„Sinnvoller Beitrag“
Ifo-Institut unterstützt die Abschaffung eines Feiertags
Die Kontroverse um weniger Feiertage ist immer noch aktuell. Die Wirtschaftsspezialisten aus München haben nun ihre Forderung nach einem Verzicht erneut bekräftigt.
München – Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat sich erneut für die Streichung eines Feiertags stark gemacht. Der Verzicht sei nötig, um neue Anstrengungen für Verteidigung und Infrastruktur zu ermöglichen, erklärte Fuest. „Angesichts der Arbeitskräfteverknappung durch den demografischen Wandel wird man alle Möglichkeiten zur Stabilisierung des Arbeitsangebotes nutzen müssen“, sagte er. Die Abschaffung eines Feiertages könne einen „sinnvollen Beitrag“ leisten, auch das alleine das Problem nicht löse.
Die Wirtschaftsleistung könne auf diese Weise um etwa acht Milliarden Euro jährlich steigen. Andere Optionen wie mehr Ausbildung und private Investitionen seien ebenfalls wichtig – doch angesichts des Fachkräftemangels müssten alle Potenziale genutzt werden. „Aber woher soll die Arbeitskraft kommen, die all dies umsetzt?“, fragte der ifo-Präsident mit Blick auf die anstehenden Aufgaben. Einen Vorschlag, welcher Feiertag gestrichen werden könnte, machte der Ifo-Chef nicht.
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Die Debatte läuft bereits seit einigen Wochen. Fuest hatte schon im März mit Bezug auf die Reform der Schuldenbremse und das neue Sondervermögen für Infrastruktur in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorgeschlagen, einen Feiertag zu streichen. Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer plädierte damals im Spiegel dafür. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnete aus, dass ein zusätzlicher Arbeitstag das Bruttoinlandsprodukt je nach Berechnungsmethode um fünf bis 8,6 Milliarden Euro steigern könnte.
Als Beispiel wird oft Dänemark genannt, wo ein Feiertag gestrichen wurde, um die Finanzierung der Verteidigungsausgaben zu unterstützen. Der Vergleich liegt auf der Hand: Auch die deutsche Volkswirtschaft soll in den nächsten Jahren mehr leisten als bisher. Die Infrastruktur des Landes ist teilweise marode, und die Politik hat gerade beschlossen, die öffentlichen Investitionen deutlich zu steigern. Außerdem muss Deutschland mehr für seine Verteidigung tun. Dafür müssen mehr Rüstungsgüter produziert werden.
Zusätzlicher Werktag: das soll er bewirken
Das IW erklärte, ein zusätzlicher Werktag würde bis zu 0,2 Prozent des BIP ausmachen - je nach Methodik wären das bis zu 8,6 Milliarden Euro. Unklar ist, um welchen Feiertag genau es gehen könnte. Das IW betonte, es mache einen großen Unterschied, ob der zu streichende Feiertag im Sommer oder im Winter liege: „Denn bei Eis und Schnee stehen die Kräne ohnehin still.“
Die katholische Kirche hält nichts von dem Vorschlag, einen Feiertag zu streichen, um die Wirtschaft in Deutschland anzukurbeln, berichtet die Nachrichtenagentur KNA. Das hätten die beiden Bischöfe Heiner Wilmer (Hildesheim) und Anton Losinger (Weihbischof im Bistum Augsburg) bei der Vorstellung eines Impulspapiers der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema Arbeit bekräftigt. Wilmer sprach einem Strohfeuer. Wichtiger als die Diskussion über die Abschaffung eines Feiertags seien grundsätzliche Strukturveränderungen in der Arbeitswelt. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte den Vorschlag.
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