EVK: Abtreibung nur in Ausnahmefällen
HAMM - Nicht nur bei niedergelassenen Gynäkologen, auch in fast allen Hammer Kliniken können Frauen keine Abtreibungen vornehmen lassen. Einzig im Evangelischen Krankenhaus herrscht kein prinzipielles Verbot, dennoch sind Schwangerschaftsabbrüche nur in Ausnahmefällen erlaubt.
Wie berichtet, ist der einzige örtliche Frauenarzt, der bisher Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt hat, in den Ruhestand gegangen und hat seine Praxis geschlossen. Doch auf die Krankenhäuser können Frauen nicht ausweichen: Das St.-Josef Krankenhaus, das St.-Marien-Hospital und die St.-Barbara-Klinik befinden sich in katholischer Trägerschaft, Abtreibungen werden hier strikt abgelehnt.
„Wenn Kinder schwere Fehlbildungen aufweisen, wie Chromosomen-Störungen, nehmen wir auch Abtreibungen vor“, sagt Dr. Gernot Meyer, Chefarzt der Geburtshilfe im EVK. Dies gelte auch noch nach der zwölften Schwangerschaftswoche. Diesen Kompromiss habe er mit der Klinikleitung gefunden, obwohl das EVK ein kirchliches Haus ist.
„Früher wollte ich gar keine Abtreibungen durchführen. Aber ich kann auch nicht die pränatale Diagnostik machen und dann nicht den Eingriff durchführen, wenn dabei schwere Krankheiten festgestellt werden“, sagt Meyer. In solchen Fällen könne er damit leben, ein Kind abzutreiben.
Einen Schwangerschaftsabbruch wegen ungünstiger Lebensumstände der Mutter durchzuführen oder weil die Mutter das Kind nicht will, kommt für den Chefarzt hingegen nicht in Frage: „Das wäre für mich unmöglich. Es ist eigentlich meine Aufgabe, möglichst alles zu tun, damit ein Kind geboren werden kann.“
Er sei kein Abtreibungs-Gegner, stellt Meyer klar, jede Frau solle auch aus persönlichen Gründen abtreiben können. „Dass es diese Möglichkeit jetzt in Hamm nicht mehr gibt, ist ein Drama“, sagt Meyer. Er hofft, dass diese Lücke schnell geschlossen wird. Letztlich bleibt das jedoch eine persönliche Entscheidung der Gynäkologen in Hamm. „Jeder muss seinen Weg finden und das machen, was er auch vertreten kann“, sagt Meyer. - fmh
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