Würdevoller Abschied
Asche statt Knochenmehl – warum viele Besitzer tote Pferde lieber verbrennen
Viele Pferdebesitzer entscheiden sich nach dem Tod ihres Tieres für eine Einäscherung. Das ist für manche „humaner“. Auch in Deutschland gibt es Pferde-Krematorien.
Hamm – Erd-, Feuer- oder Seebestattung: Die Möglichkeiten, einem verstorbenen Angehörigen die letzte Ruhe zu gewähren, sind vielseitig. Doch immer mehr Menschen wünschen sich einen würdigen Abschied auch für ihre Vierbeiner. Für Kleintiere gibt es bereits seit längerem Krematorien in ganz Deutschland. Seit 2017 ist auch die Einäscherung von Pferden und Eseln erlaubt. Krematorien gibt es in mehreren Bundesländern – dabei kommen unterschiedliche Kosten auf Tierhalter zu.
Vor allem im Frühjahr – denn das ist die Zeit der Koliken und Wetterwechsel-bedingten Probleme bei den großen Vierbeinern – stehen viele Pferdebesitzer oft plötzlich vor der schweren Entscheidung, ihr Tier gehen zu lassen. Doch welche Wahl hat man, wenn selbst der Tierarzt nicht mehr weiter weiß? Ist ein Pferd nicht als Schlachttier eingetragen, ist die wohl gängigste Methode, den Pferdekörper nach dem Einschläfern von einem Unternehmen der Tierkörperbeseitigung abholen zu lassen – dem sogenannten „Abdecker“.
Letzte Ruhe für Pferde: Einäscherung ist beliebte Art des Abschieds
Doch die grausamen Bilder, wie sie zu Zeiten von Black Beauty und Co. über die Mattscheiben flimmerten, lassen wohl niemanden los: Ein totes Pferd auf einem Karren wird vom „gruseligen“ Abdecker wegtransportiert. Auch wenn die Realität nicht ganz so drastisch ausfällt, für viele Menschen ist es keine schöne Vorstellung, sein Pferd so gehen zu lassen. Denn wird die Tierkörperbeseitigung kontaktiert, kommt ein großer, oft grauer oder grüner Lkw. Mit einem Kran, an dem ein Greifarm hängt, wird das Pferd in einen Container verladen und zur Beseitigungsanlage transportiert.
Was macht ein Abdecker?
Der Abdecker (früher auch Schinder oder Wasenmeister genannt) ist seit Jahrhunderten für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig.
Früher galt der Beruf als unehrenhaft und anrüchig. Aufgrund der starken Geruchsbelästigung und der Gefahr von Seuchen lagen Abdeckereien abseits der Dörfer. Die Abdecker waren vom Kontakt mit der Bevölkerung fast vollständig ausgeschlossen. Aufgrund ihrer Arbeit waren sie gefährdet, sich mit Keimen und Erregern zu infizieren. Heute arbeiten Abdecker in hochmodernen und sterilen Anlagen.
Dort wird es erhitzt, sterilisiert, getrocknet und anschließend zu Tiermehl oder-fett verarbeitet. Das Mehl findet seinen Einsatz unter anderem in Zementwerken, während das Fett zur Herstellung von Tensiden, Seifen, Kerzen oder Schmiermittel verwendet wird. Die bei diesem Prozess freigesetzten Biokraftstoffe werden zur Speisung von Biogasanlagen verwendet. Die Kosten für die Beseitigung eines Pferdekörpers liegen in Nordrhein-Westfalen, je nach Größe, zwischen 70 und 130 Euro. Je nach Bundesland variiert der Preis.
Nach dem Tod des Pferdes: Einäscherung seit 2017 erlaubt
Wer sein Pferd nicht verwerten lassen möchte, hat Glück: Seit 2017 dürfen neben Kleintieren auch Pferde, Ponys und Esel im Krematorium eingeäschert und in Urnen mit nach Hause genommen oder auf Tierfriedhöfen bestattet werden. Das erste Pferde-Krematorium eröffnete im selben Jahr in Baden-Württemberg. Heute gibt es mehrere zugelassene Pferde-Krematorien in Deutschland:
- dank&treu in Schwäbisch Hall
- dank&treu in Blender bei Verden an der Aller
- Rosengarten-Krematorium Badbergen
- Pegasus Tierbestattungen in Waldkraiburg
In den Niederlanden und Frankreich ist die Kremierung von Pferden bereits seit längerem erlaubt. Unternehmen wie Horsia oder Humania-Tierbestattungen bieten dort ebenfalls eine Einäscherung für Pferde an. Dafür muss der Tierkörper jedoch rechtskonform und veterinärämtlich registriert werden, bevor er überführt werden darf.
Um ihren Liebling am Ende wieder mit nach Hause nehmen zu können, müssen Pferdebesitzer allerdings mit hohen Kosten rechnen. Die Einzel-Einäscherung eines Pferdes kostet – je nach Größe und Gewicht – zwischen 900 und 2000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Überführung des Tieres und die vom Besitzer individuell ausgesuchte Urne oder liebevoll gestaltete Holzkiste. Übrig bleiben von einem rund 500 Kilogramm schweren Tier etwa 30 Kilo Asche.
Letzte Ruhe: Schon Wikinger ließen sich mit ihren Pferden bestatten
Die Bestattung von Pferden ist, anders als man vielleicht denkt, jedoch keine Erfindung der Moderne. Bereits in der Vorzeit wurden treue Reitpferde gemeinsam mit ihren Reitern begraben. Das ergaben archäologische Ausgrabungen unter anderem in Bad Homburg und Lotterberg.
Auch eine im Februar 2023 durchgeführte Studie von Forschern der Universitäten von Durham und York zeigte erstmals, dass die große Wikinger-Armee, die im Jahr 865 in England einfiel, nicht nur aus Menschen bestand. In den Gräbern wurden auch Pferde und Hunde entdeckt, die gemeinsam mit ihren Haltern begraben wurden.
Ein tragisches Ende nahm das Leben eines Pferdes in Hagen. Die Feuerwehr konnte es nur noch tot aus dem Hengsteysee bergen – das Tier ertrank qualvoll. Der Verlust eines geliebten Haustieres tut immer weh. Oft kommt der Wunsch auf, seinen Hund, die Katze oder das Meerschweinchen im eigenen Garten zu bestatten. Nicht immer ist das erlaubt. Es gibt wichtige Regeln.
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