Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter an Weihnachten: Wetterlage könnte Deutschlands Winter drastisch verändern
Südwestlagen bringen Wärme bis nach Norden. Warum diese Wetterlagen häufiger werden und ob wir das Fest künftig draußen verbringen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – In den vergangenen Jahren habe ich als Meteorologe beobachtet, dass milde Südwestwetterlagen in Mitteleuropa häufiger auftreten. Das hängt mit großräumigen Veränderungen der atmosphärischen Strömungen zusammen. Der Jetstream, der die Zugbahnen unserer Tiefdruckgebiete steuert, mäandriert zunehmend. Dadurch gelangen warme Luftmassen aus subtropischen Regionen öfter bis zu uns.
Auch im Winter fällt dieser Effekt inzwischen auf: Anstelle stabil kalter Nord- oder Ostlagen dominieren immer häufiger West- bis Südwestlagen, die milde Meeresluft nach Deutschland transportieren. Diese Entwicklung passt zu dem, was wir im Zuge des Klimawandels erwarten: eine allgemeine Erwärmung, die extreme Kältephasen seltener macht und milde Episoden verlängert.
Wie warm es zu Weihnachten werden kann – und was wir bereits erlebt haben
Weihnachten mit 15 bis 20 Grad klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich, doch ich erinnere daran, dass im Süden Deutschlands an einzelnen Heiligabenden bereits Werte um oder auch über 20 Grad gemessen wurden. Bisher geschah das meist durch Föhnlagen entlang der Alpen. Doch durch die Häufung der milderen Südwestströmungen rückt die Möglichkeit solcher Temperaturen auch weiter nördlich in den Bereich des Möglichen.
Schon jetzt erleben wir immer wieder Dezembertage mit zweistelligen Temperaturwerten, selbst bis nach Norddeutschland. Wenn die Großwetterlage nur passend liegt – ein kräftiges Atlantiktief, eine stabile Südwestströmung und viel Warmluftzufuhr – kann es im Flachland ungewöhnlich mild werden, selbst rund um den 24. Dezember.
Ist Grillwetter an Weihnachten künftig realistisch?
Als Meteorologe sage ich: Es ist nicht die Regel, aber längst nicht mehr abwegig. Grillwetter bedeutet Temperaturen von zwölf bis 18 Grad, trockenes Wetter und etwas Sonne. All diese Bedingungen konnten wir in den vergangenen Wintern bereits beobachten, teilweise sogar sehr deutlich. Mit fortschreitender Erwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit solcher milden Festtage.
Das heißt nicht, dass klassische weiße Weihnachten verschwinden, aber sie werden statistisch seltener. Umgekehrt werden ungewöhnlich milde Feiertage eher zur Normalität. Ich gehe daher davon aus, dass wir in den kommenden Jahrzehnten tatsächlich öfter Weihnachten im Freien verbringen könnten – und ein spontanes Wintergrillen irgendwann kaum noch überrascht.
Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek
