Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wettermodelle spielen ab Weihnachten verrückt – Polarluft, Schneechaos oder doch wieder Frühlingsluft?

Schneesturm oder Wintermüdigkeit? Die Wettermodelle liefern sich kurz vor Weihnachten ein spektakuläres Tauziehen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Wer die Wetterkarten für die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verfolgt, reibt sich derzeit verwundert die Augen. Kaum ein Lauf gleicht dem vorherigen. Während das amerikanische GFS-Modell der NOAA wiederholt massive Kaltluftvorstöße berechnet, mit Polarluft bis nach Deutschland, strengen Nachtfrösten von teils unter minus 15 Grad und verbreiteten Schneefällen, bleibt das europäische ECMWF deutlich zurückhaltender. Dort wird meist nur eine moderate Abkühlung angedeutet, teils sogar eine Fortsetzung der milden Witterung. Wenige Stunden später sehen die neuen Berechnungen schon wieder anders aus. Das wirkt chaotisch, ist aber ein typisches Zeichen für eine hochgradig instabile Großwetterlage.

Bekommt der Winter 2025/26 doch noch die Kurve? Zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt es spannend.

Große Unsicherheit, große Hebel in der Atmosphäre

Der Grund für diese extremen Unterschiede liegt im Prognosezeitraum und in der aktuellen Dynamik der Atmosphäre. Ab etwa sieben bis zehn Tagen Vorhersagehorizont wachsen selbst kleinste Unsicherheiten rasant an. Aktuell spielen mehrere Faktoren zusammen: schwankende Atlantik-Tiefs, mögliche Blockierungen, Vorstöße arktischer Luftmassen und ein noch nicht klar positionierter Polarwirbel. Jeder kleine Unterschied in der Anfangsrechnung kann entscheiden, ob sich ein kräftiger Kaltluftvorstoß bis Mitteleuropa durchsetzt oder ob milde Luftmassen erneut dominieren. Da die globalen Modelle alle sechs Stunden neu rechnen, entstehen zwangsläufig ständig neue Szenarien. Genau das macht diese Phase meteorologisch so spannend.

Zwischen Rekordwärme und möglichem Wintereinbruch

Trotz aller Winterfantasien bleibt festzuhalten: Der Dezember 2025 ist bislang der zweitwärmste seit Beginn der Messungen 1881, Stand Dienstag, 16. Dezember. Und die nächsten Tage setzen diesen Trend fort. Am Donnerstag (18. Dezember) und Freitag (19. Dezember) werden im Westen Deutschlands bis zu 14 Grad erwartet, außergewöhnlich mild für die Jahreszeit. Ob danach ein markanter Wetterumschwung folgt oder ob der Winter weiter auf sich warten lässt, ist offen. Genau deshalb sollte man die Modellwechsel nicht überbewerten. Sie zeigen keine Unzuverlässigkeit, sondern die enorme Komplexität der Atmosphäre. Ich bleibe selbstverständlich weiter an der aktuellen Entwicklung dran. Denn selten war Wetterprognose so unberechenbar und damit so faszinierend.

Rubriklistenbild: © IMAGO / imagebroker

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