Expertin erklärt

Wieso der Mond auch tagsüber am Himmel zu sehen ist

Der Sonne gehört der Tag, dem Mond die Nacht. Aber hin und wieder ist der Mond auch tagsüber am Himmel zu sehen. Grund dafür ist seine Umlaufbahn.

Hamm - Der Mond hat für viele Menschen etwas Faszinierendes. Es ranken sich viele Sagen und Mythen um den Erdtrabanten. Und was wohl jeder Mensch mit ihm verbindet, ist die Nacht. In der Dunkelheit sorgt der Mond stets für Licht – mal mehr, mal weniger stark. Umso irritierter mag manch einer sein, wenn er etwa am Nachmittag in den Himmel schaut und dort den Mond entdeckt, gehört der Tag doch eigentlich der Sonne. Der Grund dafür ist einleuchtend – im wahrsten Sinne.

Wieso der Mond auch tagsüber am Himmel zu sehen ist

In rund 24 Stunden dreht sich die Erde einmal um ihre eigene Achse. Deshalb erleben die Menschen immer wieder Tag und Nacht. Doch auch der Mond dreht sich um die Erde, wodurch er in seiner Lichtgestalt verschiedene Phasen durchläuft: die Mondphasen. Je nach Position reflektiert nämlich nur ein bestimmter Teil seiner Oberfläche Licht in Richtung Erde. Die Mondphasen heißen Neumond, zunehmender Halbmond, Vollmond und abnehmender Halbmond. Ein Zyklus dauert etwa 29,5 Tage, weshalb wir in der Regel einmal im Monat Vollmond haben. Zwei Vollmonde in einem Monat sind selten und hierzulande zuletzt im August 2023 zu sehen gewesen.

Der Mond – Ein Himmelskörper, viele Facetten

Kein Himmelskörper verändert sein Aussehen so häufig wie der Mond an unserem Himmel. Mal strahlt er als Vollmond so hell, dass die Nacht erleuchtet wird, mal scheint er nur eine schmale Sichel zu sein, die kaum noch sichtbar ist. Die Faszination Mond in Bildern.
Der Mond bewegt sich recht schnell am Himmel. Im Osten geht er auf und bewegt sich im Laufe der Zeit über den Himmel, bis er im Westen wieder untergeht.
Diese Aufnahme zeigt den Mond etwa zur Hälfte beleuchtet. Der Mond nimmt zu – in den kommenden Tagen wird er immer voller werden, bis er als heller Vollmond am Himmel strahlt.
In den Tagen rund um Vollmond kann man bei Mondauf- und -untergang ein eindrucksvolles Phänomen beobachten: die Mondtäuschung. Befindet sich der Mond tief am Horizont und in der Nähe von Objekten, erscheint er deutlich größer, als er tatsächlich ist.
Der Mond – Ein Himmelskörper, viele Facetten

Die Hälfte der Zeit auf dem Weg um die Erde verläuft die Bahn des Mondes auf der sonnenabgewandten Seite. Dort sieht man ihn immer dann, wenn gerade Nacht ist, der eigene Standort auf der Erde also von der Sonne weggedreht ist. Zwei Wochen später verläuft die Bahn des Mondes aber dann auf der sonnenzugewandten Seite. Dann sieht man den Mond auch dann, wenn der eigene Standort der Sonne zugewandt ist. Sonne und Mond stehen tagsüber also zusammen am Himmel.

„Einen Vollmond sieht man nie am Tag“

Das trifft allerdings nicht auf jede Mondphase zu. Es gibt zwei Ausnahmen. „Einen Vollmond sieht man nie am Tag. Er ist immer ausschließlich nachts zu sehen“, erklärt Prof. Dr. Susanne Hüttemeister, Leiterin des Zeiss Planetariums in Bochum (NRW), im Gespräch mit wa.de. Denn bei Vollmond steht die Erde genau zwischen Mond und Sonne. Sieht man an seinem Standort den Mond voll ausgeleuchtet, heißt das im Umkehrschluss, dass man die Sonne quasi „im Rücken“ hat. Dreht sich die Erde und es wird Tag, ist der eigene Standort der Sonne zugewandt – und vom Mond gänzlich abgewandt. „Der Mond geht unter, wenn die Sonne aufgeht“, fasst Hüttemeister zusammen.

Ein zunehmender Halbmond kann auch tagsüber am Himmel entdeckt werden.

Eine weitere Ausnahme ist der Neumond. „Bei Neumond steht der Mond die ganze Zeit am Taghimmel“, so die Planetarium-Leiterin, „aber die unbeleuchtete Seite des Mondes.“ Bei Neumond steht der Mond zwischen Erde und Sonne. Somit sieht man von der Erde aus nur die unbeleuchtete Seite, die für das bloße Auge nicht erkennbar ist.

Mond tagsüber am Himmel zu sehen – „Der Halbmond ist hell genug“

Wer den Mond tagsüber am Himmel sieht, kann sich also sicher sein, dass es sich entweder um den zunehmenden oder um den abnehmenden Halbmond handelt. Prof. Dr. Susanne Hüttemeister erklärt: „Der Halbmond ist hell genug, um ihn auch tagsüber sehen zu können. Den zunehmenden Mond sieht man schon nachmittags am Himmel, den abnehmenden Mond auch noch nach Sonnenaufgang am Morgenhimmel.“

Ein besonderes Spektakel ist eine Mondfinsternis. Die letzte totale Mondfinsternis, die hierzulande zu sehen war, konnte im Mai 2022 bestaunt werden. Im März 2024 war die letzte Halbschatten-Mondfinsternis zu sehen.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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