Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Schnee bis ins Flachland: Deutschland droht schon in wenigen Tagen ein Wintereinbruch

Modelle deuten auf nasses Frühwinterwetter und Schnee hin. Wie real ist jetzt die Chance auf weißen Weihnachten? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Das europäische Wettermodell zeichnet für die zweite Novemberhälfte eine klare Wende: weg vom ruhigen, leicht unterkühlten Hochdruckwetter hin zu einer zyklonalen West- bis Nordlage. Das würde wechselhafte Fronten, häufige Schauer, zeitweise kräftigen Regen und im Rückseitenstrom polare Luftpakete bringen.

Die neuste Prognose des ECMWF-Modells (Stand: 6. November) rechnet um den 20. November sogar mit Dauerfrost in vielen Landeszteilen von Deutschland.

In der Höhe reicht das für sinkende Schneefallgrenzen, zunächst in Mittelgebirgslagen, bei kräftigen Niederschlagskernen sporadisch auch bis in tiefe Lagen. Entscheidend ist, ob sich ein persistenter Trog über Mitteleuropa etabliert und kurzzeitig blockierende Anteile über dem Nordatlantik die Kaltluftzufuhr verlängern. Gelingt das, kann der Übergang in frühwinterliche Verhältnisse mit ersten nennenswerten Schneefällen gelingen.

Wetter-Prognose: Dezember 2010 als Blaupause?

Der Vergleich reizt, doch er ist heikel. 2010 dominierten über Wochen ein markant negatives NAO-Muster, robuste Blocking-Hochs von Grönland bis Skandinavien und fortlaufende Kaltluftadvektion nach Mitteleuropa. Solch eine Kopie erfordert eine stabile großräumige Kopplung, die Modelle erst kurzfristig sicher erfassen. Heute sprechen frühe Signale für erhöhte Dynamik und Kaltlufteinschübe, aber nicht zwingend für ein mehrwöchiges Dauerblocking.

Realistisch erscheint: gute Chancen auf winterliche Episoden im Flachland, besonders bei nächtlicher Ausstrahlung, und deutliche Schneefälle ab Mittelgebirgen. Die Wahrscheinlichkeit für einen „Dezember 2010 2.0“ bleibt hingegen niedriger: grob im Bereich 10 bis 20 Prozent, sofern sich ein anhaltend negatives NAO-Regime nicht etabliert.

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Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
Görlitz - Polarlichter über Sachsen zu sehen am 11.10.2024 in Görlitz
Ein Tornado über dem Gardasee.
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
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Was das für den Winter bedeutet

Ein früher Wintereinschub sagt nicht automatisch einen durchgehend harten Winter voraus, erhöht aber die Chance auf weitere Kältefenster, weil frühzeitige Schneedecken und kalte Böden den Kältepuffer stärken. Für eine längere Frost- und Schneephase wären zusätzlich ein geschwächter stratosphärischer Polarwirbel, gelegentliche Atlantik-Blockings und eine eher niederschlagsaktive Nordwest- bis Nordlage hilfreich.

Im Spagat zwischen Witterung und Klima ist das wahrscheinlichste Szenario ein wechselhafter Frühwinter mit teils markanten Kaltluftschüben, gefolgt von Phasen milderer Atlantikluft. Weiße Weihnachten sind möglich, aber nicht der Basisfall. Wer 2010 nachträumt, sollte die Signale NAO, Polarwirbel, Nordatlantik-Blocking und Schneedecke Eurasien im Blick behalten.

Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de

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