Flottengeschäft

Autowirtschaft: Plant Brüssel das frühe Aus für Verbrenner

Elektroautos sollen den Flottenmarkt erobern. Eine 100-Prozent-Quote könnte schneller kommen als gedacht, was für Unruhe sorgt.

Brüssel – Die EU möchte den Umstieg von Fahrzeugflotten auf Elektromobilität offenbar forcieren. In der am 5. März 2025 veröffentlichten Mitteilung zur „Dekarbonisierung der Unternehmensflotten” heißt es, dass Unternehmenszulassungen rund 60 Prozent aller Kfz-Zulassungen in der EU ausmachen. Daher können sich Maßnahmen in diesem Segment positiv auf den Gesamtmarkt auswirken.

Verbrenner-Aus in der EU „durch die Hintertür“: Sehr weit gefasste Definition von Firmenflotten

Die schnellere Einführung emissionsfreier Fahrzeuge in Firmenflotten könnte der europäischen Automobilindustrie zugutekommen und deren Wettbewerbs- und Widerstandsfähigkeit erhöhen. Zudem könnten sie dazu beitragen, die Verkehrsemissionen aufgrund der höheren Kilometerleistung von Firmenfahrzeugen weiter zu senken.

Die EU fasst den Begriff „Firmenflotte“ dabei sehr weit. Dazu zählen alle gewerblich zugelassenen Fahrzeuge, vom Pkw über Transporter bis hin zu Nutzfahrzeugen. Betroffen wären:

  • Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Firmenautos zur Verfügung stellen
  • Autovermieter
  • Unternehmen, die Fahrzeuge für ihre eigenen kommerziellen Aktivitäten nutzen
  • Autohersteller, die Fahrzeuge auf sich selbst zulassen.

Verbrenner-Aus in der EU „durch die Hintertür“: E-Auto-Quote von 100 Prozent bis 2030?

In dem Papier werden keine konkreten Umsetzungsschritte genannt, bis Ende des Jahres soll jedoch ein Vorschlag gemacht werden. Doch die Befürchtungen sind offenbar groß, dass die EU durch eine ambitionierte Elektroauto-Quote ein vorzeitiges Aus für Verbrennungsmotoren bewirken könnte.

Sixt passt will den Anteil der E-Autos an seiner Flotte reduzieren.

Wie die Automobilwoche berichtet, heißt es bei den betroffenen Unternehmen, dass eine E-Quote von bis zu 75 Prozent für Neuwagen ab 2027 und von bis zu 100 Prozent ab 2030 im Raum stehe. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die BEV-Quote in Fuhrparks derzeit demnach bei 23 Prozent.

„Wenn die EU ab 2030 eine Elektroquote für Flotten einführt, würde dies – durch die Hintertür – effektiv einer Vorverlegung des Verbots von Verbrennungsmotoren im Jahr 2035 gleichkommen, da mehr als die Hälfte aller in der EU verkauften Fahrzeuge von unseren Mitgliedern finanziert und erworben werden“, sagt Richard Knubben, Generaldirektor von Leaseurope. Man befürchte, dass hier aus Überzeugung und nicht aufgrund von Fakten überstürzt gehandelt werde, so Knubben weiter. Leaseurope ist ein europäischer Dachverband, der 44 Mitgliedsverbände aus 31 Ländern mit rund 2000 Leasing-Unternehmen vertritt.

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Verbrenner-Aus in der EU „durch die Hintertür“: Autovermieter reduzieren E-Auto-Anteil

Sollte der EU-Plan Realität werden, könnte sich dessen Umsetzung als schwierig erweisen. Das zeigt sich vor allem bei den Autovermietern. So will Sixt den Anteil von Elektroautos, der von drei Prozent im Jahr 2022 auf sechs Prozent im Jahr 2023 ausgebaut wurde, wieder senken. Hintergrund ist unter anderem deren enorme Wertverlust, wie das Handelsblatt berichtet. Aktuell ist der Autovermieter allerdings dabei, den E-Auto-Anteil wieder zu erhöhen, allerdings ist man von den möglichen EU-Zielvorgaben weit entfernt.

Der US-Vermieter Hertz trennt sich von insgesamt 20.000 Elektroautos – rund ein Drittel der E-Autos, die derzeit zur Flotte gehören. Mit den Erlösen will Hertz neue Modelle mit Verbrennungsmotor kaufen. Es gibt allerdings auch positive Beispiele. So plant SAP, dass bis 2030 alle Dienstwagen elektrisch fahren sollen.

Anmerkung: Nach einer Kontaktaufnahme durch Sixt wurde die Redaktion auf die aktuelle Entwicklung bei dem Autovermieter hingewiesen. Wir haben deshalb die Stelle im Text ergänzt.

Rubriklistenbild: © imageBROKER/Arnulf Hettrich/imago

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