„Elektrische“ Zukunft

Klingbeil will Verbrenner-Aus retten – Merz-Regierung lässt dabei Hunderte Millionen liegen

Die SPD will die Steuern für Elektroautos senken. Das soll die Verkaufszahlen hochtreiben. Aus der Autoindustrie kommen andere Signale.

Berlin – Das Verbrenner-Aus wackelt immer mehr. Erst kürzlich hatte EVP-Chef Manfred Weber angekündigt, dass das von der EU beschlossene Aus von Verbrennungsmotoren fallen soll. Wenige Tage darauf meldete sich der Autozulieferer ZF zu Wort und forderte Technologieoffenheit. Ein neuer Vorschlag aus der SPD soll Elektroautos attraktiver machen.

Steuersenkung für Elektroautos – Klingbeil will „die richtigen Anreize“ setzen

Jetzt hat die Bundesregierung vorgeschlagen, Elektroautos bis 2035 von der Kfz-Steuer zu befreien. Entsprechende Kommentare machte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Damit wir in den nächsten Jahren sehr viel mehr Elektroautos auf die Straße bringen, müssen wir jetzt die richtigen Anreize setzen“, sagte er. „Deshalb werden wir E-Autos weiterhin von der Kfz-Steuer befreien.“

Lars Klingbeil in Berlin (Symbolfoto). Die SPD will die Steuern für Elektroautos senken. Das soll die Verkaufszahlen hochtreiben. Aus der Autoindustrie kommen andere Signale.

Dazu will Klingbeil nun einen Gesetzesentwurf vorlegen. Wie die dpa berichtete, wäre es nach aktuellem Stand so, dass die Steuerbefreiung für neu zugelassene reine E-Autos ab dem 1. Januar 2026 nicht mehr gilt – jetzt soll diese Regelung aber um fünf Jahre verlängert werden. Klingbeils Vorstoß würde das Halten von reinen E-Autos begünstigen, die bis zum 31. Dezember 2030 erstmalig zugelassen werden.

Diese maximal zehnjährige Steuerbefreiung soll bis zum 31. Dezember 2035 begrenzt werden. Das soll einen Anreiz für die frühzeitige Anschaffung eines reinen Elektroautos geben, soweit die Erklärung aus dem Finanzministerium. Im Detail will Klingbeil das Kraftfahrzeugsteuergesetz anpassen. Dem Bund würden dadurch Steuereinnahmen in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro entgehen.

Aus vom Verbrenner-Aus – Elektroautos legen trotzdem zu

Der SPD-Vorschlag kommt nun in einer Phase, in der die großen Autobauer immer weiter auf Abstand zum Verbrenner-Aus gehen. Immer häufiger ist zu hören, dass die gesetzten Deadlines nicht zu halten seien. BMW-Chef Oliver Zipse hatte zuletzt angegeben, dass eine Umsetzung des EU-Ziels bis 2035 unwahrscheinlich sei. Mit dem Verbrenner-Aus würde die Autoindustrie um die Hälfte schrumpfen, sagte er in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Lucid Air auf Kies
Luicid Air
Lotus Emeya
Lotus Eltere
Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Vonseiten der Verbraucher hatte es 2024 einen Switch weg vom Elektroauto gegeben, weil die Ampel-Koalition im Winter 2023 eine wichtige Elektroauto-Förderung eingestellt hatte. Die Zahlen des ADAC verraten allerdings, dass Elektroautos derzeit wieder beliebter werden. Im August 2025 kamen rund 39.300 reine Batterie-Pkw durch die Zulassung – ein Zuwachs um fast 46 Prozent, verglichen mit 2024.

Laut dem Verband hält die hohe Nachfrage nach Elektroautos schon das ganze Jahr 2025 über an, nachdem es 2024 noch hohe Einbrüche gegeben hatte. Unter Berufung auf den Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) liegt der Anstieg am deutlich größeren Fahrzeugangebot in den Einstiegssegmenten.

Gipfel entscheidet über Elektroautos – „müssen starkes Paket schnüren“

Wie geht es weiter? Klingbeil zufolge wird die Kfz-Steuerbefreiung ein Thema beim „Automobildialog“, der am Donnerstag (9. Oktober) stattfinden soll. „Wir müssen jetzt ein starkes Paket schnüren, um die deutsche Automobilindustrie in die Zukunft zu führen und Arbeitsplätze zu sichern. Wir wollen, dass die besten Autos weiterhin in Deutschland gebaut werden.“ Es sei bekannt, dass die Zukunft „elektrisch“ sei, sagte Klingbeil der dpa. Die Automobilindustrie befinde sich mitten in der Transformation. (laernie mit dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Mike Schmidt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare