Das bringt der „Kultursommer“ 2022
„H4“ kommt 2022 wieder - Hoffnung für Fans des „Hammer Summer“
Nein, der „Hammer Summer“ kommt nicht zurück. Trotzdem soll künftig mindestens ein Top-Act pro Jahr in Hamm auftreten. Es gibt eine Neuauflage von H4, beliebte Reihen bleiben, Neues kommt. Das alles dann unter dem Namen „Kultursommer“. Was verbirgt sich dahinter?
Hamm - Wenn im Sommer in Hamm eine Kulturveranstaltung läuft, dann vermutlich unter dem Namen „Kultursommer“. Die Hammer Stadtverwaltung plant, dass in Zukunft alle Kulturveranstaltungen in der Innenstadt und im Sommer unter diesem Namen zusammengefasst werden sollen - städtische wie private, wenn die Veranstalter mitmachen wollen. Das kündigte Oberbürgermeister Marc Herter (SPD) am Freitag bei einem Pressetermin an. Eine Ausnahme ist der Klassiksommer, der eigenständig bleibt.
„Viele Kulturveranstaltungen werden nur von einem Kreis Eingeweihter besucht“, sagte Herter. „Wir gehen davon aus, dass wir unter der Dachmarke Kultursommer viele in der Stadt erreichen können, die bisher nicht zu dem eingeweihten Kreis gehören.“ Kultur gehöre in die Innenstadt, belebe sie.
Stadt plant Neuauflage von H4 mit einem Unterschied
Im neuen Kultursommer soll es vieles geben, das die Hammer schon kennen: So wird das Festival H4 zum Beispiel neu aufgelegt, geplant ist es vom 9. bis zum 11. September. Es hatte im vergangenen Jahr Premiere. Im Stadtgebiet wurden mehrere Bühnen aufgebaut, an drei Tagen spielten Dutzende Musikgruppen, Künstler traten auf und vieles mehr. Das wird auch zukünftig so sein - mit einem Unterschied.
Kultursommer in Hamm: H4 als Ersatz für Hammer Summer
Denn bei der Neuauflage von H4 soll ein Top-Act auftreten. „Es haben ja viele nach einem Ersatz für den Hammer Summer gefragt“, sagte Herter - dass es diesen nicht mehr geben würde, steht spätestens seit Dezember fest. Diese Entscheidung hatte aber auch für Kritik gesorgt.
Der Top-Act bei H4 sei nun ein Ersatz, das Festival dauert anders als bisher der Hammer Summer nicht einen Abend, sondern drei Tage. Unklar ist noch, ob es schon in diesem Jahr gelingt, einen Top-Act zu finden. 2023 werde das aber gelingen, sagte Herter. Neben dem Top-Act werden wohl wie im Vorjahr vor allem lokale Gruppen auftreten. Wer auftreten möchte, kann sich beim Kulturbüro melden - dieses trifft dann auch die Auswahl.
Kultursommer in Hamm: Künftig gibt‘s Kino am Kanal
Neu ist auch der Plan, dass es künftig Open-Air-Kino in Hamm geben soll. 2022 ist in den Sommerferien die erste Auflage geplant, ein genauer Termin steht nicht fest. Das Open-Air-Kino sei ein Pilotprojekt. Läuft es gut, gibt es ab 2023 eine Reihe, sagte Herter.
Aufgebaut wird die Leinwand am Schleusenplatz - also am neuen Wassersportzentrum am Kanal. Dort wird noch in diesem eine neue Gastronomie eröffnet, wenn auch mit leichter Verzögerung.
Was bringt es, das Programm als Kultursommer zu bündeln?
Die Dachmarke „Kultursommer“ soll vor allem einen Vorteil bringen: eine Übersicht über das, was in Hamm im Sommer kulturell geboten wird. Bisher fanden verschiedene Veranstaltungsreihen nebeneinander statt, ein komplettes Kulturprogramm mit allen Reihen suchten Bürger vergebens.
Das soll sich nun ändern: Die städtischen Reihen werden in den Kultursommer integriert. Die erste Veranstaltung ist die Kulturnacht im Mai. Dort wird das Programm für den Hammer Kultursommer verteilt, außerdem wird es auf einer eigenen Homepage verfügbar sein.
