Kindererziehungszeiten
Geld im Alter: Mehr als 100 Euro Zuschlag für Millionen Rentner
Eltern können sich per Antrag einen Zuschlag für ihre spätere Rente sichern, denn Kindererziehungszeiten lassen sich anrechnen.
Hamm – Das deutsche Rentensystem ist bekannt für seine Komplexität, einschließlich verschiedener Zuschüsse, die Rentnern helfen können, ihre Renten zu erhöhen. Ein wichtiger Faktor dabei ist der Zuschlag für Kindererziehungszeiten, der insbesondere Frauen die Möglichkeit bietet, ihre monatliche Rente um mehr als 100 Euro zu erhöhen.
Wegen Kindern mehr Geld in der Rente: Warum es diesen Zuschlag gibt
Die Frage, warum es diesen Zuschlag gibt, lässt sich mit der zeitaufwändigen Aufgabe der Kindererziehung beantworten. Oft müssen Eltern beruflich zurückstecken, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Die jüngere Generation spielt jedoch eine entscheidende Rolle im deutschen Rentensystem, das auf dem Umlageverfahren basiert. Hierbei finanzieren die jüngeren, beitragszahlenden Generationen die Renten der Älteren. Kinder sind daher für das Funktionieren des deutschen Rentensystems unerlässlich.
Um Eltern für die Erwerbspause aufgrund der Kindererziehung zu entschädigen, berücksichtigt die deutsche Rentenversicherung bestimmte Kindererziehungszeiten als beitragspflichtige Zeiten.
Es ist wichtig zu beachten, dass Eltern die Kindererziehungszeit vor dem Renteneintritt beantragen müssen, um den Zuschlag zu erhalten. Dies kann mit dem Formular V0800 der Rentenversicherung oder online über das neue Rentenportal erfolgen. Nicht nur leibliche Eltern, sondern auch Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern können Kindererziehungszeiten beantragen. Selbstständige und Freiberufler, die nicht in die Rentenversicherung einzahlen, haben ebenfalls Anspruch darauf. Allerdings kann nur ein Elternteil die Kindererziehungszeit geltend machen, eine Aufteilung ist jedoch möglich.
Wer hat Anspruch auf den Zuschlag zur Rente? Wer darf profitieren?
Die Höhe des Zuschlags auf die Rente durch die Kindererziehungszeit entspricht in etwa dem, was die Eltern verdient hätten, wenn sie nach der Geburt des Kindes weiterhin in gleichem Umfang gearbeitet und Beiträge gezahlt hätten. Bei Kindern, die vor 1992 geboren wurden, beträgt die Kindererziehungszeit 30 Monate, bei später geborenen Kindern 36 Monate.
Der Zuschlag wird durch die Zuschreibung von zusätzlichen Rentenpunkten errechnet. Für die Kindererziehungszeit wird der Durchschnittswert herangezogen, also rund ein Rentenpunkt pro Jahr. Pro Monat bringt Ihnen ein Jahr Kindererziehungszeit umgerechnet 39,32 Euro Rente. Bei drei Jahren Erziehungszeit für ein Kind, das nach 1992 geboren wurde, erhöht sich der Rentenanspruch also um rund 117,96 Euro. Mehr Kinder heißen auch längere Kindererziehungszeiten, die angerechnet werden können – das gilt auch bei Zwillingen.
Mütterrente – was ist das?
Die Mütterrente bezeichnet eine Leistungsverbesserung in der gesetzlichen Rentenversicherung für Eltern, deren Kinder vor 1992 geboren wurden. Sie wurde am 1. Juli 2014 eingeführt, in dem die Kindererziehungszeit von zwölf auf 24 Kalendermonate verlängert wurde. Seit 1. Januar 2019 gibt es für alle Eltern mit vor 1992 geborenen Kindern 30 Monate pro Kind. Diese beziehen aktuell Millionen Rentnerinnen in Deutschland.
Welche Vorteile gibt es noch für Eltern?
Auch wer Kinder hat und arbeitet, kann sich die Kindererziehungszeiten anrechnen lassen. Laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) erhält man dann die Beiträge zusätzlich zu dem, was man selbst einzahlt. Dies gilt jedoch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Außerdem gibt es für Eltern die sogenannte Kinderberücksichtigungszeit. Sie ermöglicht es, die ersten zehn Jahre nach der Geburt des Kindes als rentenrechtliche Zeit zu berechnen. Eltern hilft das dabei, Versicherungsjahre anzusammeln, um zum Beispiel früher in Rente gehen zu können.
Darüber hinaus erhält das Elternteil mit Kindererziehungszeiten nach dem Tod des Ehepartners einen Zuschlag auf die Hinterbliebenenrente. Die Höhe dieses Zuschlags kann jedoch je nach Situation stark variieren. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig bei Sozialverbänden oder der DRV zu informieren.
Hybride Rentenversicherungen versprechen das Beste aus zwei Welten. Experten warnen jedoch vor mehreren Haken an der Altersvorsorge. Im Juli 2024 wurde die Rente kräftig erhöht. Eine Prognose für das kommende Jahr fällt aber schwer. Wichtige Faktoren spielen eine Rolle bei der Rentenanpassung.
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