Teuerung in Deutschland

Inflation von 2 Prozent: Ökonom zweifelt am Ziel der EZB

Die Europäische Zentralbank will eine Inflationsrate von unter zwei Prozent. In einer neuen Studie bezweifeln Ökonomen jetzt, ob die EZB ihr Ziel erreichen kann.

Berlin - Im November lag die Inflationsrate in Deutschland bei 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gesunkene Energiepreise hatten die Inflationsrate in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit Juni 2021 gedrückt. Doch die Ziel-Inflationsrate der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt noch niedriger. Ob eine nachhaltige Rückkehr zu Inflationsraten von unter zwei Prozent in der Euro-Zone - wie vor dem Ausbruch der Pandemie - möglich ist, bezweifeln Ökonomen in einer neuen Studie.

„Derzeit spricht wenig dafür, dass wir mittelfristig wieder so niedrige Inflationsraten sehen werden wie in den Jahren vor Corona“, sagte der Chefvolkswirt des Rückversicherers Munich Re, Michael Menhart, zu der am Montag veröffentlichten Untersuchung. Demnach könnten sich die Teuerungsraten von 2025 bis 2030 auf durchschnittlich rund drei Prozent jährlich einpendeln. Die EZB strebt dagegen mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an. „Das ist kein extrem unwahrscheinliches Szenario“, sagte Menhart. „Die Wahrscheinlichkeit hierfür dürfte meines Erachtens vielmehr bei rund 30 Prozent liegen.“

EZB-Präsidentin Christine Lagarde: Das 2-Prozent-Inflations-Ziel wird eventuell nicht erreicht, sagen Ökonomen.

Wirtschaftskonflikte und Arbeitskräftemangel treiben Inflation an

In den vergangenen 40 Jahren hätten Globalisierung, Demografie, Digitalisierung und Deregulierung dazu beigetragen, die Inflation zu dämpfen. „Einige dieser Faktoren kehren sich jetzt vermutlich um“, sagte der Chefökonom. So gebe es angesichts geopolitischer Konflikte, insbesondere zwischen den USA und China, bereits eine deutliche Abschwächung der Globalisierung. „Wenn sich dies fortsetzt, dürften Kostenvorteile der globalen Arbeitsteilung kleiner werden und sich der Preisdruck bei vielen Gütern erhöhen“, sagte der Experte.

Zudem dürfte die Alterung der westlichen Gesellschaften zu einem anhaltenden Arbeitskräftemangel und damit zu einem höheren Lohnwachstum führen. Außerdem gebe es eine Tendenz zur mehr Regulierung, die ebenfalls zu höherer Inflation führen könnte. Dazu komme noch, dass die Dekarbonisierung und der klimafreundliche Umbau der Wirtschaft zunächst ebenfalls inflationserhöhend wirkten. „Lediglich Digitalisierung und Automatisierung wirken weiter inflationsdämpfend, zum Beispiel weil Künstliche Intelligenz für Produktivitätsfortschritte sorgen wird“, sagte Ökonom Menhart.

(row mit Material der AFP)

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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