Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Kommt der Rekordwinter? Neue Advent- und Weihnachtsprognose deutet auf extreme Ausschläge hin
Aktuelle Langfristmodelle zeigen extreme Dezember-Tendenzen. Doch der mögliche Rekordwinter sieht anders aus, als viele ihn erwarten würden. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Die neuesten Modellläufe sorgen zunächst für Aufsehen: Sie zeigen extreme Ausschläge für den Dezember, was viele sofort an einen bevorstehenden Rekordwinter denken lässt. Der Advent startet turbulent, die Wetterlagen wirken dynamisch und ungewöhnlich ausgeprägt – idealer Boden für Spekulationen über massive Kälteeinbrüche. Doch bei genauerem Blick zeigt sich, dass die extremen Signale aus einer völlig anderen Richtung stammen. Mit Beginn des Dezembers steigen die Tageshöchstwerte immer weiter an, und anstatt winterlicher Kaltluft setzt sich zunehmend milde Atlantikluft durch. Was zunächst wie ein Hinweis auf außergewöhnliche Winterstärke aussieht, entpuppt sich bei näherer Analyse als Vorbote einer ganz anderen Art von Rekord.
Modelle im Gleichschritt: Extreme – aber auf der warmen Seite
Besonders erstaunlich ist die seltene Übereinstimmung der großen Langfristmodelle. Sowohl das amerikanische CFS der NOAA als auch das europäische ECMWF zeigen inzwischen nahezu deckungsgleiche Trends: Der Dezember 2025 könnte außergewöhnlich mild verlaufen, deutlich über dem langjährigen Mittel. Anstelle von Temperaturstürzen dominieren westliche Strömungen, die milde Meeresluft nach Mitteleuropa lenken. Die Ensembles stützen diesen Kurs mit einer bemerkenswert geringen Streuung – kaum ein Lauf deutet auf nachhaltige Kälte hin. Die extremen Ausreißer, die viele fälschlich als Anzeichen eines eisigen Rekordwinters interpretieren, stammen tatsächlich aus der entgegengesetzten Richtung.
Auflösung: Ein Rekordwinter – aber rekordmild statt rekordkalt
Damit wird klar: Der mögliche Rekordwinter existiert – aber nicht so, wie manche ihn sich vorstellen. Wenn die aktuellen Trends anhalten, könnte der Dezember 2025 zu einem der mildesten seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Die Chancen auf Schnee im Advent sinken drastisch, und selbst Weihnachten verliert deutlich an winterlicher Wahrscheinlichkeit. Ein spät einsetzender Kälteeinbruch bleibt zwar im weiteren Verlauf des Winters möglich, doch für den Dezember zeigt die Großwetterlage bislang ein eindeutiges Bild. Der „Rekordwinter“ könnte also tatsächlich kommen – nur eben auf der warmen Seite der Skala, mit ungewöhnlich hohen Temperaturen und statt Frost und Eis eher Wind, Regen und Weihnachtsmärkte ohne Schneeflocken.
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