Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Knall: Kältestes Weihnachten seit 2010 steht bevor – Warnung vor Blackout-Szenario
Ab Weihnachten bis Neujahr droht ein Kältestress, der Energieverbrauch, Netze und Personal gleichzeitig belastet. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Ab den Weihnachtstagen bis in den Jahreswechsel hinein deutet sich ein Szenario an, das es seit der großen Energiewende so noch nicht gab. Dauerfrost auch tagsüber, nachts teils strenger Frost bis unter minus zehn Grad, und das über mehrere Tage am Stück. Es könnte das kälteste Weihnachten seit 2010 werden. In dieser Zeit sind Millionen Menschen nahezu durchgehend zu Hause, heizen konstant, kochen mehr und nutzen zusätzliche elektrische Geräte.
Der Energieverbrauch bleibt hoch, ohne nächtliche Entlastung. Gleichzeitig ist die Erzeugung wetterabhängig eingeschränkt: Photovoltaik liefert kaum Beiträge, und stabile Kaltwetterlagen können den Wind dämpfen. Entscheidend ist die Länge der Kältephase ab Weihnachten. Je länger der Frost bis Neujahr anhält, desto stärker schrumpfen Speicherstände, Reserven und operative Spielräume.
Eisiges Wetter zu Weihnachten – drohen sogar Blackouts?
Zwischen Weihnachten und Neujahr läuft der Energiesektor traditionell im Feiertagsmodus. Viele Fachkräfte sind im Urlaub, Schichtbesetzungen reduziert, Wartung und Service mutmaßlich auf Notbetrieb umgestellt. Zwar existieren Notfallpläne, doch diese sind meist auf kurze Spitzen ausgelegt, nicht auf eine mehrtägige Extrembelastung über die Feiertage hinweg. Führen Frost oder Materialermüdung zu Störungen, verlängern sich Reaktionszeiten, Ersatzteile sind schwerer verfügbar, und Entscheidungswege werden langsamer.
Netzleitstellen und Kraftwerke müssen mit dünner Personaldecke komplexe Situationen managen. Gerade in dieser Phase können kleine Probleme schnell eskalieren. Der Zeitraum ab Weihnachten bis Neujahr gilt deshalb als besonders sensibel für die Stabilität des Gesamtsystems.
Blackout-Gefahr ab Weihnachten realistisch, aber nicht zwangsläufig
Ein Blackout-Szenario wäre höher als in vielen Wintern zuvor. Wahrscheinlich sind zunächst extreme Preise, staatliche Markteingriffe und dringende Sparappelle. Kritisch wird es, wenn Dauerfrost, schwache erneuerbare Einspeisung und personelle Engpässe gleichzeitig auftreten.
Dann entscheidet weniger die installierte Leistung als die Fähigkeit, das System unter Dauerstress stabil zu betreiben. Für Verbraucher bedeutet das erhöhte Aufmerksamkeit und Flexibilität. Für Politik und Betreiber ist es ein Weckruf: Ein kaltes Weihnachtsfest mit Dauerfrost bis Neujahr wäre ein Szenario, das wir seit der Energiewende so noch nicht erlebt haben. Kurz vor Weihnachten könnte es in einigen Regionen aber nochmal warm werden.
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