Nobelort Crans-Montana
Silvester-Brandkatastrophe in der Schweiz: Stammgast spricht über Notausgang – „War immer versperrt“
Ein verheerendes Feuer erschüttert Crans-Montana. Champagner-Wunderkerzen setzten die Bar in Brand. Die Sicherheitsmängel sind erschreckend.
Crans-Montana – Die Silvesternacht im luxuriösen Schweizer Skiort Crans-Montana endete in einer Tragödie. In der bekannten Bar „Le Constellation“ brach am 1. Januar gegen 1:30 Uhr ein verheerendes Feuer aus, das 40 Menschen das Leben kostete und 119 weitere verletzte. Die Ursache des Brandes steht nun fest: Champagner-Wunderkerzen entzündeten vermutlich die Decke.
Am Freitag bestätigte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud die Brandursache. Sie erklärte: „Alles deutet darauf hin, dass das Feuer ausgegangen ist von Tischfeuerwerken, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu nah an die Decke gekommen sind“, wie die französische Presseagentur AFP berichtet. Fotos zeigen eine Person mit Guy-Fawkes-Maske, auf deren Schultern eine Frau mit schwarzem Helm saß, die Champagnerflaschen mit Pyrotechnik hielt. Um 1:26 Uhr kam sie der brennbaren Schaumstoff-Deckenverkleidung gefährlich nahe.
Silvester-Feuer in der Schweiz: 40 Tote durch Champagner-Wunderkerzen
Die Bar „Le Constellation“ war ein beliebter Treffpunkt für bis zu 300 Gäste, insbesondere für junge Menschen und Touristen. Sie bot einen Shisha-Bereich und 14 Bildschirme. Doch die Sicherheitsvorkehrungen waren fragwürdig. Laut dem Schweizer Nachrichtenportal blick.ch zeigen Facebook-Fotos des Betreibers, wie er 2015 selbst Schaumstoffpaneele an der Decke anbrachte. Besonders tragisch war die enge Treppe vom Untergeschoss ins Erdgeschoss, die für viele zur tödlichen Falle wurde, als sie versuchten, dem Feuer zu entkommen. Augenzeugen schildern die schrecklichen Momente, als das Inferno ausbrach.
Die Behörden behaupten, es habe mehrere Notausgänge gegeben. Doch Augenzeugen und Medien berichten von nur einer Treppe, die zur Todesfalle wurde. Diese Widersprüche sind Teil der laufenden Ermittlungen. Ein Stammgast, der zudem Barkeeper im Ort Crans-Montana sei, sagte der Bild-Zeitung: „Es gab einen Eingang, der zugleich auch Ausgang war. Und dann gab es noch einen Notausgang. Aber wenn ich dort zu Gast war, war der immer versperrt. Alle im Ort wussten, das läuft irgendwann schief.“
Silvesternacht: Brand in Schweizer Bar fordert 40 Todesopfer – Bilder vom Unglücksort




Der Notausgang sei schwer zu finden und offenbar in einem Raum gewesen, der als Abstellkammer genutzt worden und zugestellt gewesen sei. „Innen vor der Tür stand ein Sofa, außen lagen achtlos hingeworfene Gegenstände“, so der Stammgast. Der Weg über die enge Treppe blieb der einzige Ausweg.
40 Tote bei Silvester-Feuer: Champagner-Pyrotechnik löste Schweizer Bar-Inferno aus
Die Barbetreiber, das französische Ehepaar Jacques und Jessica Moretti, das mehrere Lokale in der Region besitzt, zeigten sich tief betroffen. Jacques Moretti sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht.“ Auffällig war, dass die Facebook- und Instagram-Seiten der Bar bereits am frühen Morgen nach der Katastrophe gelöscht wurden, wie mehrere Medien berichteten.
Von den 119 Verletzten konnten inzwischen 113 identifiziert werden, darunter 71 Menschen aus der Schweiz (Stand: 3. Januar), selbst Spieler eines Fußballvereins werden nach dem Feuer vermisst. Doch auch andere Nationalitäten befanden sich in der Bar, darunter 14 Französinnen und Franzosen, elf Menschen aus Italien und vier aus Serbien. 50 Schwerstverletzte werden bis Sonntag in spezialisierte ausländische Krankenhäuser verlegt, da die Schweizer Kapazitäten für Brandopfer nicht ausreichen. (Quellen: bild.de, blick.ch, dpa, AFP) (kiba)
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