Gefahr im Winter
Spiegelglatte Straßen: Wieso bei Blitzeis auch Winterreifen kaum noch helfen
Glätte ist nicht gleich Glätte. Meteorologen unterscheiden etwa zwischen Glatteis und Eisglätte. Besonders tückisch: Blitzeis. Dann helfen auch Winterreifen kaum noch.
Hamm - Der Winter ist da, die Straßen sind glatt. Alle Jahre wieder wird die Autofahrt zu einem gefährlichen Unterfangen, wenn sich bei niedrigen Temperaturen Glatteis am Boden bildet. Oder Eisglätte? Es gibt Unterschiede. Und vor allem beim Thema Blitzeis sollten sich Autofahrer mit der Entstehung dieser tückischen Glätte auseinandersetzen.
Wie entsteht Glätte? „Das weiß doch jedes Kind“, werden sich viele denken. In der Tat ist der Vorgang sehr simpel zu erklären: Wasser gefriert am Boden. Doch Glätte ist nicht gleich Glätte. So unterscheiden die Meteorologen zwischen Glatteis, Eisglätte, Blitzeis, Reifglätte und Schneeglätte. Für Autofahrer sind die Unterschiede wichtig.
Wie entsteht Glätte? Unterschied zwischen Glatteis, Eisglätte und Schneeglätte
„Glatteis entsteht vor allem dann, wenn eisige Luft aus Nordosten auf laue Südwestwinde trifft“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von Wetteronline. Leichte Warmluft mit Temperaturen über dem Gefrierpunkt würden sich dabei über die schwere Kaltluftschicht in Bodennähe schieben. „Fällt Schnee in die Warmluftschicht, taut er und fällt als Regen.“ Dieser gefriere dann auf dem noch gefrorenen Boden. Die Folge ist Glatteis.
Anderer Name, gleiche Wirkung: Für die Entstehung von Eisglätte braucht es laut dem Expertenteam von Wetteronline keinen unmittelbaren Niederschlag. „Eisglätte entsteht, wenn bereits am Boden befindliches Wasser gefriert. Das kann Schmelzwasser, Schneematsch oder einfach Regennässe sein. Eisglätte tritt häufig nachts auf, wenn es tagsüber geregnet hat oder der Schnee geschmolzen ist und es abends frostig wird.“
Gefriert Wasserdampf aus der Luft direkt auf Straßen und Wegen, handelt es sich um sogenannte Reifglätte. Wird Schnee mit Druck, etwa von einem Auto oder Fahrrad, zusammengepresst, entsteht Schneeglätte.
Spiegelglatte Straßen: Wieso bei Blitzeis auch Winterreifen kaum noch helfen
Und dann wäre da noch die tückischste aller Formen der Glätte: das Blitzeis. Es entsteht, wenn Regen oder Nebel auf eine gefrorene Fahrbahn treffen. Es handelt sich also um Glatteis, dass einfach sehr schnell und plötzlich am Boden gefriert. Das Wasser bildet dann „eine harte, glasige, zusammenhängende Eisschicht“, erklärt Petra Zollner vom ADAC.
Besonders groß sei die Gefahr von Blitzeis an schattigen Orten, etwa in Wäldern oder auf Brücken, wo die Straße bei winterlichen Temperaturen stark abkühlen kann. „Nicht überall weisen Schilder auf die Gefahr hin. Das Tückische an überfrierender Nässe: Die Eisschicht ist kaum zu erkennen und tritt plötzlich auf“, so Zollner. Dann würden auch Winterreifen, das Antiblockiersystem (ABS) oder Schneeketten nicht mehr helfen. Die Straße werde zu einer Rutschbahn. „Wird im Radio vor Blitzeis oder Eisregen gewarnt, ist es besser, das Auto stehenzulassen und die Fahrt zu verschieben.“
Laut Zollner sind die Tage kritisch, an denen nach längerer Kältephase Regen auf gefrorenen Boden fällt. Autofahrer sollten sich also im Winter immer über die Straßenverhältnisse informieren, damit sie nicht von Blitzeis überrascht werden.
Bei Schneefall und Eis haben Anwohner die Pflicht zu räumen und zu streuen. Anderenfalls droht im schlimmsten Fall eine Klage.
Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa
