Zollschock sickert langsam durch
Trumps Zollpolitik treibt Inflation in den USA erneut nach oben
Durch die Zölle von US-Präsident Donald Trump klettert die Inflation wieder langsam nach oben. Die Entwicklung ist nicht so bedrohlich wie befürchtet – allerdings gibt es keinen Grund zur Entwarnung.
Update vom 11. Juni, 16:38 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat nun auf die neuen Inflationszahlen in den USA reagiert. „Die Fed sollte ihn um einen ganzen Punkt senken. Dann müssten wir viel weniger Zinsen auf fällige Schulden zahlen. So wichtig!!“, schrieb Trump am Mittwoch in Großbuchstaben auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social. Die neusten Inflationszahlen seien „tolle Zahlen!“.
Trotz der wiederholten Rufe aus dem Weißen Haus nach einer Zinssenkung hielt die unabhängige US-Zentralbank zuletzt die Füße erneut still und beließ den Leitzins im Bereich von 4,25 bis 4,50 Prozent.
Trump-Zölle sorgen für Unsicherheit: Inflation könnte wieder steigen
Erstmeldung vom 11. Juni, 15:17 Uhr: Die US-Inflation ist im Mai schwächer als erwartet gestiegen. Die Verbraucherpreise legten um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch (11. Juni) in Washington mitteilte. Im April war die Teuerungsrate noch auf 2,3 Prozent gefallen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten für Mai mit einem Anstieg auf 2,5 Prozent gerechnet. Von April auf Mai zogen die Preise mit 0,1 Prozent ebenfalls etwas schwächer als erwartet an.
US-Präsident Donald Trump hatte im April hohe Sonderzölle für Importe aus Dutzenden Ländern verkündet, die er später teilweise wieder aussetzte. Ein Basiszollsatz von zehn Prozent blieb allerdings bestehen. Das wird Ökonomen zufolge früher oder später die Inflation in der weltgrößten Volkswirtschaft befeuern.
„Vom Zollschock ist in den Preisdaten bisher nur wenig zu sehen. Üblicherweise baut sich nach solch einem Schock eine Inflationswelle über mehrere Monate langsam auf. Zollbedingte Preissteigerungen dürften somit über den Sommer stärker sichtbar werden“, so Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe zu Reuters.
Fed hält die Füße still: Trump will Zinssenkungen sehen
Trotz der Rufe aus dem Weißen Haus nach einer Zinssenkung hielt die unabhängige US-Zentralbank zuletzt die Füße erneut still und beließ den Leitzins im Bereich von 4,25 bis 4,50 Prozent. Die Notenbank will ihrem Chef Jerome Powell zufolge mehr Klarheit darüber gewinnen, wie sich die Politikwende unter Trump auf die Inflation und den Arbeitsmarkt auswirken wird. Der nächste Zinsentscheid steht am 18. Juni an. Viele Experten rechnen aber erst für September mit einer Zinssenkung.
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen




„Preistreibende Effekte höherer Zölle scheinen nicht zu dominieren. Gleichwohl haben die Fed-Vertreter bis zuletzt darauf verwiesen, dass mit zollbedingten Preiseffekten in den kommenden Monaten zu rechnen sei, was zunächst noch für eine abwartende Haltung der Notenbanker spricht“, sagt Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen zur Agentur.
Derweil hat Trump eine erste Einigung im Handelsstreit mit China vermeldet. So wollen die Chinesen wieder kritische Rohstoffe liefern. Die USA hätten sich im Gegenzug unter anderem bereit erklärt, chinesische Studierende nicht von US-Universitäten auszuschließen.
Trump zettelt Handelskrieg mit China an: Verhandlungen gehen weiter
Seit Trumps Amtsantritt im Januar war der Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt eskaliert. China reagierte auf Trumps harte Zollpolitik gegenüber den Handelspartnern der USA mit eigenen Gegenzöllen, woraufhin der US-Präsident die Aufschläge noch erhöhte. Schließlich galten für chinesische Exporte in die USA ein Zollsatz von 145 Prozent, andersherum wurden 125 Prozent fällig.
Mitte Mai einigten sich die beiden Länder dann darauf, die Aufschläge für zunächst 90 Tage stark zu reduzieren, um Verhandlungen zu ermöglichen. (wal mit Agenturen)
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