Vorwürfe gegen Clubleitung
Brand in Crans-Montana: Familie weist Schuldzuweisung an verstorbene Kellnerin zurück
Die 24-jährige Kellnerin Cyane Panine trug kurz vor Mitternacht Champagnerflaschen mit pyrotechnischen Kerzen auf die Tanzfläche. Nach dem tödlichen Brand erhebt ihre Familie schwere Vorwürfe gegen die Clubleitung.
Crans-Montana – Die Familie der 24-jährigen Cyane Panine hat die Darstellung der Geschäftsführung des Nachtclubs Le Constellation zurückgewiesen, wonach sie für das Feuerwerk verantwortlich gewesen sei, das in der Silvesternacht einen verheerenden Brand auslöste. Panine kam bei dem Unglück ums Leben. Bei dem Feuer starben 40 Menschen, mehr als 100 weitere wurden verletzt.
„Sie war die Person, die das Feuerwerk in der Hand hielt“, sagten die Betreiber Jessica und Jacques Moretti gegenüber der Polizei, wie Top Channel berichtete. Grundlage sei die Auswertung von Sicherheitsaufnahmen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Kellnerin Cyane Panine kurz vor Mitternacht mehrere Champagnerflaschen mit pyrotechnischen Kerzen auf die Tanzfläche brachte.
Freunde und Anwälte: Panine trug keine Schuld an dem Brand
Freunde und Anwälte der jungen Französin widersprechen dieser Schuldzuweisung. Wie Top Channel berichtete, soll Panine auf direkte Anweisung der Clubleitung gehandelt haben. Videoaufnahmen, die von Proto Thema ausgewertet wurden, zeigen, wie Funken aus den Fontänen eine mit Schaumstoff ausgekleidete Decke entzündeten. Innerhalb von Sekunden breitete sich das Feuer aus.
Zeugen berichteten laut Proto Thema, dass Kellner auf den Schultern von Kollegen standen, um Stimmung zu machen, als das Feuer ausbrach. In diesem Zusammenhang schilderte Mitbetreiber Jacques Moretti gegenüber Proto Thema die Szenen nach dem Brand. „Ich fand einen Haufen Leichen“, sagte er. Er erklärte zudem, er habe anschließend gemeinsam mit Panines Freund mehr als eine Stunde lang versucht, sie wiederzubeleben, bis Rettungskräfte eintrafen.
Clubeigentümer wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
In einem Treppenhaus, das im Zuge einer Renovierung im Jahr 2015 verengt worden war, starben 34 Menschen. Ein Notausgang soll verschlossen gewesen sein, um Eintritt ohne Bezahlung zu verhindern – eine Behauptung, die laut Internewscast Journal von Panines Familie stammt. Gegen die Eigentümer wurde Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.
Laut ihrer Anwältin Sophie Haenni hatte Panine bereits seit 2021 einen formellen Arbeitsvertrag und faire Löhne eingefordert. Die Anwältin erklärte gegenüber Leggo, dass Panine sich Wochen vor dem Brand bei der Schweizer Arbeitsschutzbehörde über ihre Bedingungen beschwert habe. Sie widersprach zudem Aussagen der Clubbetreiberin Jessica Moretti. Die hatte in einer Gerichtsverhandlung behauptet, Panine sei „wie eine Schwester“ für sie gewesen. Laut Leggo war der Kontakt zwischen den beiden rein beruflicher Natur.
Von Internewscast Journal ausgewertete Aussagen von Clubmitarbeitern deuten darauf hin, dass das Anzünden von pyrotechnischen Champagnerkerzen im Club gängige Praxis war. Hinweise auf eine formelle Sicherheitsschulung gibt es laut dem Bericht nicht. (Redaktion)