Blick ins Universum
Riesenstern steht vor Supernova: „In unserer Milchstraße sehr selten“
Erreicht ein Stern das Ende seines Lebens, beobachtet man eine Supernova. Auch eine Explosion ist sichtbar. In unserer Galaxie wird „Beteigeuze“ der nächste sein.
Hamm – Wenn ein großer Stern stirbt, stürzt er in sich zusammen, während die äußere Hülle abgestoßen wird. Dieses Ereignis wird Supernova genannt. Auch „Beteigeuze“, der Schulterstern des Sternbilds Orion, das in unseren Breitengraden vor allem im Winter deutlich am Himmel zu sehen ist, ist am Ende seines Lebens angelangt. Schwankungen in seiner Helligkeit lassen darauf schließen, dass er bald zu einer Supernova wird. Aufgrund seiner Nähe zu unserem Planeten, wird seine Explosion auch von der Erde aus mit bloßem Auge zu sehen sein.
Riesenstern steht vor Supernova: „Sein Kern stürzt in sich zusammen.“
Bei einer Supernova geschieht etwas Spannendes: „Jeder Stern hat einen kompakten Kern, in dessen Innerem kleinere Atomkerne zu schwereren Atomkernen verschmelzen. Größere Sterne entwickeln so in Ihrem Inneren einen Kern aus Milliarden Grad heißem Eisen. Irgendwann kann dieser sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen. Der Eisenkerns des Sterns stürzt dann in sich zusammen“, erklärt Dr. Björn Voss, Direktor des Planetarium Hamburg. Dies sei vergleichbar mit einer Implosion.
Zeitgleich werde auch die äußere Hülle mit großer Wucht abgesprengt. „Das ist die Explosion, die wir sehen. Für einige Monate leuchtet er dann heller als alle anderen Sterne seiner Galaxie zusammengenommen, bevor er fast vollkommen verschwindet”, sagt Voss. „Während Supernovae in der Gesamtheit des Universums beinahe täglich vorkommen, sind sie in unserer Milchstraße sehr selten.“ Das letzte Ereignis dieser Art geschah in unserer Galaxie vor mehr als 400 Jahren – im Jahr 1604.
| Name des Sterns: | Beteigeuze, Betelgeuse, Alpha Orionis |
| Art: | Roter Überriese |
| Sternbild: | Orion (linker Schulterstern) |
| Alter: | 8 bis 8,5 Millionen Jahre |
| Temperatur: | ca. 3300 Grad Celsius |
| Entfernung zur Erde: | ca. 550 Lichtjahre |
Wann genau Beteigeuze zur Supernova wird, ist auch in Fachkreisen nicht klar. Experten wie Dr. Voss schätzen jedoch, dass es noch mehrere zehn- bis hunderttausend Jahre dauern könnte. „Astronomen denken in völlig anderen Dimensionen. Sterne existieren mehrere Milliarden Jahre lang, deshalb bedeutet ‚bald‘, dass wir das höchstwahrscheinlich nicht mehr erleben werden“, erklärt er.
Stern Beteigeuze: Schwankungen in der Helligkeit
Bereits vor einigen Jahren sorgte Beteigeuze international für Aufsehen. Damals hatte der Himmelskörper deutlich an Helligkeit verloren. Dies lag jedoch an einer riesigen von ihm ausgestoßenen Gasmasse, die ihn umhüllte. Erst im Frühjahr vergangenen Jahres nahm er wieder so stark an Helligkeit zu, dass erneut über eine anstehende Supernova spekuliert wurde. Ist sein nuklearer Brennstoff aufgebraucht, werden seine Überreste voraussichtlich zu einem rund 20 Kilometer großen Neutronenstern. Nur ein Teelöffel dieser Materie hätte auf der Erde ein Gewicht von etwa einer Milliarde Tonnen.
Doch nicht jeder Stern explodiert auf diese Weise. „Nur die massereichsten, die mindestens achtmal größer sind als unsere Sonne, werden zur Supernova“, sagt Voss. Dass auch unserer Sonne ein solches Schicksal zuteilwird, sei jedoch ein weit verbreiteter Irrglaube. „Sie wird nicht explodieren. Stattdessen bläht sie sich auf und geht eines Tages einfach aus.“ Das sei zwar ein imposanter Anblick, würde aber auch für die Erde den Untergang bedeuten.
Supernova von Beteigeuze: Keine Gefahr für die Erde
Auch eine Supernova kann der Oberfläche eines Planeten in ihrer Nähe gefährlich werden und in bestehenden Ökosystemen zu Naturkatastrophen führen. Trotz der Nähe zur Erde stellt der Stern Beteigeuze jedoch keine Gefahr für die Oberfläche unseres Planeten dar. „Beteigeuze steht zwar Vergleichsweise nah bei uns, aber wie schon beim Alter der Sterne denken die Astronomen auch bei den Abständen in anderen Kategorien. Deshalb befindet sich Beteigeuze, obwohl vergleichsweise nah bei uns, in absoluten Zahlen gemessen immer noch in einer sehr sicheren Distanz zu uns. Wenn er zur Supernova wird, geschieht uns dabei nichts Unangenehmes”, sagt Voss.
Wer mehr über die Zukunft der Planeten, unserer Sonne und anstehende Supernovae erfahren möchte, hat dazu ab dem 1. März im Planetarium Hamburg die Gelegenheit: Das Programm „Die Zukunft des Universums“ feiert Premiere im Sternensaal. Dort erhält das Publikum spannende Einblicke in die aktuelle Forschung sowie die Endlichkeit des Unendlichen. Auch das Planetarium in Münster (NRW) hat ähnliche Programmpunkte im Angebot.
Stern Beteigeuze: Filmcharakter wurde nach ihm benannt
Übrigens: Wer denkt, dass ihm der Name des Sterns bekannt vorkommt, hat bestimmt schon einmal eine bekannte Horrorkomödie von Regisseur Tim Burton aus dem Jahr 1988 gesehen: Der Hauptcharakter des Films – Poltergeist Beetlejuice – benutzt den englischen Namen des Sterns (Betelgeuse) als Alias in einer Szene, in der er sich als Bio-Exorzist ausgibt.
Das Planetarium in Wuppertal war einst das einzige auf der Welt. Viele Menschen besuchten die Anlage damals. Heute ist das Gebäude verschwunden.
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