Auf der Suche nach Molch und Co.

Experte untersucht Trasse entlang der geplanten B63n auf schützenswerte Tiere

 Experte Stefan Schwenzfeier
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Was kreucht und fleucht denn da? Experte Stefan Schwenzfeier auf der Suche nach Molch und Co.

Was kreucht und fleucht denn da? Experte Stefan Schwenzfeier führt gerade einen Teil der faunistischen Untersuchung an der Trasse der geplanten B63n durch.

Pelkum – Versteckt liegt der Tümpel im Weidenhain auf einer Wiese mit hochstehendem Futtergras. Stefan Schwenzfeier zieht die erste Reuse an Land. Die Schwimmhilfen des mit abgeschnittenen Plastikflaschen gespickten Farbeimers sind eigentlich unnötig. „Der Wasserspiegel ist schon sehr niedrig“, bemerkt der Landschafts-Ökologe. Für das Nordhorner Ingenieursbüro Lindschulte führt er gerade einen Teil der faunistischen Untersuchung an der Trasse der geplanten B63n durch.

Die so genannte Planungsraumanalyse unterstellt, welche schützenswerte Tiere in diesem Lebensraum vorkommen könnten. Die erstellte für diesen Bereich ein anderes Büro. Die Stadt Hamm als Auftraggeber entscheidet in Absprache mit der Naturschutzbehörde, welche Lebewesen und in welchen Teilbereichen relevant für den Bau der Straße sind. Nach denen hält Stefan Schwenzfeier Ausschau.

Fotos für Analyse gemacht

„Alles aufzunehmen, was hier kreucht und fleucht, wäre tatsächlich auch zu aufwendig und letztlich zu teuer“, beschreibt er seine spezifizierte Aufgabe. In diesem Riesengebiet müsse man Schwerpunkte setzen. Das Büro Lindschulte untersucht immerhin jeweils 300 Meter auf beiden Seiten der knapp sechs Kilometer langen Südtrasse Richtung Nordbögge. Am frühen Morgen war Schwenzfeier zudem schon in anderer Richtung entlang der Bahn Richtung Hafen unterwegs. Er hat für die ausstehende Planungsraumanalyse dort Fotos gemacht, dabei unter anderem einen brütenden Turmfalken in einem Mast entdeckt.

Vor Wochen schon legte er im faunistischen Untersuchungsraum Reptilienbretter aus. Blindschleichen und Eidechsen nutzen die Schotterung der Gleisanlagen. In den Gewässern werden nun Molche, Kröten und Frösche erwartet. „Wir gucken auch nach Brutvögeln, die betroffen sein könnten. Oder besser: hören am Gesang, wer hier ein Nest hat.“ Die üppige Vegetation lässt den freien Blick aktuell nicht zu.

Ersatzhabitat für Vögel

Einen Baumfalken habe er schon ausgemacht in dem kleinen Wäldchen neben der Rathenaustraße. „Der ist durchaus planungsrelevant, ein solcher Vogel braucht ein Ersatzhabitat in der Nähe“, erklärt Schwenzfeier.

Ein Baumfalke ist durchaus planungsrelevant, ein solcher Vogel braucht ein Ersatzhabitat.

Stefan Schwenzfeier Landschafts-Ökologe

Am Vortag hatte der Landschaftsökologe die Reusen in die Gewässer entlang der Trasse, die ein Amphibienlebensraum sein könnten, verbracht. „In Bönen gibt es ein Gewässer, wo ich die Molche mit dem bloßen Auge gesehen habe“, berichtet er.

Hygiene als oberstes Gebot

Damit die Grundeigentümer Bescheid wissen, hängen laminierte Kärtchen mit dem Eigentumsnachweis an den Einholleinen. „Wir versuchen zwar immer, mit ihnen zu sprechen, aber manchmal wissen wir nicht, wem der Boden gehört“, erklärt Schwenzfeier. Das Wegräumen des „Mülls“ sei ansonsten nicht unwahrscheinlich. Die Reusen aus Farbeimern und auch die so genannten Flaschenreusen sehen nämlich so aus wie illegal entsorgt. „Und sie sind auch selbstgebaut“, erklärt der Experte.

Praktische Erfahrungswerte liegen diesen wissenschaftlichen Fangmethoden zugrunde. „Sie erfüllen ihren Zweck und sind gut zu reinigen.“ Schließlich ist auch Hygiene oberstes Gebot, um eventuell vorhandene amphibiengefährdende Pilze nicht von Gewässer zu Gewässer zu schleppen. Deswegen trägt Schwenzfeier auch Latexhandschuhe, als er einen Molch aus der Falle holt. Übrigens das einzige relevante Tier, das an diesem Morgen in die Falle geht. „Gestern beim Fallen stellen, habe ich noch einen Teichfrosch gesehen“, erzählt der Ökologe. Libellenlarven und Wasserkäfer gelten in dieser Exploration als Beifang.

Naturschutzbehörde entscheidet über Maßnahmen

„Vielleicht ein Fadenmolch, ein Männchen“, schießt er ein Foto, um später genauer nachzuschlagen. Der hat einen Schutzstatus mit dem Attribut „besonders“ wie alle Molche. Heißt: Wenn diese Population die einzige in der näheren Umgebung ist, wird das Tier planungsrelevant. Das heißt vereinfacht: Die Straße, und in diesem Falle die temporäre Verbindung K35n von der Kamener zur Rathenaustraße, kann nicht so einfach gebaut werden. Die Entscheidung, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, obliegt aber letztlich der Naturschutzbehörde.

„Die Flaschenreuse lag gestern noch richtig im Wasser“, wundert sich Schwenzfeier am zweiten Gewässer. „Der Wasserspiegel sinkt hier wohl sehr schnell.“ Der Tümpel bringt an diesem Morgen keine neuen Erkenntnisse, sprich: Amphibien.

Fadenmolch ist ein Teichmolch

Im Gegensatz zu den Gewässern weiter südwestlich. Dort fing der Experte neben einigen Teich-, der häufigsten Lurchart Deutschlands, auch Bergmolche.

Von dem Molch schießt der Experte ein Foto, um später genauer nachzuschlagen. Alle Molchen haben einen Schutzstatus mit dem Attribut „besonders“.

Noch zweimal bis in den Sommer wird der Ökologe seine Fallen auslegen. Im Sommer wandern die Tiere zurück ins Winterquartier. Die Fledermaus-Beobachtung durch das Münsteraner Büro Echolot beginnt noch und endet erst im Herbst.

Den Fadenmolch von der Rathenaustraße übrigens musste Stefan Schwenzfeier nach dem späteren Studium zum Teichmolch degradieren.

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