Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
November-Wahnsinn nimmt Fahrt auf: Prognose schießt nach oben – bis zu 3 Grad zu warm
Der November startet völlig aus der Reihe. Modelle zeigen Rekordwärme, danach kommt womöglich ein scharfer Wetterknick. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Der November zeigt sich von einer Seite, die eher an April oder sogar Mai erinnert. Die neuesten Berechnungen der NOAA und des CFS-Modells gehen inzwischen deutlich weiter nach oben und signalisieren landesweit ein Temperaturplus von rund zwei Grad, örtlich sogar bis zu drei Grad.
Besonders in der Landesmitte und im Süden steigt das Temperaturniveau spürbar an. Bereits um Allerheiligen (1. November) werden im Südwesten Werte um die 20 Grad erreicht, etwa im Raum Müllheim in Baden-Württemberg sowie in Garmisch. Für die Jahreszeit sind solche Temperaturen außergewöhnlich und verfestigen den Trend, dass auch der Spätherbst zunehmend in Richtung milder Muster abrutscht. Die kommenden zehn Tage bringen eine regelrechte Wärmewelle, die sich schrittweise verstärkt.
Wetter in Deutschland: Warmluft aus Südwesteuropa drückt nach
Der meteorologische Hintergrund liegt in einer kräftigen Südwestströmung, die sehr milde Luftmassen vom Atlantik und aus Südwesteuropa nach Deutschland führt. Nach einem kurzen, leicht kühleren Intermezzo am Sonntag (2. November) und Montag (3. November) legt die Erwärmung ab Dienstag (4. November) wieder zu. Tagsüber steigen die Werte vielerorts auf 15 bis knapp 20 Grad, mit den höchsten Spitzen im Westen und Süden. Selbst nachts bleiben die Temperaturen ungewöhnlich mild, was die Gesamtabweichung weiter antreibt. Dazu kommt oft freundliches Wetter, sodass die ungewöhnliche Wärme nicht nur auf dem Papier sichtbar wird, sondern auch im Alltag deutlich zu spüren ist.
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Zwischen Hochsommer-Gefühl und Herbst-Rückkehr: Das November-Wetter
So beeindruckend die Wärmephase ist, die Modelle deuten ab etwa dem 10. bis 15. November auf eine mögliche Abkühlung hin. Ob es sich dabei um einen echten Trend oder nur ein kurzes Signal handelt, bleibt offen. Der Atlantik bleibt aktiv, und die Lage kann schnell kippen, falls ein Tiefdruckkomplex die Südwestströmung unterbricht und kühlere Luftmassen aus Nordwesten freisetzt.
Bis dahin jedoch legt der November zunächst kräftig nach und präsentiert sich überdurchschnittlich warm. Sollte die Abkühlung eintreten, wäre sie eine natürliche Reaktion auf ein bisher extrem mildes Temperaturprofil. Für alle, die auf klassisches Herbstwetter warten, heißt es nun Geduld. Zunächst dominiert eine Phase, die sich eher wie ein spätes Sommer-Nachspiel anfühlt, bevor sich zeigt, ob die Modelle die frische Wende zur Monatsmitte halten können.
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Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA/ CFS-Klimamodell
