Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Winter-Wetter 2025/2026: Meteorologen warnen vor zwei völlig gegensätzlichen Szenarien
Zwischen rekordwarmen Ozeanen und arktischer Kälte formiert sich ein Wetterduell der Superlative. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Schon im frühen Herbst 2025 zeichnen sich am meteorologischen Horizont ungewöhnliche Muster ab. Während der Nordatlantik noch nie dagewesene Wassertemperaturen meldet, baut sich über der Arktis eine stabile Kaltluftglocke auf. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Polarwirbel – ein gigantischer Windring in der Stratosphäre, der oft darüber entscheidet, ob kalte Luftmassen nach Mitteleuropa vordringen oder blockiert werden.
Aktuelle Modelle deuten auf einen kräftigen Polarwirbel zu Beginn des Winters hin. Das spricht zunächst für eine überwiegend westliche Strömung mit milden Temperaturen, Sturmphasen und viel Regen – ein klassischer „Dauerherbstwinter“. Doch Meteorologen wissen: Gerade ein starker Polarwirbel kann die Bühne für spektakuläre Umbrüche bereiten. Kommt es im Januar zu einem plötzlichen Stratosphären-Ereignis, könnte sich die Großwetterlage schlagartig drehen.
Pazifik im Fokus – La Niña als heimlicher Spielmacher
Während Europa auf die Arktis blickt, braut sich im Pazifik etwas zusammen, das den Winter maßgeblich beeinflussen könnte. Nach einem ausgeprägten El Niño, schwächen sich die warmen Meeresströmungen derzeit ab. Mehrere internationale Klimamodelle erwarten für den Spätwinter eine Entwicklung hin zu La Niña – und genau das könnte Europas Wetter kippen.
La Niña wirkt oft wie ein „Hebel“ im globalen Strömungssystem: Hochdruckgebiete über dem Atlantik können sich festsetzen, die Westwinddrift wird gestört, kalte Luft hat freie Bahn. In der Vergangenheit kam es in ähnlichen Übergangsjahren regelmäßig zu markanten Kältewellen im Januar oder Februar. Auch die Nordatlantische Oszillation könnte in eine negative Phase kippen – ein klassisches Signal für eine Blockadelage mit Frost und Schnee bis in tiefere Lagen. Erste mögliche Termine für Schnee stehen bereits fest.
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Der große Winter-Showdown: Mild gegen Frost – wer gewinnt?
Die Ausgangslage ist spektakulär: Auf der einen Seite stehen warme Meere, Westwindzonen und ein robuster Polarwirbel – Zutaten für einen der mildesten Winter der letzten Jahre. Auf der anderen Seite lauert das Risiko eines plötzlichen „Kälte-Hammers“, gespeist aus der Stratosphäre und einem möglichen La-Niña-Muster.
Entweder erleben wir also wochenlang Regen und Wind bei zweistelligen Plusgraden – oder der Winter schlägt mitten in der Saison mit voller Wucht zurück. Mystisch betrachtet scheint es, als ob sich zwei Wetterwelten gegenüberstehen – der „ewige Herbst“ gegen den „arktischen Wächter“. Meteorologisch ist beides plausibel.
Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA/ CFS-Prognose
