Hierzulande anwendbar?

Siesta in Deutschland: Neue Hitze-Regeln für Arbeitnehmer von Ärzten gefordert

Ärzte fordern die Einführung der „Siesta“ in Deutschland. Aber ist die Tradition aus dem Süden Europas hierzulande anwendbar? Diese Alternativen gibt es.

Hamm - Früh aufstehen, produktiv arbeiten und in den Mittagsstunden eine geplante lange Pause oder gar einen Schlaf einlegen. Amtsärzte in Deutschland regen dazu an, in den Sommermonaten die „Siesta“ für Arbeitnehmer einzuführen. Arbeitgeber seien verpflichtet, Arbeitnehmer zu schützen, heißt es. Doch wie anwendbar ist das Modell aus den südeuropäischen Ländern?

Siesta in Deutschland: Ärzte fordern neue Regeln für Arbeitnehmer

In Spanien ist die „Siesta“ kaum wegzudenken für Arbeitende. Der Begriff, der aus dem lateinischen „sexta hora“ (die sechste Stunde nach Sonnenaufgang), bedeutet besonders in der heißen Jahreszeit: Arbeit niederlegen, Schatten aufsuchen, essen, trinken und möglicherweise gar einen Mittagsschlaf einlegen. Ein Arbeitsmodell, welches Amtsärzte auch für die Deutschland im kühleren Mitteleuropa fordern.

Denn: Von großer Hitze verschont bleiben Arbeitende in der Bundesrepublik nicht. Zwar steigen die Temperaturen nicht so sehr an wie im Mittelmeerraum, wo Mitte Juli Temperaturen von bis zu 47 Grad erreicht werden. Doch schon bei über 30 Grad dürfte bei einigen die Leistungsfähigkeit bedeutend nachlassen.

Siesta in Deutschland: Dreistündige Mittagspause denkbar?

„Bei starker Hitze sind Menschen nicht so leistungsfähig wie sonst. Schlechter Schlaf bei fehlender Abkühlung in der Nacht führt zusätzlich zu Konzentrationsproblemen“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er forderte, sich bei der Arbeitsweise in Deutschland an den südeuropäischen Ländern zu orientieren.

Doch wie umsetzbar wäre eine Siesta in Deutschland? In Spanien beispielsweise schließen kleinere Läden regelmäßig zwischen 14.30 Uhr und 17.30 Uhr. Arbeitnehmer fahren in dieser Zeit nach Hause, erholen sich und treten anschließend erneut am Arbeitsplatz an, um dort bis in die Abendstunden zu schuften. Für Pendler in NRW und Deutschland, die teilweise über eine Stunde in Bus, Bahn oder Auto sitzen, ein eher ungeeignetes Szenario. Zugleich können sich wohl große Unternehmen im Tagesgeschäft kaum erlauben, die Arbeit für einige Stunden niederzulegen.

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Siesta in Deutschland: Auflockerung des Arbeitsalltags als Alternative

Angesichts des Klimawandels stellt Anja Piel weitere Forderungen. „Arbeitgeber müssen ihre Beschäftigten vor Hitze schützen - Arbeit bei Hitze ist für Beschäftigte belastend und gefährdet im schlimmsten Fall ihre Gesundheit“, sagte das Vorstandmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds den RND-Zeitungen. Laut dem Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte sollte die Temperatur im Büro nicht über 26 Grad liegen. Was Arbeitnehmer eigenständig tun können:

  • Kleidung aus Leinen oder Baumwolle tragen
  • Wasser oder Früchtetees trinken und zugleich auf Kaffee und zuckerhaltige Getränke verzichten
  • Handgelenke kühlen
  • regelmäßig Kurzpausen einlegen

Gefährdungsbeurteilungen bei Hitze seien immer noch kein Standard in Deutschland, so Piel. Büroräume mit Temperaturen von mehr als 35 Grad sollten geschlossen werden, sollten keine Luftduschen vorhanden sein. Ebenso denkbar ist die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice, Lockerung der Arbeitskleidung und ausreichend zu Verfügung stehende Ventilatoren.

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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