Wie Internet-Erpresser mit intimen Fotos Kasse machen
„Bist Du auch bei Snapchat...?“ Etliche Sextortion-Fälle in Hamm
70 sogenannter Sextortion-Fälle sind allein in diesem Jahr in Hamm bei der Polizei zur Anzeige gebracht worden. Und die Zahlen steigen. Wie Internet-Erpresser mit intimen Fotos ihrer Opfer Kasse machen.
Hamm – Über Schock-Anrufer und Enkeltrick-Betrüger ist schon viel berichtet worden. Internet-Erpresser haben aber nicht nur das ältere Semester im Visier, sondern nehmen mit steigender Tendenz und höchst erfolgreich auch jüngere Leute aus, meist Männer. Basis hierfür sind intime Aufnahmen, die die Opfer von sich selbst gemacht haben. 70 sogenannter Sextortion-Fälle sind allein in diesem Jahr bei der Polizei in Hamm zur Anzeige gebracht worden. Die Fallzahlen gehen in die Höhe, und die Ermittler vermuten, dass dies nur die Spitze des Eisbergs und das Dunkelfeld deutlich größer ist.
Sextortion ist ein aus den englischen Wörtern Sex und Extortion (Erpressung) zusammengesetzter Begriff. Alles beginnt bei der Masche mit einem Chat, bei dem die Opfer von einer ihnen bislang unbekannten Person, die sich als Frau ausgibt, angeschrieben werden.
Beliebte Kanäle hierfür sind laut Polizei Facebook, Telegram oder Instagram. „Bist Du auch bei Snapchat?“, wird – falls die Kommunikation nicht ohnehin über diesen Messenger-Dienst läuft – nach den Erfahrungen der Hammer Ermittler auffallend häufig gefragt. Hintergrund dürfte sein, dass Snapchat-Kommunikation als besonders sicher gilt, denn verschickte Bilder und Videos sind dort eigentlich nur für kurze Zeit sichtbar.
Sextortion-Fälle in Hamm: Opfer sollen Geld bezahlen
Bei den Sextortion-Fällen bringen die Erpresser ihre Opfer dazu, sich vor der Webcam/Handykamera zu entblößen und gegebenenfalls auch sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Im Gegenzug erhält das Opfer angeblich echte Sexfotos oder Videos vom Chatpartner.
Was das Opfer vor der Kamera tut, wird von den Tätern aufgezeichnet und ist die Grundlage für die folgenden Erpressungen. Es wird damit gedroht, die Bilder und Filme im Internet zu veröffentlichen – beispielsweise bei Youtube oder Facebook. Gelöscht würden die Aufnahmen gegen Zahlung von Geld. Gefordert werden nach den Erfahrungen der Hammer Polizei mindestens mehrere hundert Euro, bisweilen aber auch 8000 oder 9000 Euro.
Sextortion-Fälle in Hamm: Personen auf Fotos erkennbar
„Das Fiese ist, dass die Fotos und Videos ja tatsächlich existieren und die Personen auch darauf erkennbar sind“, sagt Polizeisprecher Hendrik Heine. Die Opfer kämen meist auch nicht sofort zur Polizei, sondern versuchten erst einmal, die Täter herunterzuhandeln. Statt geforderter 300 oder 500 Euro seien bei den Hammer Fällen zunächst 50 Euro an die Erpresser geflossen, in den Fällen mit den geforderten 8000 und 9000 Euro seien es zunächst 200 Euro gewesen. Mehr Geld hätten sie gerade nicht, hatten die Opfer ihrem Gegenüber mitgeteilt.
Gelöscht wurden die Bilder danach aber offenkundig nicht. „Nach kurzer Zeit melden sich die Erpresser dann wieder bei den Opfern und stellen neue Forderungen“, sagt Polizeisprecher Hendrik Heine. Meist sei das dann der Zeitpunkt gewesen, dass sich die Betroffenen an die Hammer Polizei gewandt hatten.
Sextortion-Fälle in Hamm: Anzeige bei Polizei erstatten
Die Täter zu ermitteln, sei schwierig. Sie agierten in der Regel vom außereuropäischen Ausland aus, häufig führe die Spur auch nach Afrika, so Heine.
Das Ganze ist natürlich kein Hammer Phänomen. Die Polizei Münster veröffentlichte kürzlich ihre Sextortion-Zahlen. Dort waren es in 2023 bis Ende September 118 Fälle, die angezeigt wurden.
Empfohlen wird, sich niemals zu intimen Handlungen im Netz verleiten zu lassen, insbesondere dann nicht, wenn man die Chatpartner erst seit Kurzem kennt. Betroffene sollten in jedem Fall Anzeige bei der Polizei erstatten und keinesfalls Geld überweisen. In keinem der Hammer Fälle seien die Bilder letztlich im Netz aufgetaucht, sagt Polizeisprecher Hendrik Heine.
Sextortion-Fälle in Hamm: Drohen mit Weitergabe
Eine Variante von Sextortion ist, dass die Täter ein Erpresserschreiben an ihre Opfer schicken, in dem sie nur behaupten, kompromittierende Sexvideos von ihren Opfern zu besitzen und ebenfalls mit einer Veröffentlichung oder Weitergabe an Dritte drohen. Auf gut 20 der in Hamm bekanntgewordenen 70 Fälle treffe dies zu, sagt die Polizei. Die große Mehrzahl drehe sich aber um die Fälle mit echten Bildern.
Mit dem Hype um Künstliche Intelligenz (KI) kursieren allerdings auch immer mehr gefälschte pornografische Bilder und Videos im Internet, die auch sehr junge Mädchen treffen. Ermöglicht wird dies durch die Zunahme billiger und einfach zu bedienender KI-Tools, die Menschen auf Fotos „ausziehen“ können...
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