Befragung geplant
Hamm auf dem Weg zur familienfreundlichsten Stadt: Familien sollen sagen, was fehlt
Hamm solle familienfreundliche Stadt Deutschlands werden, versprach Marc Herter im Wahlkampf. Nun will die Stadt mit Hilfe einer Befragung herausfinden, was die Familien eigentlich brauchen.
Hamm – Familienfreundlich ist, was der Familie dienlich ist, ihr entgegenkommt, sie fördert. So definiert der Duden Familienfreundlichkeit. Doch was brauchen Familien wirklich? Gute Wohnungen, Jobs, Kitas, Schulen, Spielplätze, alles davon oder etwas anderes? Und was ist eigentlich gut? Das muss ausloten, wer familienfreundliche Politik machen will. In Hamm läuft seit Montag eine Befragung. Beteiligen können sich Familien mit Kindern bis 25 Jahre, die oft zu Hause wohnen. „Wir wollen allen Familien eine Stimme geben“, sagt Marc Herter (SPD).
| Stadt | Hamm |
| Einwohner | 179.916 (Stichtag: 31.12.2020, Quelle: Stadt Hamm) |
| Davon unter 18 Jahren | 31.271 |
| Oberbürgermeister | Marc Herter (SPD) |
Wahlversprechen: Hamm wird familienfreundlichste Stadt Deutschlands
Er hatte im Wahlkampf versprochen, Hamm zur familienfreundlichsten Stadt Deutschlands zu machen. Nun ist er seit etwas mehr als einem Jahr Oberbürgermeister. Seitdem wurden die Gebühren für Kitas und OGS gesenkt. In NRW ist die Kinderbetreuung nur noch in fünf anderen Jugendamtsbezirken günstiger – dort, wo die Betreuung gar nichts kostet. In 190 anderen Bezirken kostet sie mehr.
Auch andere Projekte hat die Verwaltung angestoßen. Es gibt ein Familiendezernat und eine Stabsstelle familienfreundlichste Stadt. Sie planen ein Familienrathaus, analog und digital. „Die Leute wollen einen zentrale Anlaufstelle, bei der sie erfahren, welche Hilfen sie erhalten können“, sagt Familiendezernentin Britta Obszerninks.
Familienfreundlichste Stadt: Was hilft Familien wirklich?
Außerdem plant die Stadt, wo neue Kitas gebaut werden sollen, hat Lotsendienste für die Eltern Neugeborener ausgebaut, die Willkommensbesuche verlängert. Geplant ist auch, die Jugendarbeit in Schulen anders aufzubauen. Ein Träger pro Schule soll für die Jugendarbeit zuständig sein, alle Hilfen koordiniert.
Doch macht das das Leben der Familien besser? Hier soll die Befragung soll Anhaltspunkte liefern. Seit Montag gibt es eine neue App. „Hamm: Machen“ (Hier geht‘s zur App im Google-Playstore) heißt sie, darin enthalten ist eine Fragebogen. Teilnehmer können Schulnoten verteilen: Wie gut ist die Wohnsituation, wie läuft die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie gut kann sich das Kind entfalten? Auch ausgedruckt gibt es den Bogen, um niemanden auszuschließen.
Befragung zur Familienfreundlichkeit: Grundlage für Projekte
Bis Ende Februar läuft die Befragung. Auf Basis der Ergebnisse will die Verwaltung dann Projekte entwickeln, sagt Nicolas Apitzsch von der Stabsstelle familienfreundlichste Stadt. Darüber hinaus sollen Familienbeiräte gebildet werden, die die Stadt zu geplanten Maßnahmen beraten. Jeweils 15 bis 20 Familien sollen dazu gehören.
Ein erstes Treffen dieser Art gab es schon. Deutlich wurde, wie wichtig das Wohnen für viele Hammer ist. „In Hamm braucht es mehr Mietshäuser für größere Familien und mehr geförderten Wohnraum“, sagt Herter. Das Baudezernat arbeite daran. Mehrere Familien haben dem WA berichtet, wie schwierig es ist, geeigneten Wohnraum zu finden.
Wir möchten wissen, ob das, was wir tun, das Leben der Familien wirklich besser macht – oder ob es ins Leere läuft
Die Stadt lässt sich zur Familienfreundlichkeit auch wissenschaftlich beraten – und will die Befragungen wiederholen. „Wir möchten ja wissen, ob das, was wir tun, das Leben der Familien wirklich besser macht – oder ob es ins Leere läuft“, sagt Herter.