Private Veranstalter können sich an Kulturnacht beteiligen
Zum Kultursommer gehört demnächst auch der Kunstdünger, der an fünf Terminen im Sommer geplant ist. Drei davon werden in der Innenstadt, zwei im Kurpark ausgerichtet. Auch andere Reihen und Veranstaltungen wie der „Day of song“ der Musikschule, eine neue „School‘s out“-Party am 24. Juni und weitere Aktionen laufen demnächst unter der neuen Dachmarke.
Private Veranstalter können sich ebenfalls beteiligen. „Wer gerne in die Dachmarke will, kann sich im Kulturbüro melden“, sagt Knud Skrzipietz, Leiter des Kulturbüros. Der Verein der Förderer des Luther-Viertels habe schon angekündigt, sich zu beteiligen - sechs Veranstaltungen sind in den Sommerferien geplant. Auch Klaus Harkenbusch mit seinem Veranstaltungen mache mit. Mit weiteren Veranstaltern liefen Gespräche, diese seien aber noch nicht abgeschlossen.
Mindestens 50 kulturelle Veranstaltungen im Sommer
Einen kompletten Überblick über alle Veranstaltungen des Kultursommers gibt es noch nicht - es werden mindestens 50, kündigten Herter und Skrzipietz an. Am liebsten würde sie den Hammern sagen: „Fahrt bitte nicht in den Urlaub, ihr verpasst hier etwas“, sagt Monika Simshäuser (SPD), Vorsitzende des Kulturausschusses. Den Abschluss des Kultursommers bildet H4. Der Stunikenmarkt gehört dann nicht mehr zum Kultursommer, er läutet vielmehr den Herbst ein.
Ich freue mich riesig für die Künstler, dass sie wieder auftreten können.
Die Beteiligten beim Pressegespräch waren zuversichtlich, dass die Veranstaltungen trotz der Pandemie stattfinden können. „Ich freue mich riesig für die Künstler, dass sie wieder auftreten können“, sagte Monika Schnieders-Pförtzsch (CDU). Man könne die Künstler noch so sehr aufs Tablett heben, ihnen Wertschätzung entgegenbringen - die zwei Jahre Pandemie hätten an den Nerven gezerrt. „Es ist wichtig, dass sie endlich wieder arbeiten dürfen.“ Die Landesregierung hatte für den 20. März weitere Lockerungen wie ein Ende der Maskenpflicht an vielen Orten angekündigt.
Kultursommer: 200.000 Euro zusätzlich für neue Dachmarke
Die neue Dachmarke „Kultursommer“ samt der neuen Veranstaltungen wird etwa 200.000 Euro kosten. Herter geht davon aus, dass durch Sponsoren 100.000 Euro davon zahlen werden. Dazu kommen die Kosten für bereits bestehende und beschlossene Reihen wie den Kunstdünger. Man versuche, eine weitere Förderung vom Land zu bekommen.
Hintergrund der Neuaufstellung ist unter anderem der Wandel in der Innenstadt: Seit Jahren zeigt sich deutlich, dass eine Innenstadt nicht allein als Einkaufen ausgerichtet sein sollte, Einzelhändler haben vor dem Hintergrund verschiedener gesellschaftlicher Entwicklungen vielfach Schwierigkeiten, auch in Hamm stehen Läden leer.
Hintergrund: Wandel in der Innenstadt begleiten
Kommen nun Kulturveranstaltungen in die Stadt, heiße das nicht, dass die Besucher dann auch gleich shoppen gehen. „Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass sich Einkaufen nicht unbedingt mit dem Besuch einer Kulturveranstaltung verträgt“, sagte Herter. Vielmehr erhöhe die Kultur die Sichtbarkeit: Menschen kämen in die Stadt, die es sonst vielleicht nicht tun, entdeckten dann auch Gastronomen und Geschäfte. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Händler und Restaurantbesitzern. Wie weit ihr Angebot in den Kultursommer 2022 integriert wird, steht nicht fest - in Zukunft soll es auch hier eine Zusammenarbeit geben.
Oberbürgermeister und Kulturbüro planen auch, ein studentisches Kulturangebot aufzulegen und zu integrieren. Außerdem soll der Kultursommer bis in die Stadtbezirke reichen. All das ist aber erst ab 2023 geplant. „Wir wollen uns auch nicht überfordern, sondern es richtig machen“, sagt Herter.
