Ab September

Komplett eingestellt: Lufthansa-Änderung trifft Reisende – Service an Bord gestrichen

Lufthansa streicht den Bordverkauf. Bald heißt es Parfüms & Zigaretten ade! Der Service endet aus wirtschaftlichen Gründen und wegen Platzmangels.

Köln – Der Bordverkauf bei der Lufthansa gehört ab Herbst der Vergangenheit an. Ab September 2025 streicht die größte deutsche Fluggesellschaft endgültig den Verkauf von Parfüms, Zigaretten, Accessoires und anderen Duty-Free-Artikeln auf allen Langstreckenverbindungen. Bereits seit Längerem war das Angebot auf Kurzstrecken abgeschafft. Die Entscheidung betrifft ausschließlich die Kernmarke Lufthansa, wie ein Unternehmenssprecher bestätigte.

Grund für den Rückzug vom Bordverkauf sind wirtschaftliche Erwägungen. „Der Bordverkauf wird aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt“, erklärte der Lufthansa-Sprecher. Laut dpa führte die Airline umfangreiche Analysen durch, die ergaben, dass sinkende Kundennachfrage mit hohen Einkaufskosten kollidierte. Schon im Februar 2025 wurde das Angebot auf unrentablen Strecken aus dem Sortiment genommen. Ab September wird es dann auf dem gesamten Langstreckennetz der Lufthansa keinen klassischen Bordverkauf mehr geben.

Interessanterweise äußerte sich Lufthansa damals noch gegenteilig: „Das Shopping an Bord ist fester Bestandteil unseres Serviceangebots, das von vielen Passagieren eingefordert und erwartet wird“, zitiert aeroTELEGRAPH aus einer damaligen Unternehmensäußerung. Der Kurswechsel deutet auf einen grundlegenden Wandel hin – sowohl innerhalb der Airline als auch im Verhalten der Reisenden.

Die Entscheidung ist ein Spiegelbild aktueller Herausforderungen in der Luftfahrtbranche: Kostendruck, veränderte Kundenerwartungen und ein wachsender Bedarf an Flexibilität und Effizienz.

Digitale Konkurrenz und sich wandelnde Reisegewohnheiten: Sinkende Nachfrage trifft auf hohe Kosten

Bei der Entscheidung spielte noch ein weiterer, praktischer Aspekt eine Rolle: der Stauraum. Wie die Plattform aeroTELEGRAPH berichtet, nimmt die Bordware Platz ein, der im Zuge des Umbaus des Bordservices anderweitig genutzt werden soll. Demnach wird im Rahmen des Projekts „Fox“ an einer umfangreichen Überarbeitung des Serviceangebots gearbeitet – vor allem in der Economy Class.

Laut aeroTELEGRAPH hat sich auch das Konsumverhalten der Reisenden verändert – nicht zuletzt durch die Pandemie. Was früher als reizvoller Zeitvertreib galt, verliert an Attraktivität. Das Durchblättern von Duty-Free-Katalogen in der Sitztasche und das spontane Shopping beim Durchgang des Bordpersonals mit einem Verkaufswagen gehören zunehmend der Vergangenheit an. Der klassische Impulskauf während des Flugs nimmt ab, während viele Reisende lieber vorab online bestellen oder am Flughafen einkaufen.

Trotz der Neuerung bleibt das Shoppingangebot für Lufthansa-Kundinnen und -Kunden grundsätzlich bestehen: Die Webshops sowie die stationären Worldshop-Filialen an Flughäfen bleiben unverändert in Betrieb.

Flughafen Frankfurt in Bildern: Das Drehkreuz in die Welt

Die Skyline immer im Blick: Der Flughafen Frankfurt liegt rund zwölf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.
So sah der Flughafen Frankfurt Ende der 1950er Jahre aus.
Im April 1970 wurde der Frankfurter Flughafen per Vertrag zur Heimatbasis der Lufthansa – und das ist bis heute so.
Ender der 1970er Jahre war schon deutlich mehr los. Hier wird eine Boeing 727 am Gate abgefertigt.
Flughafen Frankfurt in Bildern: Das Drehkreuz in die Welt

Lufthansa will mehr KI, weniger Katalog – Andere Airlines setzen weiter auf Bordverkauf

Lufthansa arbeitet aktuell an einer umfassenden Neuausrichtung des Bordservices. Im Rahmen des Projekts „Fox“ werden neue Konzepte und Produkte in der Economy Class getestet. In den kommenden Monaten sollen auch die Business- und First-Class-Kabinen folgen. Ziel sei laut Unternehmenssprecher nicht etwa eine Sparmaßnahme, sondern ein „verbessertes Service-Erlebnis“.

Innovationen wie der sogenannte „Tray Tracker“ sollen dabei helfen, das kulinarische Angebot gezielter auf die Bedürfnisse der Passagierinnen und Passagiere zuzuschneiden. Mithilfe künstlicher Intelligenz wird analysiert, ob Mahlzeiten vollständig, teilweise oder gar nicht verzehrt wurden. Ergänzend fließen Daten wie Flugroute, Reiseklasse und das jeweilige Menü in die Auswertung ein. So sollen Portionsgrößen angepasst und Lebensmittelverschwendung reduziert werden.

Während Lufthansa sich vom Bordverkauf verabschiedet, verfolgen andere deutsche Airlines einen anderen Kurs. Tuifly berichtet von „starker Nachfrage gerade auf längeren touristischen Flügen etwa auf die Kanarischen Inseln“, so eine Sprecherin gegenüber der dpa. Auch bei Condor wird der Bordverkauf weiterhin angeboten. Die Rentabilität werde regelmäßig geprüft, aktuell zeigten sich besonders auf Urlaubsverbindungen gute Umsätze. Internationale Beispiele zeigen, dass Lufthansa mit ihrer Entscheidung nicht allein dasteht. Bereits 2019 hatte die niederländische KLM den Bordverkauf eingestellt. (ls mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Sven Simon / IMAGO

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