Multi Hub Westfalen
Kritik an Rangierbahnhof-Plänen: Hamm Konkurrenz für Dortmunder Hafen
In Hamm gilt die Reaktivierung des Rangierbahnhofs als Zukunftsprojekt. In Dortmund schrillen beim Stichwort „Multi Hub Westfalen“ dagegen die Alarmglocken.
Hamm / Dortmund – Man sieht sich im Standortwettbewerb benachteiligt und diskutiert im Rat über Gegenmaßnahmen. Im Hammer Rathaus sieht das Störfeuer aus Dortmund gelassen; verhindern könne die Nachbarstadt das Projekt nicht.
Als die Absichtserklärung für den Multi Hub Westfalen am 1. Oktober in Hamm unterzeichnet wurde, strahlten sie um die Wette: Hendrik Wüst, damals noch Landesverkehrsminister und heute Ministerpräsident, DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta, Jörg Hensel von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft und Oberbürgermeister Marc Herter. In Dortmund kam das nicht so gut an, besonders bei Uwe Waßmann, der dort für die CDU im Rat sitzt und dem der Dortmunder Hafen am Herzen liegt. Dort betreibt die stadteigene Hafen AG ein Verlade-Terminal zwischen Schiene, Straße und Kanal – genau das, was in Hamm in größerem Stil geplant ist.
Bereits im November war Hamm deshalb Thema im Dortmunder Rat. Das Online-Portal nordstadtblogger.de hatte zuerst darüber berichtet. Es fielen markige Worte, wie aus Niederschrift und Mitschnitt der Sitzung hervorgeht. Waßmann ärgerte sich besonders darüber, dass die Stadt Hamm in eine „aus ihrer Sicht sehr komfortable Lage“ gekommen sei; man sei wohl „schon weit im Vorfeld mit der Bahn im Gespräch“ gewesen. Dortmund müsse jetzt seine eigenen Interessen gegenüber der Bahn deutlich machen. Die SPD schloss sich an, die Grünen ebenfalls. Die Umweltpartei warnte vor einer „Kannibalisierung“ der bestehenden Dortmunder Anlage durch das geplante Terminal in Hamm.
Multi Hub Westfalen „große Herausforderung“ für Dortmund
Der Dortmunder Rat beschloss dann, dass der Multi Hub Westfalen „in unmittelbarer Nachbarschaft“ eine Wettbewerbssituation schaffe, die für den Dortmunder Hafen „eine große Herausforderung“ bedeute. Die Stadt Dortmund solle sich eindeutig zu dem Vorhaben positionieren und sich die Unterstützung von Bahn, Bund und Land für eigene Vorhaben sichern. Erst mal soll jetzt ein Wettbewerbs-Gutachten erstellt werden.
Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) begrüßte die „klare Botschaft“ des Rates. Ob die Warnung an die Bahn oder an Hamm gerichtet ist, ließ er offen. Auch die Dortmunder Pressestelle wollte sich zum Fall nicht weiter äußern. Es liefen Gespräche, sagte Westphal im Rat, natürlich „auch mit meinem Oberbürgermeisterkollegen“.
Stadt Hamm entspannt: „regelmäßiger Austausch mit Westphal“
Es gebe tatsächlich einen regelmäßigen Austausch mit Westphal und auch mit dem Unneraner Landrat Mario Löhr (SPD), sagt Marc Herter. Das betreffe auch den Rangierbahnhof. Dem Eindruck, die Hammer wollten den Dortmundern etwas wegnehmen, widerspricht er deutlich: Es geht darum, mehr Güter auf Schiene und Kanal zu bekommen. Der Fokus liege da für Hamm auf Ost- und Südwestfalen, eine Konkurrenz zu Dortmund sehe er nicht.
DB Cargo und Industrie- und Handelskammer (IHK) stünden hinter dem Hammer Projekt, so Herter. Bei der IHK habe man auch mit dem Vorstand der Dortmunder Hafen AG darüber gesprochen. Und da sei eine engere Kooperation der Akteure (inklusive Multi Hub Westfalen) für gut befunden worden.
In Dortmund geht es deshalb vielleicht um etwas ganz anderes. Die Anbindung des dortigen Terminals gilt nämlich als arg verbesserungsbedürftig. Von der Bahn hätte man deshalb gerne einige Grundstücke, um neue Schienen und Straßen bauen zu können. Darüber dringend mit der Bahn zu sprechen, gehört auch zum Dortmunder Ratsbeschluss.
Kirchturmpolitik an Bahnanlagen
Jahrzehntelang war es ganz einfach: Dortmund war die größte Stadt der Region, und Hamm hatte den größten Bahnhof. Ganz einfach, weil sie hier die wichtigsten Bahnstrecken kreuzten, was die Anlage von Rangier- und Betriebsanlagen sinnvoll erscheinen ließ. Das hat sich gewandelt, meist zum Nachteil Hamms. Vor gut 20 Jahren stritten Hamm und Münster öffentlich um eine DB-Regionalwerkstatt, die dann auf gewerkschaftlichen und politischen Druck hin in Münster gebaut wurde. Fast zeitgleich entschied sich die Deutsche Bahn, in Dortmund ICE-Züge warten zu lassen. Hamm hatte sich auch da gute Chancen ausgerechnet, ging aber leer aus. Vor wenigen Tagen bekam Dortmund gleich noch ein zweites ICE-Instandhaltungswerk zugesprochen, 2025 soll es die Arbeit aufnehmen. In der Revierstadt werden seit 2018 auch die Züge des Rhein-Ruhr-Express gewartet. Der Standort Hamm war nach Informationen unserer Zeitung zwar besser bewertet worden, blieb aber chancenlos. Empörte Ratsbeschlüsse gab es in Hamm danach allerdings nicht.
