Retter stundenlang im Einsatz
Marmolata in Italien: Lawine stürzt Skifahrer in Gletscherspalte
Skifahrer stürzt während einer Fahrt mit Freunden ab. Trotz des unverzüglichen Einsatzes der Bergretter erreicht ihn keine Hilfe rechtzeitig.
Trient – Schreckliches Lawinenunglück in Italien: Edoardo C. wollte die verschneiten Hänge der Marmolata genießen, doch stattdessen kostete ihn eine Lawine das Leben. Der 31-jährige Freerider aus Rom starb in der Nacht zum Sonntag (28. Dezember 2025) im Krankenhaus Santa Chiara in Trient, nachdem er am Samstag (27. Dezember) von einer Schneelawine erfasst und in eine tiefe Gletscherspalte geschleudert worden war. Darüber berichtet die Bergrettung Trentino sowie die italienische Nachrichtenagentur Ansa und Il Dolomiti.
Das Unglück ereignete sich am Samstagnachmittag auf etwa 2.700 Metern Höhe unterhalb der Punta Rocca. C. befand sich mit Freunden auf einer Freeride-Tour, als er eine Querung unternahm. Plötzlich löste sich eine Lawine und riss den erfahrenen Skifahrer mit sich. Die Schneemassen schleuderten ihn über einen Felssprung hinweg direkt in eine der zahlreichen Gletscherspalten der Region. Seine Begleiter bemerkten nach etwa einer halben Stunde, dass Edoardo nicht zurückgekehrt war, und alarmierten gegen 13:45 Uhr den Notruf. Auch in den Ötztaler Alpen stürzten zuletzt Skiwanderer in eine Gletscherspalte, ebenso wie eine Zehnjährige am Hintertuxer Gletscher.
Unglück an der Marmolata in Italien: Stundenlange Rettungsaktion
Die Einsatzkräfte der Bergrettung Trentino und der Staatspolizei starteten umgehend eine großangelegte Suchaktion. Ein Hubschrauber lokalisierte schnell die Lawine, die in die Gletscherspalte abgegangen war. Zehn Bergretter der Stationen Alta Fassa und Moena sowie zwei Suchhundestaffeln kämpften stundenlang gegen die Zeit.
Die Bergung gestaltete sich äußerst schwierig, da C. an einer extrem tiefen Stelle der Spalte verschüttet war. Erst gegen 17:30 Uhr gelang es den Rettern, den 31-Jährigen zu lokalisieren und aus der eisigen Falle zu befreien. Er wurde zunächst zum Landeplatz nach Canazei geflogen, wo er intubiert wurde, bevor der Transport ins Krankenhaus nach Trient erfolgte.
Besorgniserregender Trend an Todesfällen in den Bergen
Trotz der schnellen medizinischen Versorgung erlag C. in der Nacht seinen schweren Verletzungen. Die stundenlange Kälte und die Folgen des Sturzes in die Gletscherspalte waren zu schwerwiegend. Freerider fahren abseits der präparierten Pisten, was aber sicheres Tiefschneefahren und umfassende Lawinenkenntnisse erfordert. Die Marmolata, höchster Berg der Dolomiten, gilt als anspruchsvolles Terrain. Die zahlreichen Gletscherspalten und die Lawinengefahr machen das Gebiet tückisch.
Die Tragödie reiht sich in eine besorgniserregende Statistik ein. Allein das Soccorso Alpino Trentino musste laut L‘Adige 2023 zu 1549 Rettungseinsätzen ausrücken und dabei 1637 Personen helfen. In Trentino stiegen die Rettungseinsätze beim Skitouren 2023 im Vergleich zum Vorjahr von 35 auf 51 Personen – ein Anstieg um fast 46 Prozent. Die Marmolata selbst wurde laut Italiens Berg- und Höhlenrettung CNSAS bereits 2022 zum Schauplatz einer der größten Bergkatastrophen der letzten Jahre, als ein Gletscherabbruch elf Menschen das Leben kostete. Experten warnen vor den zunehmenden Gefahren durch den Klimawandel, der die Bedingungen in den Hochgebirgsregionen unberechenbar macht. (Quellen: Il Dolomiti, Bergrettung Trentino, Ansa, L‘Adige, CNSAS) (cgsc)
Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Haben Sie Fehler entdeckt?
Schreiben Sie direkt an unsere Autorin/unseren Autor – die Kontaktdaten finden Sie im Autorenprofil.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Günter Gegenheimer
