Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Blockierte Lage friert Wetter fünf Wochen ein – mit dramatischen Folgen
Wochen ohne Wetterwechsel: Modelle zeigen bis zu fünf Wochen Trockenheit bis in den Januar 2026. Was diese extreme Lage für Deutschland wirklich bedeutet. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Was die aktuellen Modellläufe zeigen, wirkt selbst für uns erfahrene Meteorologen ungewöhnlich. Über Weihnachten, Silvester und weit darüber hinaus bleiben die Wetterkarten nahezu unverändert. Sowohl ECMWF als auch GFS simulieren eine stabile Hochdruckdominanz, die Tiefdruckgebiete vom mitteleuropäischen Raum fernhält. Westwindlagen, die im Winterhalbjahr normalerweise für Dynamik sorgen, werden blockiert.
Eine solche Persistenz über mehrere Wochen ist selten, insbesondere in einer Jahreszeit, die klimatologisch für häufige Wetterwechsel bekannt ist. Dass sich diese Lage ausgerechnet über die Feiertage bis ins neue Jahr hält, verstärkt den Eindruck einer „eingefrorenen“ Atmosphäre. Impulse, die einen Umschwung bringen könnten, sind in den Prognosen kaum zu erkennen.
Winter-Wetter überrascht: Kein Schnee, kein Nachschub, wachsende Defizite
Die unmittelbaren Folgen sind bereits absehbar. Weihnachten ohne Schnee wird in Deutschland zur Regel, in den Mittelgebirgen bleibt jede winterliche Kulisse aus. Auch in den Alpen fehlt der natürliche Nachschub, der für Gletscher, Skigebiete und den Wasserhaushalt entscheidend ist. Die Trockenheit betrifft jedoch nicht nur den Tourismus. Niederschläge im Winterhalbjahr sind essenziell, um Böden, Flüsse und Grundwasser zu regenerieren. Bleiben sie über Wochen aus, entstehen Defizite, die sich erst Monate später voll bemerkbar machen. Flüsse führen weniger Wasser, Speicher füllen sich nicht, und die Ausgangslage für das Frühjahr verschlechtert sich deutlich.
Warum diese Entwicklung alarmierend ist
Solche langen Trockenphasen über Weihnachten bis ins neue Jahr passen in ein größeres Bild zunehmender Extreme. Der Klimawandel begünstigt blockierende Wetterlagen, die sich länger festsetzen und ihre Wirkung verstärken. Für die Wetterberichterstattung wirkt das banal, weil sich täglich wenig ändert. Tatsächlich ist genau diese Gleichförmigkeit problematisch. Sie erhöht das Risiko für Dürre, Waldschäden und Nutzungskonflikte um Wasser. Der aktuelle Verlauf ist daher weniger eine Kuriosität als ein Warnsignal: Wenn selbst das Winterhalbjahr seine ausgleichende Funktion verliert, werden die Folgen im Jahresverlauf immer spürbarer.
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