Transformationsprozess soll folgen

5,6 Milliarden Schulden: Bayerischer Großkonzern Baywa muss Stellen abbauen

Die Baywa AG hat über fünf Milliarden Euro Schulden und verzeichnet herbe Verluste. Der Vorstand zieht Konsequenzen und will Stellen streichen.

München – Der bayerische Großkonzern Baywa steckt in der Krise. 5,6 Milliarden Euro standen Ende des ersten Quartals 2024 als Finanzschulden zu Buche, der Umsatz schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Zwar ist das erste Quartal traditionell schwach, dennoch hatte es in den vergangenen Jahren keine Verluste zum Start in das neue Jahr gegeben.

Als Konsequenz plant die Geschäftsführung einen „Transformationsprozess“. Dieser sieht auch einen Stellenabbau vor. „Jede Einheit muss künftig für sich profitabel sein“, erklärte Vorstandschef Marcus Pöllinger bei der Hauptversammlung am Dienstag, 11. Juni, in München.

Milliardenschulden und Millionenverlust: Baywa plant Stellenabbau – „selbstverständlich sozialverträglich“

Wie viele Arbeitsplätze beim geplanten Stellenabbau der Baywa wegfallen sollen, sagte Pöllinger nicht. Er soll jedoch „selbstverständlich sozialverträglich“ ablaufen. Im krisengebeutelten Geschäftsfeld Bau prüfe die Chefetage Kurzarbeit.

Der aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangene Münchner Mischkonzern hatte 2023 Verluste geschrieben. 2022 hatte Baywa noch ein Rekordjahr verzeichnet. Im ersten Quartal 2024 war keine Besserung in Sicht. Die Baywa blieb mit einem Nettoverlust von 108 Millionen Euro tief in den roten Zahlen. Der „rasante Zinsanstieg und die im Vorjahresvergleich überproportional angestiegene Steuerquote“ belasteten das Ergebnis „über alle Geschäftsbereiche hinweg“, teilte das Unternehmen mit.

Angesichts der Verluste 2024 will Baywa sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. (Symbolfoto)

Baywa-Vorstand sieht im ersten Halbjahr keinen Aufschwung – bleibt für trotzdem optimistisch

Baywa wird angesichts der Verluste für 2023 keine Dividende zahlen. Die Aktionärsversammlung stimme dem Vorschlag der Konzernspitze am Dienstag zu. „Es hätte keinen Sinn gemacht, eine Ausschüttung aus der Substanz des Unternehmens zu bestreiten“, erklärte Vorstandschef Pöllinger gegenüber der Aktionärsversammlung.

Pöllinger deutete an, dass bis zur Jahresmitte keine Wende zum Besseren zu erwarten ist: „Entsprechend kann das erste Halbjahr auch noch nicht für den angestrebten Aufschwung stehen“, sagte der Vorstandschef. Dennoch zeigte er sich für 2024 optimistisch, was er mit Projektverläufen im Bereich der erneuerbaren Energien im zweiten Halbjahr sowie dem guten Agrargeschäft begründete.

Neben der Stellenstreichung: Baywa will sich auf Kerngeschäft konzentrieren

Neben dem Stellenabbau will Baywa seine Arbeitsweisen im Kerngeschäft optimieren und sich von Beteiligungen trennen, um die Eigenkapitalquote zu verbessern. Der Vorstand will unter anderem den Solarhandel verkaufen. Der Schritt war bereits für 2023 geplant, jedoch hat der Vorstand keinen Käufer gefunden, der den geforderten Preis zahlen wollte. Bereits verkauft ist das Geschäft mit Digitaltechnik für Landwirte. (ms/dpa)

Rubriklistenbild: © Guido Bergmann/dpa

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