Rangierbahnhof

Stadt Hamm forciert Planungen zur Anbindung des „Multi Hubs Westfalen“

Freifläche zwischen Wiescher Bach und Daberg (K 35n)
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Zwischen dem Wiescher Bach (Bildmitte), der Kamener Straße (oben), dem Daberg (rechts) und der Rathenaustraße (unten) soll die K 35n zur Erschließung des Rangierbahnhofs verlaufen.

Die Reaktivierung des Rangierbahnhofs ist eines der größten Projekte in Hamm in den kommenden Jahren. Doch ohne die Anbindung ans überörtliche Straßennetz macht es wenig Sinn. Die Stadt forciert daher die Planungen für die K35n zwischen Kamener Straße und Rathenaustraße

Daberg/Wiescherhöfen – Das Land NRW, die Stadt Hamm, die Deutsche Bahn Cargo AG sowie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft möchten schrittweise bis zum Jahr 2028 die Inbetriebnahme des „Multi Hubs Westfalen“ erreichen. Auf fast 60 Hektar Fläche Rangierbahnhof sollen sich Schiene, Straße und Wasserstraße zu einer Logistikdrehscheibe entwickeln. Eine zentrale Rolle bei der Erschließung spielen die B 63n von der Autobahnabfahrt in Bönen bis zur Hafenstraße und die K 35n als Verbindung der Kamener Straße mit der Rathenaustraße – eine Straße, die erstmals vor zwölf Jahren konkret „auftauchte“ und bei der es noch einige Hürden zu meistern gilt.

Rangierbahnhof-Erschließung: Umweltrechtliche Untersuchungen

Die Planung der K 35n wird nach Angaben von Stadtsprecher Tom Herberg derzeit intensiviert. Das zeigt auch ein Blick in den Haushaltsplanentwurf 2022/23: Für die kommenden Haushaltsjahre sind 300.000 Euro Planungskosten eingeplant. Die zu erwartenden Baukosten für die K 35n tauchen dort allerdings noch nicht auf. Wie Herberg sagte, werden aktuell die umweltrechtlichen Untersuchungen abgeschlossen. „Im Anschluss daran erfolgen die Aufstellung des Artenschutzbeitrages und der Umweltverträglichkeitsstudie.“ Konkrete Streckenverläufe oder ähnliches gebe es noch nicht. Nach den derzeit laufenden und den in Kürze startenden Gutachten sollen im kommenden Jahr konfliktarme Korridore für den Trassenverlauf vorliegen. Anschließend könne dann die Linienbestimmung durchgeführt werden.

Bereits Ende 2009 hatten sich die politischen Gremien in Hamm erstmalig mit dem Bau der K 35n befasst. In der entsprechenden Vorlage – zu diesem Zeitpunkt war die Reaktivierung des Rangierbahnhofs noch kein Thema – heißt es unter anderem: „Der Neubau der K 35 in veränderter Lage stellt einen umfassenderen verkehrlichen Lösungsansatz dar. Die Anbindung von der B 63n nach Pelkum und Daberg würde über eine Neubautrasse nördlich des Wiescher Bachs erfolgen. Die heutige Weetfelder Straße würde ihre Funktion als Hauptverkehrsstraße verlieren und nur noch dem Anliegerverkehr dienen.“

Rangierbahnhof-Erschließung: Stadt muss Hochwasserschutz beachten

Soweit die Theorie. In der Praxis dürfte es aber gar nicht so einfach werden, eine Trasse zu finden. Die dürfte ziemlich nah an den Daberg rücken. Denn: Zum Schutz vor Hochwasser hatte der Lippeverband zwischen dem Wiescher Bach und dem Daberg vor Jahren eine natürliche, unbebaute Überlauffläche angelegt, die nach Verbandsangaben bis zu 600.000 Kubikmeter Wasser fassen kann. Und auf die wird der Lippeverband nicht verzichten, stellte Verbandssprecher Ilias Abawi klar.

Im Gegenteil: Angesicht des Klimawandels und der immer häufiger vorkommenden Starkregenereignisse suche man fieberhaft weitere Flächen für den Hochwasserschutz. Die Fläche am Wiescher Bach sei Bestandteil des Gesamtkonzepts „Herringer Bach“ und ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz in Hamm. Sie sei auch als solche ausgewiesen.

Die Hochwasser-Katastrophe im Juli habe gezeigt, wie wichtig solche Flächen seien. „Wir haben den Auftrag bekommen, den Hochwasserschutz in den kommenden Jahren zu überdenken und weiter zu verbessern – auch in Hamm.“ Besonders gut seien dafür so sogenannte Retentionsflächen neben einem Fließgewässer geeignet. Sie könnten ohne einen größeren baulichen Aufwand angelegt werden.

Aus den genannten Gründen dürfte der Spielraum für die geplante Trasse recht klein sein. Dessen ist sich die Stadt bewusst. Herberg: „Bei der Trassenfindung spielt neben Umwelt- und Artenschutzaspekten natürlich auch die Maßnahme des Lippeverbandes eine Rolle und wird entsprechend in den Planungen berücksichtigt.“ Sollte die Querspange – und davon ist angesichts der Wichtigkeit des Projekts „Multi Hubs Westfalen“ auszugehen – gebaut werden, dürften das vor allem die Menschen auf dem Daberg spüren, über den der ganze Verkehr ohne B 63n in Richtung Hafen abfließen wird.

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