Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Wende im Herbst: Deutschland steht vor einem rätselhaften Sommer-Comeback
Im November wird es plötzlich ungewöhnlich warm. Was hinter diesem fast vergessenen Wetter-Rätsel steckt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Wenn Ende Oktober eigentlich graues Herbst-Wetter erwartet wird, überrascht Deutschland mit einem Temperaturanstieg, der an späten Sommer erinnert. Warme Höhenluftmassen erreichen das Land ab dem 31. Oktober und setzen sich nach kurzen kühleren Momenten Anfang der Woche wieder durch. Diese Luft bringt nicht nur milde Nächte, sondern auch erstaunlich warme Tage.
Allerheiligen könnte vielerorts Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad bringen, im Süden durch Föhn sogar bis zu 22 oder 23 Grad. Wolken können teils dabei sein, trotzdem bleibt es warm und mild. Solche Wetterlagen wirken wie ein atmosphärischer Fehlgriff, als hätte die Natur den Kalender durcheinandergebracht. Doch so geheimnisvoll das wirkt, dahinter steckt ein wiederkehrendes Muster, das schon unsere Vorfahren beobachtet haben.
Sommer-Temperaturen im Herbst – ein fast vergessenes Wetter-Phänomen
Bevor moderne Wettermodelle existierten, verließen sich Menschen auf wiederkehrende Witterungszeichen. Eine dieser Phasen war eine warme Periode spät im Herbst, die sich wie ein Geschenk vor dem nahenden Winter anfühlte. Ein kurzer Hauch milder Luft, bevor Frost und Dunkelheit übernehmen. Viele Regionen Europas kannten dieses Phänomen und gaben ihm passende, teils poetische Namen.
Auch in Deutschland wurde das Wissen über Generationen weitergereicht, begleitet von Regeln und Überlieferungen aus dem bäuerlichen Alltag. Denn Landwirtschaft bedeutete damals Beobachten, Erinnern und Interpretieren. So blieb dieses seltsame Warm-Signal als Hinweis auf die kommende Jahreszeit in Volksweisheiten eingebettet – manchmal warnend, manchmal hoffnungsvoll.
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Wetter-Phänomen im Herbst trägt einen Namen
Erst rund um den 11. November, den Gedenktag des St. Martin, bekamen diese warmen Tage ihren Namen: Martinsommer. Er liegt traditionell am Ende des bäuerlichen Jahres, wenn die Felder ruhen und das Vieh in die Ställe kommt. Die Vorstellung eines letzten sanften Sommergrußes passte perfekt in diese Zeit.
Heute wissen Meteorologen, dass Hochdrucklagen und Warmluftzufuhr aus südlichen Gefilden dafür sorgen. Doch das Staunen bleibt, vor allem wenn die Wärme so früh und so kräftig auftritt wie dieses Jahr im November. Der witterungstypische Martinsommer zeigt sich, aber in Zeiten des Klimawandels tritt er oft deutlicher auf und lässt Jahreszeiten-Grenzen verschwimmen. Die Natur vergisst ihre Muster nicht – sie verstärkt sie nur manchmal.
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