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„Deutschland fährt gratis“: Vorsicht vor Fake-Kampagne - Steckt TV-Satiriker dahinter?

Unter dem Slogan „Deutschland fährt gratis“ ist eine Fake-Kampagne zum ÖPNV aufgetaucht. Stecken Jan Böhmermann mit seinem ZDF Magazin Royale dahinter?

NRW - Es klingt zu schön, um wahr zu sein: eine Aktion, durch die man vom 4. April bis zum 4. Juli 2022, also in den nächsten drei Monaten, gratis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Deutschland fahren können soll. Im Internet war eine seriös aussehende und aufwendige Kampagne aufgetaucht, die genau das vermittelt - das ganze unter der Adresse „deutschland-faehrt-gratis.de“. Inzwischen ist die Seite aber nicht mehr abrufbar, denn bei „Deutschland fährt gratis“ handelt es sich um eine Fake-Aktion. Wer oder was steckt dahinter? Etwa TV-Satiriker Jan Böhmermann?

Vermutlich haben die Verantwortlichen des „ZDF Magazin Royale“ von Jan Böhmermann die Fake-Aktion gestartet, nachdem die Ampel-Koalition kürzlich angekündigt hatte, dass es im Rahmen eines Entlastungspakets ein 9-Euro-Ticket für den ÖPNV geben soll - also extrem reduzierte Preise für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs über drei Monate.

„Deutschland fährt gratis“ - Fake-Kampagne zum ÖPNV fliegt auf

Die Macher der Kampagne „Deutschland fährt gratis“ gaben ihre Gratis-Öffi-Aktion offenbar als Initiative des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMVD), der Bahn und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) aus. Ihr Hashtag #nochbesserweiter ist wohl an einen tatsächlichen Hashtag aus September 2021 angelehnt, wie das Portal techniknews berichtet.

Damals gab es die Aktion #BesserWeiter von Bund, Ländern, öffentlichen Verkehrsunternehmen und „Deutschland Mobil 2030“. Es gab ein Abo-Upgrade, mit dem sich Fahrgäste deutschlandweit mehrere Tage lang über freie Fahrt in Bus und Bahn freuen durften. Konkret durften sie den Nahverkehr über den Geltungsbereich ihres Abo-Tickets hinaus nutzen.

„Deutschland fährt gratis“ - offizielle Stellen wehren sich gegen Fake-Kampagne

Dass vom 4. April bis zum 4. Juli 2022 nun kostenlose Fahrten mit der Bahn in Deutschland möglich sein sollten, erschien vor diesem Hintergrund und im Lichte der Diskussion um das Entlastungspaket also vielen Menschen plausibel. Doch das Bundesverkehrsministerium hat in einem Tweet widersprochen. „Es handelt sich hierbei um eine Fake-Kampagne“, kommentierte das BMDV unter dem Tweet einer von der angeblichen Aktion begeisterten Social-Media-Nutzerin, die die Webseite von „Deutschland fährt gratis“ geteilt hatte.

Perfide an der Fake-Aktion war vor allem, dass sie so professionell daher kam. Auf der Website wurden sogar Pressemitteilungen und FAQs veröffentlicht. Dem Portal winfuture.de zufolge gab es sogar vermeintliche Politiker-Statements. Und selbst Handzettel wurden verteilt, wie ein weiterer Tweet zeigt. Zu diesem nahm der VDV Stellung - mit den Worten „Das ist eine Fake-Kampagne. Die Meldung ist nicht echt. Sie kommt weder von uns noch von der DB und dem BMDV“.

„Deutschland fährt gratis“ - ist die Fake-Kampagne von Jan Böhmermann?

Wie mehrere Medien berichten, gab allerdings ein Blick auf das Impressum Aufschluss - zumindest darüber, dass es keine echte Aktion ist. Denn dort stand dem Portal zufolge „Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH“ als Verantwortlicher - und das Logo des „ZDF Magazin Royale“ tauchte in der Fußzeile der Webseite auf. Unklar ist bislang, ob tatsächlich der Satiriker Jan Böhmermann hinter der Sache steckt, oder ob sich die Verantwortlichen auch an dieser Stelle an fremden Daten bedienten. In seiner nächsten Show am Freitag, 8. April, wird man es womöglich erfahren.

Der Ersteller der Fake-Kampagne wollte möglicherweise dafür sorgen, dass zahlreiche Menschen an die Ticket-Schalter der Bahn stürmen und kostenlose Fahrkarten verlangen. Dass so etwas vorkommt, ist aktuell denkbar, wenn man beachtet, dass gefühlt alles teurer wird. Im Entlastungspaket warten immerhin auch 300 Euro Energiekostenpauschale auf die Bürger. Zudem soll es einen Kinderbonus von 100 Euro pro Kind und einen Tankrabatt geben. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Franziska Gabbert

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