100.000 mehr

Benachteiligung von Frauen in der Rente – die Lage verschlechtert sich jährlich

Frauen erhalten geringere Renten als Männer. Ihre Zahl, die von Armut bedroht ist, steigt stetig. Hunderttausende sind auf Sozialhilfe angewiesen.

Berlin – Geringere Einkommen, Teilzeit, schlechtere Karrierechancen, Sorgearbeit: Die Ungleichheit von Frauen im Erwerbsleben wirkt sich auch auf die Rente aus. Sie sammeln weniger Entgeltpunkte – und haben entsprechend weniger Rente. Immer mehr Frauen sind deshalb auf Grundsicherung im Alter angewiesen. 2024 haben 413.955 Frauen die Sozialleistung bekommen.

Frauen bei Rente benachteiligt: Immer mehr auf Grundsicherung angewiesen

Damit sind etwa 100.000 Frauen mehr auf die Grundsicherung im Alter angewiesen als noch 2014. Damals waren es 312.388. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

JahrEmpfängerinnen der Grundsicherung im Alter
2014312.388
2019318.315
2022375.760
2023391.850
2024413.955

Das „Gender Pension Gap“, also die geschlechtsspezifische Ungleichheit bei der Rente, hat dagegen abgenommen. Die Rentenlücke beziehe sich vor allem auf Frauen, die heute im Ruhestand seien, heißt es in der Antwort der Regierung. Ihr Erwerbsleben liege weit zurück und falle in Zeiten, als vor allem nur die Männer erwerbstätig waren. Deshalb hätten sie im Schnitt eine „deutlich niedrigere Rente“, weil viele gar nicht oder nur wenige Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren.

JahrUnterschied von Frauen und Männern
201553 Prozent
201949 Prozent
202343 Prozent
Quelle: Alterssicherung in Deutschland (ASID)

„Rollenverständnisse und Lebensentwürfe haben sich jedoch stark verändert, weshalb die Rentenlücke im Zeitverlauf rückläufig ist“, erklärt die Regierung. Dennoch bekommen Frauen deutlich weniger Rente als Männer – mit 43 Prozent bei der Berücksichtigung von eigenen Leistungen im Jahr 2023.

Erwerbsbeteiligung von Frauen verbessert – doch viele immer noch in Teilzeit

Die Erwerbstätigkeit von Frauen hat sich jedoch verbessert. Laut den Zahlen der Regierung lag diese im dritten Quartal 2024 bei 77,6 Prozent – und damit über dem EU-Schnitt von 71 Prozent. Dennoch sei das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial weiterhin groß. Die Hälfte aller Frauen arbeite in Teilzeit. Und auch die durchschnittliche Arbeitszeit sei weiterhin gering.

Immer mehr Frauen sind im Alter auf Grundsicherung angewiesen – und damit auch auf weitere Angebote wie Tafeln. (Symbolfoto)

„Die hohe Teilzeitquote und die durchschnittlich niedrigen Wochenarbeitszeiten weisen auf unzureichende Rahmenbedingungen für die substanzielle Erwerbstätigkeit von Frauen hin“, schreibt die Regierung. Hauptgrund für die Teilzeitarbeit von Frauen ist die Kinderbetreuung. 62 Prozent der Frauen haben das im Mikrozensus 2023 angegeben. Bei den Vätern waren es 29 Prozent.

Teilzeitarbeit schadet der späteren Rente – und sorgt für Armutsgefährdung

Was zum einen für den Arbeitsmarkt ein Nachteil ist, ist es auch individuell für die Frauen. Denn in Teilzeit verdienen die Frauen weniger Geld und sammeln weniger Entgeltpunkte, die für die Höhe der Rente entscheidend sind. Ein weiterer Faktor ist das Gender Pay Gap, also die ungleiche Bezahlung.

Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering

Otto von Bismarck brachte im Juni 1889 nach jahrelanger Debatte das „Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung“ durch den Reichstag.
Der Holzstich zeigt Dreher, Gießer und Former in einer Porzellanfabrik um 1880.
Bismarcks politisches Kalkül war klar: Er wollte die Arbeiter besänftigen.
Angestellte waren ab 1913 bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte angesiedelt.
Renten-Meilensteine in Deutschland in Bildern – von Bismarck über Riester bis Müntefering

Um die Wochenarbeitszeit von Frauen zu erhöhen, seien ein bedarfsgerechter Ausbau der Infrastruktur für Bildung, Betreuung und Pflege, die Stärkung von gleichberechtigter Aufteilung von Care-Arbeit sowie Reformen im Steuersystem geeignet, erklärt die Regierung – mit Verweis auf die „aktuelle Studienlage“.

Immer mehr Menschen in der Rente armutsgefährdet

Allgemein hat die Armutsgefährdung von Rentnerinnen und Rentnern zugenommen. 3,2 Millionen Menschen über 65 Jahre sind betroffen. 2013 waren es noch 2,4 Millionen. Perspektivisch könnte die Zahl zunehmen. Etwa 16 Millionen Beschäftigten droht eine Rente von unter 1200 Euro im Monat – und damit unter der derzeitigen Grenze der Armutsgefährdung von 1314 Euro für Alleinlebende.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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