Folge der Signa-Insolvenz

Galeria-Filialen droht das finale Aus: Experte mit düsterer Prognose

Durch die Signa-Insolvenz ist auch die Zukunft der Galeria-Warenhäuser ungewiss. Ein Experte sieht weitere Schließungen kommen und gibt eine düstere Prognose ab.

Köln – In den letzten Wochen ist das Kartenhaus des österreichischen Investors René Benko nach und nach in sich zusammen gefallen. Nach mehreren Tochterunternehmen hatte auch die Signa Holding Ende November 2023 Insolvenz anmelden müssen – wohl mit weitreichenden Folgen. Die Pleite des Mutterkonzerns dürfte massive Auswirkungen auf die Galeria-Warenhäuser in Deutschland haben, glaubt Einzelhandelsexperte Peter Kenning von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. „Es ist schon ziemlich sicher, dass es zu Schließungen kommen wird. Wenn kein Investor gefunden wird, ist das meiner Meinung nach das Ende“, sagt der BWL-Professor zu 24RHEIN von Ippen.Media.

Probleme von Galeria-Mutter Signa waren lange bekannt

Nichts Geringeres als „ein Erdbeben für die Handelsszene“ sei die Insolvenz von Signa laut Peter Kenning. Tatsächlich überschattete die Pleite des Handels- und Immobilien-Riesen in den letzten Wochen fast alle anderen Themen der Branche. Nicht ohne Grund: Signa ist nicht nur Inhaber etlicher Gebäude in deutsche Innenstädten, sondern auch vieler laufender Bauprojekte. Doch überraschend kam der Kollaps zumindest für Experten wohl nicht. „Es war seit Jahren deutlich zu sehen, dass es sich um ein grenzwertiges und fragiles Modell handelt“, unterstreicht Kenning. Abzulesen an drei Faktoren:

  • Erstens hing die Finanzierung des Konzerns offenbar von der Wertentwicklung der Immobilien ab. „Diese war zwar tatsächlich in den letzten Jahren sehr positiv, man musste aber davon ausgehen, dass diese Entwicklung irgendwann ein Ende haben wird“, erklärt der Ökonom.
  • Zweitens war die Finanzierung auf entsprechend niedrige Zinsen angewiesen, die im Zuge der Inflation aber deutlich nach oben gingen.
  • Und drittens sollte über die Umsätze der Warenhäuser wieder Geld eingenommen werden – obwohl diese seit Jahren sinken. „Es war klar, dass wenn an einer dieser drei Stellen etwas ins Rutschen kommt, dass es dann für das Unternehmen schwierig wird“, so Kenning. Und dazu kam es nun auch.
Professor Dr. Peter Kenning ist Wirtschaftswissenschaftler und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er engagiert sich für eine wissenschaftsbasierte Verbraucherpolitik und ist Mitglied des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen der Bundesregierung.

Warenhäuser in Deutschland ohne Zukunft

Aber nicht nur Signa, sondern auch der deutsche Staat setzte ein gewisses Vertrauen in das Geschäft der Warenhäuser: Während der Corona-Pandemie erhielt Galeria Karstadt Kaufhof noch Hilfen in Höhe von hunderten Millionen Euro. Und das, obwohl das Geschäftsmodell bereits lange zuvor als nicht mehr funktionsfähig eingeschätzt wurde. „Schon zur Finanzmarktkrise 2008 war erkennbar, dass das kein Zukunftsmodell ist“, sagt Peter Kenning. 

Kenning glaubt, dass sich das Geschäftsmodell des Warenhauses in der Innenstadtlage „einfach überlebt“ habe. „Die Idee ‚alles unter einem Dach‘ anzubieten, funktioniert schon lange nicht mehr. Dafür ist auch der Onlinehandel mittlerweile viel zu stark“. Tatsächlich hat sich nicht nur das Filialnetz von Galeria Karstadt Kaufhof in den letzten Jahren drastisch reduziert – die meisten anderen Warenhausketten gibt es schon viel länger gar nicht mehr: Hertie, Horten, Wertheim und Co. – alle sind verschwunden. Langfristig könnten sich deshalb wohl nur „einige einzelne Warenhäuser wie das KaDeWe in Berlin noch halten“.

Galeria: Ohne neuen Investor droht finales Aus

Die Zukunft der Warenhäuser in Deutschland und damit konkret von Galeria sieht durchaus düster aus. Wie es nun aber für einzelne Standorte weitergehe, sei laut Peter Kenning schwer zu sagen: „Die Lage ist derzeit sehr unübersichtlich“. Es sei „kaum einzuschätzen, ob und woher das Geld für die notwendigen Investitionen der Galeria-Warenhäuser kommen wird.“

Ohne neues Geld wird es nicht gehen: Signa ist wegen der Insolvenz aktuell nicht in der Lage der Warenhauskette finanziell zu unterstützen. „Wenn kein Investor gefunden wird, ist das das Ende vom Galeria-Konzept und damit auch von den Warenhäusern in der Innenstadt, so wie wir sie kennen“, unterstreicht Kenning. Für den Ökonomen sei auch nicht erkennbar, wer als neuer Investor überhaupt infrage kommen würde. Sollte es dabei bleiben, ist sich der Handelsexperte sicher: „Dann wird das für viele der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch wirklich die letzte Insolvenz gewesen sein.“ (os)

Rubriklistenbild: © Sven Simon/Imago & Bernd von Jutrczenka/dpa

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