Es geht um die Fläche
Weihnachtsmärkte 2023 ohne Musik? Das steckt hinter dem GEMA-Desaster
Bleiben einige Weihnachtsmärkte im Jahr 2023 stumm? Nach teils extrem gestiegenen GEMA-Gebühren geht diese Angst um. Was hinter der Problematik steckt.
Hamm - Für manch einen sind sie das festliche Salz in der weihnachtlichen Suppe. Für andere ist es die nervige akustische Glückseligkeit im Hintergrund. Aber ob man nun Weihnachtslieder und festliche Melodien mag oder nicht, sie gehören einfach zu einem Weihnachtsmarkt dazu. Doch ist dieses festtägliche Gesamterlebnis im Jahr 2023 in Deutschland in Gefahr? Immens gestiegene GEMA-Gebühren lassen die Befürchtung aufkommen, dass einige Märkte Ende des Jahres stumm bleiben könnten. Welche Änderung hat sich genau ereignet, dass von zu hohen Kosten für Songs auf Weihnachtsmärkten die Rede ist? Und wie groß ist die Chance auf liederlose Weihnachtsmärkte wirklich?
Weihnachtsmärkte 2023 ohne Musik? Das steckt hinter dem GEMA-Desaster
Zu den Befürchtungen haben GEMA Rechnungen geführt, die den Veranstaltern von Weihnachtsmärkten für das Jahr 2022 zugesandt worden waren. Gegenüber den Jahren zuvor wurden von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte teils um ein Vielfaches höhere Summen gefordert. In einigen Extremfällen ist sogar die Rede von einer Preissteigerung von 1000 Prozent. In den Rechnungen stehen Summen, die mitunter nicht mehr gestemmt werden können.
Aber was genau steckt dahinter? Und warum sind einige Städte wesentlich stärker betroffen als andere? Die Antwort lässt sich bei der Art, wie die GEMA die Gebühren berechnet, finden. Weihnachtsmärkte, Volksfeste und ähnlich gelagerte Veranstaltungen fallen bei der Gesellschaft unter den „Tarif U-ST“. Den hat die GEMA mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter (BVMV) verhandelt. Er gilt für Veranstaltungen im Freien, für die kein Eintritt verlangt wird.
Seit 2011 sind für die Berechnung der Gebühren zwei Punkte wichtig:
- Gesamtfläche des Veranstaltungsgeländes
- Besucherzahl gesamt
Hierbei ist das Worte „Gesamtfläche“ besonders wichtig. GEMA-Gebühren fallen bei Weihnachtsmärkten und Co. nämlich nicht nur für die Fläche an, auf der auch tatsächlich Musik zu hören ist, sondern für die ganze Fläche der Veranstaltung. Das wurde vom Bundesgerichtshof festgelegt. Unter anderem wird dies damit begründet, dass sich das Musikangebot an die Besucher auf der gesamten Fläche richtet und das Publikum vor den Bühnen und an den beschallten Buden ständig wechselt. In Summe können damit alle Besucher des gesamten Weihnachtsmarkts die Musik hören, auch wenn diese eigentlich nur an bestimmten Stellen zu hören ist.
„Die Berechnungsgrundlage des Tarifs ist nicht neu, sondern wurde 2011 vom BGH festgesetzt“, erläutert Ursula Goebel von der GEMA. Wieso es gerade jetzt zu der teils immensen Erhöhung der Gebühren gekommen ist, hat einen anderen Grund: Die von den Veranstaltern gemachten Angaben zur Fläche werden genauer nachgeprüft. „In der Vergangenheit haben wir auf Basis der von den Kundinnen und Kunden gemeldeten Nutzungsflächen lizenziert“, erklärt Goebel. „Wir haben uns auf korrekte Angaben verlassen und keine Prüfung vorgenommen.“
Neue Prüfung der Fläche: Daher steigen GEMA-Gebühren für Weihnachtsmärkte
Neuerdings werden die Angaben allerdings mit verschiedenen Tools wie Google Maps oder Planimeter nachgeprüft. Und dabei seien „deutliche Diskrepanzen“ zwischen den von den Veranstaltern gemachten Angaben und der durch die Tools berechneten Fläche deutlich geworden. „Wir wollen dabei nicht unterstellen, dass uns bewusst falsche Quadratmeterzahlen gemeldet wurden, denn es mag verschiedene Gründe geben“, ist es Goebels wichtig, zu betonen. Sie kann sich beispielsweise vorstellen, dass es häufig zu Wechseln bei den Verantwortlichen in den Kommunen kommt und diese oft nicht wissen, dass die Gesamtfläche anzugeben sei.
Die Thematik hat mittlerweile so große Kreise gezogen, dass es auf der Website der GEMA eine eigene Seite mit Fragen und Antworten dazu gibt. Hier findet sich auch eine Entschuldigung an die Veranstalter: Den Einsatz der Tools und die Überprüfung der Angaben „hätten wir umfassend kommunizieren müssen. Das ist nicht in dem gewohnten Maße erfolgt und das bedauern wir.“ Es wird auch darauf hingewiesen, dass mit den Veranstaltern, die nun besonders hohe Summen zahlen müssen, individuelle Lösungen erarbeitet werden. „Wir sind überzeugt, dass es aufgrund des Tarifs für Stadtfeste nicht zum Abbau der Musikbühnen und einem Verstummen der Märkte kommen wird“, sagt Ursula Goebel.
Die Bundesvereinigung der Musikveranstalter (BVMV) bestätigt, dass die Änderungen seitens der GEMA erst spät mitgeteilt worden waren. „Erst im letzten Jahr wurde bekannt, dass sich die GEMA-Gebühren für einzelne Weihnachtsmärkte vervielfacht haben“, sagt Uta Stenzel von der BVMV. Sie bestätigt, dass derzeit Gespräche zwischen der GEMA und den Veranstaltern geführt werden, auch wenn keine Angaben zu einzelnen Sachverhalten gemacht werden könnten.
Weihnachtsmärkte 2023 ohne Musik: Noch verhandeln GEMA und Veranstalter
Außerdem erzählt sie: „Wir stehen zudem mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände und der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. im Dialog, um zu analysieren, wie wir in Gesprächen mit der GEMA zu einer tragfähigen Lösung kommen können, die einerseits die Veranstalter der Weihnachtsmärkte nicht überfordert und auf der anderen Seite eine angemessene Vergütung der Urheber sicherstellt.“
Es bleibt also spannend, wie genau sich Veranstalter und GEMA am Ende einigen. Doch für Panik ist es noch zu früh. Dass Weihnachtsmärkte im Jahr 2023 tatsächlich komplett stumm bleiben, ist eine Befürchtung, die einem aufgrund der aktuellen Ereignisse schnell in den Kopf kommen mag. Doch noch wurden solche Maßnahmen nicht offiziell genannt.
Vor den besinnlichen Weihnachtstagen steht ohnehin erst einmal die gruselige Halloween-Zeit an. Und die bietet sich für ausgefallene Ausflüge an. In NRW können besonders hartgesottene eine Horrornacht in einem Hotel verbringen. Im Movie Park wiederum findet zum 25. Mal das beliebte Halloween-Event statt. Wer es besinnlicher mag, kommt beim Herbstleuchten im Maxipark in Hamm auf seine Kosten.
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