NABU-Experte klärt auf
Motten in der Wohnung: Gibt es in diesem Jahr besonders viele Nachtfalter?
Keiner hat gerne große Motten in der Wohnung. Manch einer hat das Gefühl, dass dieses Jahr besonders viele Nachtfalter unterwegs sind. Stimmt das?
Hamm - Motten haben keinen guten Ruf, viele halten die Tiere für Schädlinge. Tatsächlich sind das auch einige Arten der „Echten Motten“ (Tineidae), etwa die Kleider- oder die Lebensmittelmotte. Oft werden jedoch alle möglichen Nachtfalter als Motten bezeichnet, auch wenn sie im biologischen Sinn keine Motten sind. Und der Großteil der Nachtfalter ist harmlos – auch die sehr großen Tiere, die sich am Abend in unsere Wohnungen verirren. Manch einer berichtet in diesem Jahr von besonders vielen dieser riesigen Nachtfalter. Woran liegt das? Karl-Heinz Jelinek vom NABU in NRW klärt im Gespräch mit wa.de auf.
Große Motten in der Wohnung: Gibt es in diesem Jahr besonders viele Nachtfalter?
Nach Einschätzung des Schmetterlingsexperten handelt es sich tatsächlich nur um eine subjektive Wahrnehmung. Das Jahr 2023 sei eigentlich ein schlechtes Schmetterlingsjahr – und das betreffe sowohl Tag- als auch Nachtfalter. Er selbst habe noch nicht beobachtet, dass in diesem Sommer abends mehr Nachtfalter unterwegs seien. Allerdings sei es durchaus möglich, dass sich regional ein oder zwei Arten kurzfristig verstärkt ausbreiten und so der Eindruck entstehe, dass es besonders viele „Motten“ seien.
Motte oder Nachfalter – oder beides?
Der Begriff „Motte“ ist nur für Falter der Familie der „Echte Motten“ fachlich korrekt ist. Dabei handelt es sich um Kleinschmetterlinge, die nicht zwangsläufig nachtaktiv sind. Der Begriff „Nachtfalter“ umfasst hingegen Schmetterlinge verschiedener Familien, die keine Tagfalter sind. Dabei müssen auch die Tiere nicht tatsächlich nachtaktiv sein. Sprich: Nicht alle Motten sind Nachtfalter und erst recht nicht sind alle Nachtfalter Motten. Trotzdem ist umgangssprachlich eigentlich immer nur von Motten die Rede.
Karl-Heinz Jelinek kann sich aber auch vorstellen, dass die Menschen durch die oft drückende Wärme hierzulande einfach öfter am Abend die Fenster und Türen aufreißen und zeitgleich drinnen das Licht anlassen. Denn ja: Motten fliegen zum Licht, wenn auch nicht alle Arten. Bewusst kommen die Nachtfalter allerdings nicht in unsere Häuser und Wohnungen.
Nachtfalter in der Wohnung: Warum fliegen Motten zum Licht?
Wie das Magazin GEO erklärt, ist die Frage, weshalb Motten zum Licht fliegen, noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt aber eine Theorie, die auch NABU-Experte Jelinek nennt. Nachtaktive Insekten orientieren sich an der UV-Strahlung der Sterne und vor allem des Mondes. Beim Geradeausflug versuchen sie, immer einen bestimmten Winkel zu dem Licht einzuhalten.
In Ballungsgebieten werden die Tiere dann von künstlichen Lichtquellen verwirrt. Dann orientieren sich etwa Motten plötzlich an Straßenlaternen oder eben der Lampe im Wohnzimmer. „Da diese Lichtquellen sehr viel näher sind, ändert sich auch der Winkel sehr schnell. Die Motte korrigiert den Kurs, bis der Winkel wieder stimmt – mit dem Ergebnis, dass sie ständig um die Lampe fliegt, bis sie ihr gefährlich nahekommt“, schreibt das GEO-Magazin.
Motten in der Wohnung – was tun?
Wer die Möglichkeit hat, sollte Nachtfalter, die sich nach drinnen verirren, also wieder herausbringen. Das ist aufgrund der hektischen Flugbewegungen nicht immer ganz einfach. Kann auf dem Balkon oder der Terrasse eine Lampe angemacht werden, sollte die angemacht und der Innenbereich verdunkelt werden. Im besten Fall findet das Insekt den Weg hinaus.
Eine andere Möglichkeit ist, den Falter zu fangen. Das klappt vor allem bei den großen Exemplaren nur gut, wenn sie irgendwo ruhig sitzen. Dann können sie – wie Spinnen auch – mit einer großen Schüssel und einem Stück Papier oder Pappe eingefangen und herausgebracht werden.
Töten sollte man die Nachtfalter auf keinen Fall. „Es geht bergab mit den Schmetterlingen“, sagt Karl-Heinz Jelinek. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Insektensterbens sollte man sich also freuen, wenn man vermehrt Nachtfalter entdeckt – und wer sie nicht in der Wohnung haben will, sollte sich Fliegengitter anschaffen.
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