Seit November 2021 eingerüstet
Kein Licht, keine Sicht: Dicke Luft im verpackten LEG-Hochhaus
Keine Aussicht und keine frische Luft. Dieses Schicksal müssen die Bewohner des Hochhauses an der Spechtstraße in Hamm seit Monaten erdulden. Das sei besonders während der heißen Sommertage fast unerträglich gewesen, hat eine Nachbarin von Bewohnern erfahren.
Hamm - „Der“ Treffpunkt im Quartier ist Tobi’s Büdchen, das in einem Anbau des Hochhauses untergebracht ist. Hier kommen Bewohner und Nachbarn zusammen und tauschen sich aus: ein Treffpunkt, wie er heutzutage fast ausgestorben ist. Dort habe die Nachbarin (sie möchte ungenannt bleiben) mitbekommen, dass sich die Hitze hinter der Staubschutzabdeckung gesammelt habe, dass es darum nichts gebracht habe, die Fenster zu öffnen, um die Wohnungen abzukühlen, dass die Balkone nicht nutzbar seien.
Seit zwei Jahren sei das Haus in Hövel schon eine Baustelle, sagt Tobias Schwarze, der das Büdchen im Juli übernommen hat. Er erfährt in seinem Tante-Emma-Laden ganz direkt, wie sich die Hochhaus-Bewohner fühlen, wie „sauer“ sie auf den Zustand sind. Aber er hört nicht nur ihre Sicht. Zu „Tobi“ kommen auch die Bauarbeiter, die ebenfalls mit ihm ins Gespräch kommen. Und von denen weiß er, dass die mit der Situation ebenfalls nicht glücklich sind: „Ich verstehe die Leute, die hier wohnen, ebenso wie die, die hier arbeiten“, sagt Schwarze.
Er habe gehört, dass die Verzögerungen zum einen mit der Corona-Pandemie zusammenhängen, aber auch mit Lieferschwierigkeiten beim Baumaterial. Da erweckt der große Haufen vor sich hinrottenden, mittlerweile durchnässten und damit unbrauchbaren Dämmmaterials einen anderen Eindruck ...
Hochhaus seit November 2021 eingerüstet
Denn das Hochhaus erhält nach Auskunft von Mischa Lenz, Pressesprecher der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), in dessen Besitz sich das Gebäude befindet, eine „umfassende Fassadensanierung mit energetischer Ertüchtigung“. Die bisherige Waschbeton-Fassade werde durch ein modernes Wärmedämmverbundsystem ersetzt, dazu gibt es neue Fenster und die Balkone werden saniert.
Nach Lenz’ Auskunft wurde das Hochhaus im November 2021 eingerüstet und mit einer Plane verkleidet: „Das ist eine generelle behördliche Auflage bei Fassadenabbrucharbeiten, die wir natürlich befolgen müssen.“ Um die Gefahr von Schimmelbildung so gering wie möglich zu halten, werde die Fassade abschnittweise erneuert. Damit sollte ursprünglich im Februar 2022 begonnen werden, doch wegen Engpässen bei Material und Personal habe es Verzögerungen von etwa drei Monaten gegeben. „Das bedauern wir und möchten uns auch an dieser Stelle ausdrücklich dafür entschuldigen“, sagt Lenz.
Die Mieter werden weiterhin Geduld haben müssen, denn die Fertigstellung sei jetzt für Dezember geplant. Erst danach können die Plane und das Gerüst abgebaut werden. Das soll laut Lenz aber „so schnell wie möglich“ geschehen.
Mietminderungen? Anfrage erforderlich!
Und wie sieht es mit einer Mietminderung, möglicherweise sogar aus Kulanz der LEG ihren Mietern gegenüber aus? „Wir werden Anfragen unserer Mieter selbstverständlich prüfen und, wenn sie rechtlich betrachtet berechtigt sind, Mietminderungen im gesetzlich üblichen Umfang gewähren, die wir nach Abschluss der Arbeiten erstatten werden“, heißt es dazu von LEG-Sprecher Mischa Lenz.
Das Büdchen von Tobias Schwarze soll ebenfalls noch saniert werden – er hofft, bei weiterlaufendem Geschäftsbetrieb. Die Fenster wurden bereits ausgetauscht, aber noch klaffen deutliche Lücken im Putz. Und einen Wasserschaden hatte er auch noch, weil durch ein undichtes Rohr am Hochhaus Wasser in sein Lager floss ...
