Mieter kritisieren LEG
Vandalismus, Sperrmüll, Brandschutz: Viele weitere Mängel im Baustellen-Hochhaus
Die gute Nachricht zuerst: Es wird gearbeitet an der Fassade des Hochhauses an der Spechtstraße. Die schlechte: Nach der ersten Berichterstattung über das Gebäude meldeten Mieter zahlreiche Mängel im Inneren.
Bockum-Hövel – Die Mieter sehen durchaus die Verbesserungen, die sich dadurch ergeben, dass die Waschbetonplatten des 1967 errichteten Hochhauses durch ein modernes Wärmeverbundsystem ersetzt werden. Ihrer Meinung nach könnten die Arbeiten allerdings schneller vorangehen; rund zwei Jahre würden sie bereits dauern: „Damit wurde begonnen, kurz nachdem ich im September 2020 eingezogen bin“, sagt Antonia Pütger.
Nach Auskunft von Mischa Lenz, Pressesprecher der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), in deren Eigentum sich das Hochhaus befindet, begann die Fassaden-Modernisierung tatsächlich erst im November 2021 mit der Einrüstung des gesamten Gebäudekomplexes. Bereits früher habe eine Fassadenseite aus Verkehrssicherungsgründen abgesichert werden müssen.
Fünf unüberwindbare Treppenstufen
Trotz der Unannehmlichkeiten, die die Baustelle mit sich bringt – unter anderem Staub und Lärm – findet Pütger es „heftig“, dass es trotzdem eine Mieterhöhung gegeben habe: Statt einer Mietminderung müsse sie nun 393 statt zuvor 382 Euro für ihr Ein-Zimmer-Appartement bezahlen. Hinzu kämen zahlreiche weitere Mängel, die sie und zwei ihrer Nachbarinnen kritisieren.
Dazu gehört Julia Mai, die seit 2015 in dem Hochhaus wohnt. Sie leidet an Osteoporose und ist auf ihren Elektro-Rollstuhl angewiesen. Es gibt zwar einen Aufzug, doch die Probleme beginnen für sie schon damit, überhaupt erst einmal ins Haus zu kommen: Der Haupteingang scheidet wegen der fünf Treppenstufen aus. Mischa Lenz bietet ihr an, sich mit der LEG in Verbindung zu setzen, um eine behindertenfreundliche Lösung zu finden.
„Richtig gute Nachbarschaft“
Immerhin ist der Zugang durch den Keller behindertenfreundlich – solange er, wie häufiger in jüngster Zeit, nicht durch Baumaterial verstellt ist. Ein Nachbar hat darum für Julia Mai einen am Computer gestalteten Hinweis auf den Behindertenzugang an der Kellertür angebracht – mit dem erhofften Erfolg. „Wir haben hier eine richtig gute Nachbarschaft und sogar eine eigene Whatsapp-Gruppe“, erklärt Antonia Pütger die unkomplizierte Nachbarschaftshilfe.
Sie weist auf weitere Mängel hin: Weil die Haustür zumeist Tag und Nacht offenstehe, hätten wiederholt Jugendliche im Haus ihr Unwesen getrieben. Kürzlich hätten sie des nachts einen Feuerlöscher auf einer Etage entleert; den Löschschaum entfernt hätten die Nachbarn. Mehr als ärgerlich sei es auch, wenn die Jugendlichen in dem frei zugänglichen Sicherungsschrank im Keller die FI-Schalter, die Hauptsicherungen für die einzelnen Wohnungen, herausdrücken. Wenn das nicht bemerkt wird, könnten die Lebensmittel in Kühl- und Gefrierschränken verderben. „Ich verstehe nicht, warum die LEG nicht auf unsere Bitte reagiert, den Sicherungsschrank so umzurüsten, dass er abschließbar ist“, sagt Pütger. Der LEG-Sprecher bestätigt, dass eine entsprechende Bitte zunächst abgelehnt worden sei; jetzt verspricht er, die Situation zu prüfen und dem Wunsch der Mieter nachzukommen.
Haustür steht meistens offen
Die wünschen sich auch, dass die Haustür so umgerüstet wird, dass sie nach jeder Benutzung ins Schloss fällt und nur mit dem Schlüssel geöffnet werden kann. Damit würde vielleicht auch den Einbrüchen in Kellerräume ein Riegel vorgeschoben, hoffen Pütger und Mai. Denn in die hineinzukommen, sei einfach, weil sie nur einfache Holztüren haben.
Das Problem bei der Haustür könnten die Mieter eigentlich selbst in den Griff bekommen, meint Mischa Lenz, denn der „Schnapper“ könnte so aktiviert werden, dass sie tatsächlich nicht mehr einfach aufgedrückt werden kann. Trotzdem sagt er auch da eine Überprüfung zu. Von vermehrten Einbrüchen sei der LEG nichts bekannt, darum sei an den Einbau einbruchshemmender Metalltüren nicht gedacht.
Verbotsschild kümmert nicht alle Mieter
Ein weiteres Ärgernis ist laut Pütger und Mai Sperrmüll, der immer wieder in den Kellerfluren abgestellt wird. Beim Besuch des WA versperrte beispielsweise ein Schrank den Zugang zu einem Kellerraum. Und aus einem anderen quillt der Sperrmüll derart bis auf den Flur hervor, dass die Tür nicht mehr zu schließen ist. Da wird das Hinweisschild mit rotem Hintergrund ad absurdum geführt: „In den Kellerfluren ist das Lagern von Sperrmüll und sonstigen Gegenständen wegen Brandgefahr verboten.“ Es kümmert offensichtlich nicht jeden.
„Die Keller und Allgemeinräume werden im Rahmen der jährlichen Verkehrssicherungsbegehung in unserem Auftrag geprüft“, teilt der LEG-Sprecher mit. Viermal seien die Mieter in den vergangenen eineinhalb Jahren deswegen angeschrieben worden. Es sei bekannt, dass immer wieder Sperrmüll dort abgestellt werde; er werde dann entfernt. Dass die Kosten dann auf alle Mieter verteilt werden, findet Julia Mai ärgerlich: 68 Euro seien es allein für sie im vergangenen Jahr gewesen.
Rauchabzug soll in Kürze repariert werden
Dann ist noch der Rauchabzug im Flur defekt, das Fenster im Dach lässt sich nicht mehr schließen. Auf mehreren Etagen fehlen in den Fluren sowohl Rauchmelder als auch Feuerlöscher. Das bestätigt Mischa Lenz und teilt mit, dass eine Fachfirma bereits vor gut zwei Wochen mit der Instandsetzung beauftragt worden sei. Er verweist auf Lieferengpässe und Personalmangel, die LEG wolle aber versuchen, die Reparatur zu beschleunigen.
Übrigens soll es sich bei dem vor dem Hochhaus dahinrottenden Dämmmaterial um eine falsche Lieferung handeln, die reklamiert wurde und vom Lieferanten nicht wieder abgeholt wurde.


