Ärzte statt Möbel: Im Herlitz-Haus wird umgebaut
Hamm - Es könnte ein weiterer richtungsweisender Schritt sein für den Umgang mit leer stehenden ehemaligen Einzelhandelsflächen in der Hammer Innenstadt: Thomas Schätzer, Geschäftsführer des Traditionshauses Herlitz an der Bahnhofstraße, hat Teile des Gebäudes umgebaut.
Damit kann sich im 1. Obergeschoss eine Augenarztpraxis ansiedeln. Es soll nicht die einzige Praxis bleiben. „Mein Ziel ist es durchaus, hier weitere Ärzte anzusiedeln“, sagt er. Dabei setzt er auch auf die gute verkehrliche Anbindung am Busbahnhof und den kurzen Weg in die Luisenstraße, wo sich ein separater Eingang zur Praxis befindet. Der Umbau sei für ihn schon zukunftsweisend gewesen.
Schätzer hat reichlich Fläche im ersten, zweiten und dritten Stockwerk. „Pro Etage wäre Platz für drei Praxen“, sagt er. Macht also insgesamt neun. Damit könnte hier so etwas wie ein neues Ärztehaus entstehen. 260 Quadratmeter werde die augenärztliche Gemeinschaftspraxis ab September belegen, sagt er. Dafür mussten aufwendige bauliche Voraussetzungen geschaffen werden.
„Um Barrierefreiheit und seniorengerechte Bedingungen zu schaffen, haben wir einen Aufzug eingebaut“, so Schätzer. Auch eine großflächige Glasdecke musste geschlossen werden. „Im Bestand und bei laufendem Betrieb ist das durchaus eine Herausforderung.“ Während und wegen des Umbaus ist das Ladenlokal im Erdgeschoss nur an drei Tagen in der Woche geöffnet. Dies deute nicht etwa auf eine Schließungsabsicht von Herlitz hin. „Die Bedingungen und der Staub während der Bauarbeiten lassen nichts anderes zu“, so Schätzer.
Denn Schätzer, der seit 22 Jahren Geschäftsführer ist, macht sich seit geraumer Zeit Gedanken um die Zukunft des Einzelhandels und des Traditionshauses, das 1905 von Heinrich Herlitz eröffnet worden war. Obwohl keine Not bestehe, lässt er das Gesamtobjekt mit 2200 Quadratmetern Fläche über ein Hammer Immobilien-Unternehmen vermarkten. Ziel sei eine flächige Vermietung, sagt Schätzer. Auch das Ladenlokal im Erdgeschoss mit seiner rund 70 Meter langen Schaufensterfront steht zur Verfügung, falls es Interessenten gibt.
Grundsätzlich sei die Situation im Einzelhandel nicht erfreulich. Wenn ihn das auch nicht selbst betreffe, so sei doch auch in seiner Branche von Einbrüchen von 20 bis 25 Prozent die Rede. „Unser Plus ist, dass wir nicht vom Laufgeschäft abhängig sind“, sagt Schätzer. „Unsere Kundschaft sucht das Haus gezielt auf.“ Teils mache er selbst Termine an Abenden oder Wochenenden.
Situation an Bahnhofstraße verbessert
Die Situation an der Bahnhofstraße habe sich in den vergangenen zwei Jahren verbessert, meint er. „Das meine ich nicht auf den Einzelhandel bezogen, sondern auf das Umfeld“, so Schätzer. Das kritische Klientel, das den Knotenpunkt zwischen Herlitz und TerVeen ehemals zur Drehscheibe für illegale Geschäfte gemacht habe, sei verschwunden. „Das ist positiv, denn die Stadt hat im Bahnhofsviertel viel investiert.“
In der Vergangenheit hatte eine mögliche Vermietung von Herlitz wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. So war einmal eine Erweiterung der Hochschule im Gespräch, die dann aber auf Herlitz-Teilflächen nicht zustande kam. Das Gerücht, der Mode-Discounter Primark könnte Interesse an einer Ansiedlung haben, erwies sich schließlich als haltlos.
