Grundschule
Eine Sisyphos-Arbeit: Wie sich die Kappenbuschschule für einen sicheren Schulweg engagiert
Mit vielen Kooperationspartnern macht sich die Kappenbuschschule dafür stark, dass Kinder nicht ständig zur Schule gebracht werden. Zuletzt gab es aber einen Unfall mit einem „Elterntaxi“.
Heessen – Die Kinder wissen es schon ganz genau, bei manch einem Erwachsenen ist es vielleicht aber noch nicht angekommen: Als Konrektorin Sabine Spann zu Beginn des Schultrödelmarkts der Kappenbuschschule alle Anwesenden fragte, wo denn die Elterntaxi-Haltenstellen sind, da zeigten die Grundschüler zielsicher in Richtung Familienoase sowie zum Pfarrheim St. Marien.
Anlass der Frage war, dass die Verkehrswacht Hamm die Veranstaltung nutzte, um auf die landesweite Aktion „Schulweg zu Fuß“ aufmerksam zu machen. Erst wenige Tage zuvor hatte ein Unfall direkt vor der Schule die potenziellen Gefahren durch den Hol- und Bringedienst noch einmal aufgezeigt und die Sinnhaftigkeit der Aktion verdeutlicht.
Den Kindern auch noch den letzten Meter ersparen
Dabei hat die Kappenbuschschule bereits extra eingerichtete Flächen, wo Eltern ihre Sprösslinge nur wenige Meter vor der Schule absetzen können. Je nachdem, aus welcher Richtung sie kommen, können sie dies gegenüber des Pfarrheims auf dem Seitenstreifen der Sulkshege sowie auf dem Parkplatz vor dem Heessener Hallenbad tun. Allein, manche wollen ihren Kindern auch noch diese Meter ersparen, halten im ohnehin nicht allzu übersichtlichen Kreuzungsbereich Sulkshege, Barbarastraße, An der Marienkirche an (manche dazu noch verkehrswidrig) und sorgen so an der Engstelle für Durcheinander.
Die Problematik an der Kappenbuschschule ist kein Einzelfall, weiß Hans-Wolfgang Hammer von der Verkehrswacht Hamm. Gemeinsam mit Detlef Rittscher, dem neuen Heessener Bezirksbeamten, übergab er das Plakat zur Aktion mit dem Schriftzug „Zu Fuß zur Schule – Frische Luft statt Elterntaxi“ und verteilte Warnwesten am Glücksrad. Damit sie mehr Leute erreichen, vereinbarten Spann und Hammer kurzfristig den Termin am Tag des Trödelmarkts. „Das ist genau passend gekommen“, sagte Spann, die die Gelegenheit nutzte, noch einmal auf die für alle sicheren Abstellplätze hinzuweisen.
Dauerthema Eltern-Taxi: eine Sisyphos-Arbeit
Die Kappenbuschschule engagiert sich schon lange und ausdauernd für das Thema. Die Eltern von den neu hinzustoßenden Erstklässlern werden in Gesprächen und mit Flyern auf die Haltestellen hingewiesen. Dabei wird versucht, ihnen klar zu machen, warum sie ihren Kindern mit dem Hol- und Bringservice keinen Gefallen tun. Dazu hat die Schule an verschiedenen Aktionen teilgenommen.
Das funktioniere durchaus, wie Spann berichtet, doch das Ganze sei auch ein bisschen Sisyphos-Arbeit. Besonders im Herbst mit der Dunkelheit und dem schlechten Wetter nehme die Zahl der Elterntaxis immer wieder aufs Neue zu. „Man bleibt dran. Wir haben das immer wieder auf dem Schirm“, sagt Spann.
„Für die Kinder ist es besser zu Fuß zur Schule zu gehen“
Auch Hammer kennt das nur zu gut. Der stellvertretende Leiter des städtischen Rechtsamts war lange im Beirat der Kreispolizei und hat schon rund 30 Jahre Schulen in puncto Verkehrssicherheit beraten. „Wichtig ist es, dass die Eltern sehen, dass es für die Kinder besser ist, wenn sie zu Fuß zur Schule gehen“, erklärt er.
In Begleitung von Mama oder Papa würden die Kleinen Schritt für Schritt an die Verkehrsregeln herangeführt und lernen, den Verkehr einzuschätzen, und seien nicht zuletzt durch die Bewegung und die frische Luft wacher und aufnahmefähiger im Unterricht. Gleichzeitig bedeuten weniger Autos vor der Schule auch weniger Gefahren.
Unfall mit Zwölfjährigen vor Schulbeginn
Das Negativbeispiel ereignete sich Ende Oktober: „Zwölfjähriger schwer verletzt“ lautete die Meldung im WA. Um kurz vor 8 Uhr wollte ein Schulkind mit einem elektrisch angetriebenen Spielgerät die Kreuzung queren und wurde von einem Auto, das zuvor am Fahrbahnrand gehalten hatte und gerade losfuhr, angefahren. Ein Unfallschwerpunkt ist die Umgebung allerdings nicht, wie Polizeisprecher Daniel Siegesmund betont. Die Lage sei bis auf diesen einen Vorfall unauffällig.
Die Schule hat den Vorfall mit den Kindern besprochen und auf die Bedeutung von Warnwesten und Helmen hinzuweisen, auch wenn die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Das Problem vor Ort hat die Polizei im Blick: Die Bezirksbeamten seien regelmäßig vor Ort, um sich einen Eindruck zu machen. Zu den Hol- und Bringezeiten sei die Situation an der Kappenbuschschule unübersichtlich, so Siegesmund. „Parkverstöße werden konsequent geahndet. Es geht aber nicht immer nur um das Repressive“, sagt Siegesmund: „Wir führen auch Elterngespräche, geben Tipps und hören nach Möglichkeiten, wie die Situation verbessert werden kann.“
