„Fatales Signal“
„Fatales Signal“: Das kostet der Zoll-Deal mit Trump die deutsche Wirtschaft
Experten rechnen damit, dass der US-Handelsdeal, den die EU mit Trump geschlossen hat, einen Milliarden-Schaden für die deutsche Wirtschaft bedeutet.
Berlin – Nach monatelanger Eskalation einigen sich EU und USA auf einen Handelsdeal – doch neben einer gewissen Sicherheit durch die Einigung biete der Kompromiss der deutschen Wirtschaft wenig Trost, prognostizieren Experten. Zölle in Höhe von 15 Prozent auf wichtige Industriegüter kosten Arbeitsplätze, Wachstum und Marktanteile. Wirtschaftsexperten sprechen von „existenzieller Bedrohung“ und einem „fatalen Signal“, und warnen vor langfristigen Schäden im zweistelligen Milliardenbereich.
Handelsdeal mit Kollateralschaden: Wie Deutschland bei Trumps Zöllen zahlt
EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen nannte den gestrigen Durchbruch im Zollstreit und die Einigung der EU und der USA einen „großen Deal“, der für Gleichgewicht in den internationalen Beziehungen sorgen werde. US-Präsident Donald Trump und die EU hatten sich geeinigt. Statt der angedrohten bis zu 30 Prozent Zölle wird künftig ein Basissatz von 15 Prozent auf nahezu alle Importe gelten.
Der Zollaufschlag bedeutet für viele unserer Händler eine existenzielle Bedrohung.
Doch auch dieser Deal wird die europäische Wirtschaft teuer zu stehen kommen, so Ökonomen: Sie rechnen mit einem um 0,15 Prozent geringeren BIP in Deutschland innerhalb eines Jahres, berichtet das Handelsblatt.
Das sind die Details des ausgehandelten Zoll-Abkommens zwischen den USA und der EU:
- Zoll von 15 Prozent auf die meisten EU-Waren (einschließlich Autos)
- Zollsatz von 0 Prozent auf einige Luftfahrtkomponenten, Chemikalien, Generika, Halbleiterausrüstung, Agrarprodukte und bestimmte kritische Rohstoffe
- Zölle auf Stahl und Aluminium bleiben bei 50 Prozent
- EU kauft Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar von den USA (Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffe)
- EU-Investitionen von 600 Milliarden Dollar zusätzlich in die USA
- Rüstungskäufe in den USA durch die EU in ungeklärter Höhe
Danach, so vorläufige Analysen des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), könnten die generellen Zölle in Höhe von 15 Prozent sowie die 50-prozentigen Zölle auf Stahl und Aluminium zu einem Minus von rund 6,5 Milliarden Euro führen. Eingerechnet seien noch nicht die von der EU geplante Absenkung von Zöllen auf ausgewählte US-Importe, etwa auf Fahrzeuge und landwirtschaftliche Produkte.
„Harter Schlag für den Außenhandel“: Experten kritisieren EU-Zolldeal mit den USA
„Diese Einigung ist ein schmerzhafter Kompromiss. Jedes Prozent Zoll ist ein Prozent zu viel. Der Zollaufschlag bedeutet für viele unserer Händler eine existenzielle Bedrohung“, erklärt Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Auch wenn jetzt zunächst Sicherheit über die Handelsbedingungen herrsche, würden sich Lieferketten verändern und Preise erhöhen: „Wir Mittelständler sind durch unsere Flexibilität sehr resilient, aber das ist ein harter Schlag für den Außenhandel“, kommentiert Jandura den Zoll-Deal der USA mit der EU .
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen




Auch ein Zollsatz von 15 Prozent wird immense negative Auswirkungen auf die exportorientierte deutsche Industrie haben.
„Fatales Signal“: Milliarden-Schaden für deutsche Wirtschaft – Trumps Zolldeal und seine Folgen
Wolfgang Niedermark vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sagt auf Anfrage von IPPEN.MEDIA am Montag (28. Juli): „Das Übereinkommen ist ein unzureichender Kompromiss und sendet ein fatales Signal an die eng verflochtene Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks“, durch die Einigung mit den USA nehme die EU schmerzhafte Zölle in Kauf: „Denn auch ein Zollsatz von 15 Prozent wird immense negative Auswirkungen auf die exportorientierte deutsche Industrie haben“.
Dass es keine Einigung auf die weiter mit 50 Prozent Zoll belegten Stahl- und Aluminiumexporte gegeben hätte, ergänzt Niedermark, sei ein zusätzlicher Tiefschlag, „das setzt eine Schlüsselbranche weiter unter Druck, die ohnehin vor enormen Herausforderungen im internationalen Wettbewerb und durch die Transformation steht.“
Rubriklistenbild: © Jacquelyn Martin/dpa
