Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Wende aus dem Nichts: Januar-Prognose bringt Hoffnung auf ersten echten Winter seit Jahren
Wochenlang dominierte milde Gewissheit, nun kippt das Bild abrupt: Eine neue Modellrechnung weckt Winter-Hoffnung. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Die CFSv2-Karte für Januar 2026 markiert einen drastischen Stimmungswechsel. Während Nordeuropa von Skandinavien bis Nordrussland klar positive Abweichungen zeigt, kippt Mitteleuropa in ein überwiegend neutrales bis leicht negatives Temperatursignal. Besonders auffällig ist der zusammenhängende Kältepool von den Alpen über den Balkan bis in die Westukraine. Solche Muster deuten auf eine meridionalere Zirkulation hin, mit häufigerem Zustrom kontinentaler Luft.
Für Deutschland bedeutet das keine Dauerfrostgarantie, wohl aber ein erhöhtes Risiko für winterliche Phasen, Schneeereignisse und blockierende Hochdrucklagen, die Kältenächte begünstigen. Entscheidend ist die großräumige Lage, die atlantische Milderung zeitweise abblockt und Kältevorstöße aus Osten oder Nordosten zulässt – ein Wetter-Szenario, das lange fehlte.
Wetter-Umschwung mit Chance auf echten Winter – warum die Prognose kippt
Aber warum der Wetter-Umschwung jetzt? Das CFSv2 reagiert sensibel auf veränderte Randbedingungen im Ozean und in der Stratosphäre. Hinweise auf schwächere Westdrift, episodische Blockings und eine gestörte Polarwirbelkopplung erhöhen die Wahrscheinlichkeit kalter Ausbrüche nach Südost- und Mitteleuropa. Gleichzeitig bleibt der Nordatlantik zwar warm, liefert aber weniger durchgreifende Westlagen. Das erklärt die warmen Signale im hohen Norden bei gleichzeitiger Abkühlung südlich davon.
Wichtig ist: Monats-Anomalien glätten Extreme. Ein „normal bis kalt“ bedeutet wechselhafte Abschnitte, nicht durchgehend Eiswinter. Dennoch steigt die Chance auf markante Kältefenster, vor allem bei langlebigen Hochs über Nordeuropa, die Kaltluft stauen und Tiefs nach Süden lenken. Das war in den vergangenen Wintern selten.
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Kein Jahrhundertwinter, aber ein Winter mit Signalwirkung
Historisch wäre ein solcher Januar kein Jahrhundertwinter, aber ein Bruch der jüngsten Serie. Viele kalte Signale scheiterten zuletzt an kurzfristigen Westdurchbrüchen. Die aktuelle Karte erhöht erstmals seit Jahren die Konsistenz für einen echten Wintermonat. Für Energie, Verkehr und Landwirtschaft hätte das Folgen: höherer Heizbedarf, erhöhte Glättegefahr, bessere Schneereserven.
Prognostisch bleibt Vorsicht geboten, denn ein einzelnes Wetter-Modell kann kippen. Doch die klare Umstellung verdient Aufmerksamkeit und könnte den Winter 2025/26 neu definieren. Entscheidend werden die kommenden Wochen, ob sich das Signal stabilisiert, durch Ensemble-Unterstützung bestätigt und synoptisch wiederholt wird. Dann wäre ein spürbarer Winter durchaus realistisch. Für Mitteleuropa wäre das eine kleine Zeitenwende nach Jahren milder Dominanz.
Rubriklistenbild: © US-Wetterbehörde NOAA / CFS -Modell
