Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Blockierte Lage friert Wetter fünf Wochen ein – mit dramatischen Folgen

Wochen ohne Wetterwechsel: Modelle zeigen bis zu fünf Wochen Trockenheit bis in den Januar 2026. Was diese extreme Lage für Deutschland wirklich bedeutet. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Was die aktuellen Modellläufe zeigen, wirkt selbst für uns erfahrene Meteorologen ungewöhnlich. Über Weihnachten, Silvester und weit darüber hinaus bleiben die Wetterkarten nahezu unverändert. Sowohl ECMWF als auch GFS simulieren eine stabile Hochdruckdominanz, die Tiefdruckgebiete vom mitteleuropäischen Raum fernhält. Westwindlagen, die im Winterhalbjahr normalerweise für Dynamik sorgen, werden blockiert.

Bis zum 29. Dezember 2025 zeigt die Prognose des GFS-Modells der NOAA so gut wie keinen Niederschlag in Deutschland.

Eine solche Persistenz über mehrere Wochen ist selten, insbesondere in einer Jahreszeit, die klimatologisch für häufige Wetterwechsel bekannt ist. Dass sich diese Lage ausgerechnet über die Feiertage bis ins neue Jahr hält, verstärkt den Eindruck einer „eingefrorenen“ Atmosphäre. Impulse, die einen Umschwung bringen könnten, sind in den Prognosen kaum zu erkennen.

Winter-Wetter überrascht: Kein Schnee, kein Nachschub, wachsende Defizite

Die unmittelbaren Folgen sind bereits absehbar. Weihnachten ohne Schnee wird in Deutschland zur Regel, in den Mittelgebirgen bleibt jede winterliche Kulisse aus. Auch in den Alpen fehlt der natürliche Nachschub, der für Gletscher, Skigebiete und den Wasserhaushalt entscheidend ist. Die Trockenheit betrifft jedoch nicht nur den Tourismus. Niederschläge im Winterhalbjahr sind essenziell, um Böden, Flüsse und Grundwasser zu regenerieren. Bleiben sie über Wochen aus, entstehen Defizite, die sich erst Monate später voll bemerkbar machen. Flüsse führen weniger Wasser, Speicher füllen sich nicht, und die Ausgangslage für das Frühjahr verschlechtert sich deutlich.

Warum diese Entwicklung alarmierend ist

Solche langen Trockenphasen über Weihnachten bis ins neue Jahr passen in ein größeres Bild zunehmender Extreme. Der Klimawandel begünstigt blockierende Wetterlagen, die sich länger festsetzen und ihre Wirkung verstärken. Für die Wetterberichterstattung wirkt das banal, weil sich täglich wenig ändert. Tatsächlich ist genau diese Gleichförmigkeit problematisch. Sie erhöht das Risiko für Dürre, Waldschäden und Nutzungskonflikte um Wasser. Der aktuelle Verlauf ist daher weniger eine Kuriosität als ein Warnsignal: Wenn selbst das Winterhalbjahr seine ausgleichende Funktion verliert, werden die Folgen im Jahresverlauf immer spürbarer.

Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare