Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

100-jähriger Kalender mit Winter-Prognose: So groß sind die Chancen auf Schnee an Weihnachten

Schneebedeckte Straßen unter dem Weihnachtsbaum? Für 2025 gibt es vorsichtige Hinweise für Weihnachten. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Ein Hauch von Winterzauber liegt in der Luft – doch wer in München, Hamburg, Berlin oder Köln auf weiße Weihnachten hofft, sollte seine Erwartungen dämpfen. Nach den aktuellen Langfristtrends wird es auch 2025 wohl wieder knapp mit der Schneedecke in den Städten. In den letzten Jahrzehnten hat die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten in Deutschland deutlich abgenommen: In tieferen Lagen liegt sie nur noch bei rund zehn Prozent, in südlicheren und höher gelegenen Regionen etwas höher.

Schnee an Heiligabend bzw. Weihnachten 2025? So stehen die Chancen.

Für München stehen die Chancen am besten. Wenn kalte Luft aus dem Osten auf feuchte Mittelmeerluft trifft, kann die Landeshauptstadt schon mal im Schnee versinken – eine Chance von vielleicht 20 bis 30 Prozent. In Berlin sind winterliche Feiertage eher selten, meist mischt sich Regen in den Schnee oder alles taut rasch wieder weg. Hamburg bekommt seine Kälte oft zu spät und Köln bleibt fast immer grün – dort sorgt milde Atlantikluft meist für Plusgrade. Wer also wetten müsste: München könnte ein kleines Wintermärchen erleben, die anderen Metropolen eher ein nassgraues Fest.

Der 100-jährige Kalender und die Sehnsucht nach alten Wetterweisheiten

Der 100-jährige Kalender verheißt für Weihnachten 2025 angeblich Kälte und Schnee – ein Traum für Romantiker und Glühweinfans. Doch so schön diese Vorstellung auch klingt, sie beruht auf überlieferten Bauernregeln und astrologischen Deutungen, nicht auf moderner Meteorologie. Der Kalender orientiert sich an einem Zyklus aus dem 17. Jahrhundert und spiegelt vor allem alte Erfahrungswerte wider – aus einer Zeit, in der weder Klimawandel noch globale Luftströmungen eine Rolle spielten.

Trotzdem hat der Kalender seinen Charme: Er weckt Vorfreude und knüpft an eine Sehnsucht an, die tief im kulturellen Gedächtnis steckt – weiße Weihnachten als Inbegriff von Ruhe, Frieden und Kindheitserinnerung. Und vielleicht stimmt er ja ausnahmsweise: Ein Kaltlufteinbruch zur richtigen Zeit, ein kräftiges Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa – und plötzlich liegt der Schnee doch auf den Dächern.

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Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
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Wie wird das Wetter an Weihnachten?

Wie Weihnachten wird? Seriös lässt sich das nicht sagen. Wetter ist ein chaotisches System: Selbst modernste Supercomputer können zwar Trends erkennen, aber keine exakten Vorhersagen für ein bestimmtes Datum in zwei Monaten treffen. Entscheidend sind viele Faktoren – etwa die Stärke des Polarwirbels, die Temperaturverteilung im Atlantik oder mögliche Blockadelagen über Skandinavien. Eine kleine Verschiebung kann darüber entscheiden, ob es schneit oder regnet.

Als Meteorologe sage ich daher klar: Wer jetzt schon weiß, wie das Wetter an Heiligabend aussieht, betreibt eher Wunschdenken als Wissenschaft. Was wir aber sagen können: Die Chance auf Schnee sinkt langfristig, die Hoffnung bleibt. Und wenn’s dann doch schneit – genießen wir’s doppelt. Denn weiße Weihnachten sind mittlerweile ein seltenes Geschenk, das man nicht planen, sondern nur erleben kann.

Rubriklistenbild: © IMAGO / localpic

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