Unwetter

Unwetter mit Tornado-Gefahr – Superzellen sind „extrem gefährlich“

Herrscht in Deutschland Unwetter-Gefahr, ist oft auch die Rede von Superzellen und Tornado-Gefahr. Wie die Wetterextreme entstehen, erklärt Experte Dominik Jung.

Hamm - Rauscht ein Unwetter auf Deutschland zu, ist in Prognosen hin und wieder die Rede von einer „Superzelle“. Oft wird dann auch vor der Bildung von Tornados gewarnt – immer mit dem Hinweis, dass eine Vorhersage nur schwer möglich ist. Doch was sind Superzellen eigentlich und wie entsteht ein Tornado? Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net klärt im Gespräch mit wa.de auf.

„Extrem gefährlich“: Wie aus Superzellen Tornados entstehen

„Eine Superzelle ist eine besonders starke und langlebige Art von Gewitter, die durch eine rotierende Aufwärtsströmung, genannt Mesozyklon, entsteht“, erklärt Jung. Diese Rotation werde durch unterschiedliche Windgeschwindigkeiten und -richtungen in verschiedenen Höhen der Atmosphäre verursacht. „Superzellen können extrem gefährlich sein.“

Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW

Orkantief Kyrill NRW Wilmsdorf Wald
Sturmschäden nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007, Meinerzhagen
Baum ist auf ein parkendes Auto gestürzt, Schäden durch das Sturmtief Ela am 09.06.2014
Sturmschäden im Schellenberger Wald oberhalb des Baldeneysee verursacht nach einem schweren Sturm
Bedrückende Bilder: Wetterextreme der vergangenen Jahre in NRW

Laut Jung entstehen Superzellen meist dann, wenn warme, feuchte Luft auf kalte, trockene Luft trifft und die Luftmassen dadurch instabil werden. Dann droht heftiges Wetter mit Hagel, starkem Wind, schweren Regenfällen und Tornados. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt zudem, dass die Lebenszeit von Superzellen meistens wenige Stunden beträgt. „Sie sind aber in der Lage, bis zu sechs und in extremen Fällen auch bis zu 12 Stunden zu wüten“, so die Experten.

Ist eine Superzelle entstanden, steigt die Tornado-Gefahr. Die Entstehung des Wirbelsturms ist komplex. Der Mesozyklon, also die oben genannte rotierende Aufwärtsströmung, wird laut Dominik Jung durch den starken Aufwind weiter gestreckt und verstärkt. „Wenn diese rotierende Luftsäule den Boden erreicht, entsteht ein Tornado.“

Sturm-TypTornado
Durchmesser50 und 1000 Meter (Mittel ~ 100 m)

Tornados variieren in ihrer Größe und Stärke, können aber erhebliche Zerstörungen verursachen. Vorhersage und Warnsysteme sind deshalb wichtig, um Menschen vor den gefährlichen Auswirkungen eines Tornados zu schützen“, erklärt der Meteorologe. Tornados sind die schnellsten Wirbelstürme der Erde. Der Begriff kommt vom spanischen Verb „tornar“, also „umkehren“ oder „(sich) drehen“. Tornados werden auch Großtrombe, Wind- oder Wasserhose genannt. In Amerika haben sie häufig den Namen „Twister“.

Eine Superzelle am Himmel.

Tornados in Deutschland: Fujita-Skala zeigt Geschwindigkeit und Ausmaß

In der Regel dauert ein Tornado nur kurz an. Sie können eine Geschwindigkeit bis 500 km/h erreichen – und machen dabei alles dem Erdboden gleich. Die Fujita-Skala stuft die Wirbelstürme in sechs Kategorien ein:

StufeGeschwindigkeitFolgen
F064-116 km/hÄste abgebrochen, leichte Schäden
F1117-180 km/hDächer abgedeckt, Bäume entwurzelt, Autos verrückt
F2181-253 km/hSchwere Gebäudeschäden, größere Gegenstände fliegen umher
F3254-332 km/hErste Häuser stürzen ein, Züge entgleisen
F4333-418 km/hHäuser völlig zerstört, Autos fliegen durch die Luft
F5419-512 km/hAlles dem Erdboden gleichgemacht, Baumstämme entrindet

Die Tornados in NRW stufen die Meteorologen zwischen F2 und F3 ein. Höhere Geschwindigkeiten werden meist bei Wirbelstürmen in den USA gemessen, dort gibt es im Mittleren Westen die meisten und verheerendsten Tornados.

Rubriklistenbild: © Gerhard Leber/Imago

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