Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Eisige Dezember-Prognose? Wettermodelle senden frostige Warnsignale – doch es könnte ganz anders kommen

Wettermodelle wirken zunächst eisig, doch ihre Dezemberprognosen erzählen bei genauer Analyse eher eine milde Geschichte. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Wenn die ersten Langfristkarten für den Dezember erscheinen, steigt bei vielen Winterfreunden sofort die Spannung, denn oft sieht man dort dramatische Farbwelten, die auf Kälte, Frost und Schneefall hindeuten könnten. Auf sozialen Medien macht schnell das Gerücht die Runde, dass der Monat eisig starten könnte und die Modelle sich regelrecht einig seien.

Die Prognose des CFS-Modells der NOAA ist seit Wochen konstant und eindeutig.

Doch gerade der Blick auf das US-Modell CFS der NOAA wird häufig missverstanden. CFS ist ein saisonales Klimamodell, das langfristige Tendenzen berechnet, jedoch keine klassischen Wettervorhersagen liefert. Die scheinbar „kalt aussehenden“ Karten sind nicht selten Fehlinterpretationen, denn farbige Anomalien zeigen nur Abweichungen vom Mittelwert – und nicht die tatsächliche Temperatur.

Was CFS und ECMWF wirklich über das Wetter sagen

Tatsächlich prognostiziert das NOAA-Modell für den Dezember Temperaturen von rund ein bis zwei Grad über dem Klimamittel von 1991 bis 2020. Eine milde Abweichung bedeutet aber nicht, dass Eis und Schnee völlig ausgeschlossen sind. Besonders in der Frühphase des Winters kann es kurze Kälteimpulse geben, die in solchen Monatsmitteln kaum sichtbar sind. Auch das ECMWF, Europas wichtigstes Langfristmodell, deutet für die Wochen bis Weihnachten eher auf überdurchschnittlich milde Bedingungen. Vor allem in tieferen Lagen stehen die Chancen besser für nasse Tage mit sieben bis zehn Grad als für winterliche Szenarien. Höhere Regionen können dagegen durchaus mal Schnee sehen, wenn kurze Nordlagen zwischen milden Phasen durchrutschen.

Fazit für Winterfans: So wird das Wetter im Dezember

Insgesamt zeichnet sich der Dezember zum jetzigen Stand klar milder ab, als es viele sich erhoffen. Von einem durchgehend frostigen Winterstart kann nach heutigem Modellstand keine Rede sein. Zwar bleiben kurze Kältephasen möglich, doch sie erscheinen vorerst eher als episodische Einschübe und nicht als tragender Trend. Die Hoffnung der Winterfreunde ruht daher weiterhin auf den späteren Wintermonaten, denn saisonale Modelle können sich mit zunehmender Vorlaufzeit noch verändern. Derzeit jedoch überwiegt für den Dezember eine freundliche bis graue, aber meist milde Wetterlage, in der Eis und Schnee eher eine Randerscheinung bleiben könnten.

Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS-Klimamodell

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