Urlaub dahin
FTI-Pleite: Wiener Familie nach Thomas-Cook-Insolvenz das zweite Mal betroffen – „Emotionaler Verlust“
FTI Touristik meldete Insolvenz an, Urlauber fürchten um ihre Buchungen. Eine Familie muss das nun schon zum zweiten Mal erleben.
Wien – Die Insolvenz des Reiseveranstalters FTI Touristik dürfte bei vielen Deutschen ein Gefühl des Déjà-vus hervorrufen. Sie erinnert an den Zusammenbruch des Reisegiganten Thomas Cook im Herbst 2019. Unzählige Urlauber sahen sich plötzlich mit dem Verlust ihrer Ferien und im schlimmsten Fall auch ihres bereits bezahlten Geldes konfrontiert. Eine Familie aus Wien kann ein Lied davon singen.
Familie schon das zweite Mal von Insolvenz eines Reiseveranstalters betroffen
Die junge Familie mit zwei kleinen Kindern hatte geplant, Mitte Juni in die Türkei zu reisen. Wie die Eltern dem österreichischen Nachrichtenportal heute.at erzählten, sollte es der erste gemeinsame Strandurlaub der Familie seit fünf Jahren sein. Sabrina und ihr Mann Daniel hatten für die geplanten elf Nächte in Antalya über 6300 Euro ausgegeben und bereits im Vorjahr gebucht.
Doch dann kam die schlechte Nachricht: Der Veranstalter FTI, der die Reise organisiert hätte, ist insolvent. Der Urlaub ist vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat. Am Montag, dem 3. Juni, gab das Münchner Reiseunternehmen bekannt, einen Antrag auf Insolvenz gestellt zu haben.
„Emotionaler Verlust“: Familienurlaub mit FTI fällt nach Insolvenz flach
Die Wiener Familie ist natürlich tief enttäuscht. „Für uns ist es nicht nur ein finanzieller Schaden, denn viel mehr wiegt der emotionale Verlust“, sagt die 32-jährige Mutter von zwei Kindern im Gespräch mit heute.at. Sie, die Großmutter und die beiden Tanten hatten sich schon sehr auf die Auszeit in der Türkei gefreut. Für die Kinder wäre es wahrscheinlich die erste Flugreise gewesen. „Vor allem wollten wir unseren Kindern zeigen, was uns am Reisen so gut gefällt.“
Hitzige Diskussionen auf Social Media: Reisekosten für Pauschalreisen werden erstattet
Die Wiener Familie ist mit ihrer Enttäuschung nicht allein. In den sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Beiträge von Reisenden, die von ihren geplatzten Urlaubsplänen mit FTI berichten. Besonders der Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung stößt vielen Kunden sauer auf. Ein X-Nutzer (früher Twitter) findet das Timing „wirklich sehr interessant“ und meint, es habe „einen Beigeschmack“.
Die Person stellt die suggestive Frage, ob das Unternehmen absichtlich die Buchungen für den Sommerurlaub abgewartet hätte, bevor es seine Zahlungsunfähigkeit gemeldet hätte. „Finanzielle Rückflüsse wird es nicht geben“, vermutet sie.
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Zum Kontext: Ab Juni beginnt die Hauptsaison für europäische Reiseziele. Laut einer Auswertung der Wirtschaftswoche sind Spanien, Griechenland und die Türkei die beliebtesten Reiseziele deutscher Urlauber – allesamt hauptsächlich Sommer-Destinationen. Und wie das Handelsblatt berichtet, kamen die finanziellen Probleme des Münchner Unternehmens wohl nicht über Nacht.
Dass FTI-Kunden alle gänzlich leer ausgehen werden, stimmt aber nicht. Wer eine Pauschalreise über die FTI Gruppe gebucht hat, ist durch den Deutschen Reisesicherungsfonds (DRSF) abgesichert. Zwar bringt das die Urlauber nicht in den wohlverdienten Urlaub, aber zumindest werden die Reisekosten erstattet. Bei der Insolvenz von Thomas Cook dauerte es jedoch Wochen, sogar Monate, bis einige Kunden ihr Geld zurückerhielten.
FTI-Insolvenz: Bei Einzelleistungen sind Geld und Buchung futsch
Anders sieht es bei sogenannten Individual- oder Einzelleistungen aus. Anstatt Flug, Unterkunft und Transfer im Paket (Pauschal) können die Leistungen auch einzeln gebucht werden. Beispielsweise, wenn mit dem Auto angereist wird oder der Flug eigenständig gebucht wurde. In diesem Fall tragen die Reisenden selbst das Risiko – im Falle einer Insolvenz sind sowohl die Buchung als auch das Geld verloren.
Es lohnt sich also, einen Blick auf die Buchungsbestätigung zu werfen. Vor allem, um zu prüfen, ob ein bestimmtes Dokument vorhanden ist. Und: Nicht immer muss FTI draufstehen, wo FTI drin ist. Laut den Branchenkennern von Reisereporter gehören folgende Anbieter zur FTI Gruppe und sind von der Insolvenz betroffen:
- 5vorFlug
- BigXtra GmbH
- Mietfahrzeugs-Marken DriveFTI und Cars and Camper
Die Familie aus Wien musste diese schmerzhafte Erfahrung bereits machen, als ihre gebuchte Mexiko-Reise mit dem insolventen Anbieter Thomas Cook abgesagt wurde. Nun der nächste Urlaubs-Dämpfer für die vierköpfige Familie. Immerhin: Diesmal handelte es sich um eine Pauschalreise – damit gibt es zumindest das Geld zurück. (rku/jh)
Rubriklistenbild: © Hanno Bode/IMAGO
