Deutschlands Rückstand

Deutschlands Autoindustrie und der Preis der Trägheit: Was jetzt in China passieren muss

In China boomt die Mobilität der Zukunft – nur nicht mit deutschen Autos. Hat die Digitalisierung Volkswagen & Co. überrollt? Ein Experte spricht Klartext.

Peking/München – Der chinesische Automarkt gilt als Gradmesser für die Zukunft der Mobilität – technologisch, digital und kundenzentriert. Während in der Volksrepublik heimische Marken wie BYD, SAIC oder Xpeng rasant wachsen, kämpfen deutsche Hersteller wie Volkswagen mit sinkenden Marktanteilen

Warum die Digitalisierung dabei eine Schlüsselrolle spielt, welche Fehler in Wolfsburg, Stuttgart und München bei der Strategie gemacht wurden und wie der Weg zurück zur Wettbewerbsfähigkeit aussehen kann, erklärt René Schröder, Experte für Produktentwicklung und digitale Transformation, im Interview mit IPPEN.MEDIA.

Wann und wie Volkswagen den Trend beim Absatz in China hätte stoppen können

Was hätte VW tun müssen, um den Absatzrückgang in China zu verhindern?
René Schröder: Ab 2020 hätten Volkswagen und andere deutsche Hersteller konsequent auf lokal entwickelte, softwarestarke E-Autos setzen müssen – mit klarem Fokus auf Konnektivität, Over-the-Air-Updates, lokalem Design und preisgünstigen Modellen. Stattdessen hielten sie zu lange an ihren Verbrennerstrategien fest und unterschätzten die Dynamik der Digitalisierung. Frühzeitige Kooperationen mit Tech-Unternehmen wie Xpeng oder Huawei wären entscheidend gewesen. Zwar begann VW ab 2023 mit solchen Allianzen (z. B. mit Xpeng und Horizon Robotics), doch da war der Rückstand bereits erheblich.
Volkswagen begegnet seinem China-Dilemma mit einer Offensivstrategie. Nach Ansicht von Experte René Schröder müssen mehrere Aufgaben gelöst werden.

Digitale Defizite und mehr: Die Gründe hinter dem Absatzeinbruch sind vielschichtig

Wie stark ist der Schwund bei den Verkaufszahlen von VW und Co. in China auf digitale Defizite zurückzuführen?
Schröder: Etwa 30 Prozent des Rückgangs lassen sich auf digitale Defizite zurückführen – fehleranfällige Software, instabile OTA-Updates (Over the Air, Anm. d. Red.) und mangelnde Konnektivität führten zu großer Kundenunzufriedenheit. Weitere rund 30 Prozent entfallen auf ein schwaches Preis-Leistungs-Verhältnis (z. B. hochpreisige Modelle mit geringer Reichweite), 20 Prozent auf die gezielte Förderung chinesischer Marken (z. B. BYD), und weitere 20 Prozent auf kulturelle Fehlanpassungen hinsichtlich Design und Ausstattung.

René Schröder ist Gründer und Geschäftsführer der RegSus Consulting GmbH und Experte für Produkt- und Softwareentwicklungsprozesse und digitale Transformation. Mit dem von ihm entwickelten Imperfect Product Paradigm (IPP) hilft er mittelständischen Unternehmen, ineffiziente Prozesse zu optimieren und Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Deutsche Hersteller und die Erwartungen chinesischer Autofahrer: „In China, für China“

Wie sollten deutsche Hersteller auf die speziellen Wünsche und Anforderungen chinesischer Kunden reagieren?
Schröder: Chinesische Autofahrer legen besonders Wert auf eine nahtlose Smartphone-Integration, smarte Assistenten, große Videodisplays, Entertainment-Funktionen wie Spielemodi, Sprachsteuerung und Komfort im Fond – deutlich stärker als europäische Kunden. VW sollte verstärkt lokal entwickeln („in China, für China“), spezifische Designwünsche (etwa Langversionen oder LED-Inszenierungen), digitale Services und alltagsnahe Funktionen wie zum Beispiel integrierte Dashcams aufnehmen. Ein starkes lokales Entwicklungsteam ist dabei unverzichtbar.

Ranking: Auf diese Automarken und Modelle fahren Deutsche am meisten ab

Deutschland, das Land der Dichter, Denker und namhafter Automarken. Welche Hersteller liegen in der Gunst des Volkes vorne? Hier kommen die Top Ten sowie die beliebtesten Modelle
Platz zehn der beliebtesten Automarken in Deutschland: Toyota
Beliebtestes Herstellermodell im Jahr 2025 laut KBA: Toyota Yaris (und Yaris Cross, im Bild) mit 29.985 Neuzulassungen
Platz neun der beliebtesten Automarken in Deutschland: Hyundai mit 93.839 Neuzulassungen
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Aufholjagd in der Tech-Welt: Partnerschaften, Lokalisierung und digitale Transformation

Wie können deutsche Hersteller in China technologisch gegenüber BYD und Co. wieder aufholen?
Schröder: Deutsche OEMs müssen ihre Softwarekompetenz durch gezielte Zukäufe, strategische Partnerschaften (z. B. mit Xpeng, Horizon Robotics) und den Ausbau lokaler Forschungs- und Entwicklungszentren deutlich stärken. Gleichzeitig braucht es erschwingliche E-Modelle für den Massenmarkt sowie intelligente Cockpits mit KI, verlässliche OTA-Updates und Fortschritte beim autonomen Fahren. VW investiert bereits über zwei Mrd. Euro in Tech-Zentren in Hefei. Entscheidend ist: Lokalisierung, Geschwindigkeit und eine kompromisslose digitale Transformation.

Derweil kann man E-Autos in der Volksrepublik China mittlerweile im Shoppingzentrum kaufen. (PF)

Rubriklistenbild: © NurPhoto/Imago/RegSus Consulting; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

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