abend seien nur dort sinnvoll, wo es abends noch erheblich Fremdparker gebe. Eine kürzere Höchstparkdauer treffe zwar die Fremdparker, sei jedoch in vielen Fällen von den Betroffenen abgelehnt worden. So wären ortsansässige Dienstleister zum Beispiel Ärzte sowie Handwerker und Besucher der Anwohner betroffen.

Zu dem Eindruck, es werde zu wenig und nur sporadisch kontrolliert, sagt Huster: „Die Parksituation an der Feidikstraße und in angrenzenden Bereichen wird aufgrund des hohen Parkdrucks durch den KOD regelmäßig kontrolliert, allein in der vergangenen Woche dreimal. Konkrete Anhaltspunkte oder eine Häufung von Beschwerden, die eine Änderung des Parkraumkonzepts für die südliche Innenstadt notwendig erscheinen ließen, gebe es aktuell nicht.

An Bezirksbürgermeisterin gewandt

Die Anwohnerin hat sich unterdessen an Bezirksbürgermeisterin Stefanie Baranski gewandt. Diese machte deutlich, Anwohner hätten trotz Parkausweis keinen Anspruch auf einen Stellplatz. Baranski will sich aber die Situation vor Ort anschauen und hat auch einen Termin mit der Anwohnerin gemacht. „Natürlich ist es wichtig, die Anliegen der Bürger anzuhören“, sagt Baranski. Sie werde das Thema anschließend auch mit der Fachverwaltung erörtern.

Kfz-Zulassungen

Zum Stichtag 31. Dezember 2018 zählte die Stadt Hamm 96.400 zugelassene Kfz. Vier Jahre später, am 31. Dezember 2022, waren es 100.640 Zulassungen. Wären dies alles Pkw mit einer durchschnittlichen Länge von nur vier Metern, benötigte man 16.960 Meter, also knapp 17 Kilometer Strecke, um diese Stoßstange an Stoßstange abzustellen. Mit etwas komfortablem Abstand kämen noch mal vier Kilometer oben drauf, also zusammen 21 Kilometer. Gut nachvollziehbar ist also, dass sich stellenweise der Parkdruck erhöht haben wird. Die Rechnung hinkt natürlich ein wenig, und für manchen mag es eine Beruhigungspille sein: Es sind ja nicht alles Pkw, und manches Fahrzeug steht auch auf privatem Grund.

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