Bald zehnter Bundeskanzler

Die politische Karriere des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz und was privat über ihn bekannt ist

Friedrich Merz bei der CDU-Wahlparty auf der Bühne umgeben von Spitzenpolitikern der Union
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Die Union mit CDU-Chef Friedrich Merz als Kanzlerkandidat hat die Bundestagswahl 2025 gewonnen.

Friedrich Merz ist im dritten Anlauf Vorsitzender der CDU und steht kurz vor der Kanzlerschaft. Sein politischer und privater Lebenslauf im Überblick.

Brilon - Alle guten Dinge sind drei. Zweimal versuchte Friedrich Merz bereits, in der CDU nach der großen Macht zu greifen. Zweimal scheiterte er. Im dritten Versuch hat er es auf den Posten des Bundesvorsitzenden seiner Partei geschafft – und einige Jahre später hat er sein großes Ziel erreicht: Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden.

NameJoachim-Friedrich Merz
geboren 11. November 1955 in Brilon
Heimatstadt Arnsberg
Größe1,98 Meter
EhefrauCharlotte Merz
KinderCarola Clüsener, Philippe Merz, Constanze Merz

Friedrich Merz wollte schon 2018 Vorsitzender der CDU werden

Friedrich Merz hatte es mehrfach versucht, an die Macht zu gelangen. 2018 etwa, als Angela Merkel ihren Rückzug aus der Partieführung angekündigt hatte. Der gebürtige Sauerländer kündigte daraufhin sein Comeback in der Politik an. Merz kandidierte gegen Jens Spahn und Annegret Kramp-Karrenbauer. Gegen Letztgenannte unterlag er am Ende im Kampf um den CDU-Vorsitz knapp.

Friedrich Merz versuchte bereits 2018, Vorsitzender der CDU zu werden. Damals unterlag er Annegret Kramp-Karrenbauer, die damit Nachfolgerin von Angela Merkel wurde. (Archivbild)

Doch die Saarländerin bewies kein gutes Händchen. Im Februar 2020 kündigte Kramp-Karrenbauer ihren Rücktritt an. Merz warf seinen Hut erneut in den Ring. In einer Stichwahl – Bewerber Norbert Röttgen war nach dem ersten Wahlgang raus – unterlag er dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet.

Als dieser 2021 als Kanzlerkandidat der Union die Bundestagswahl verloren und seinen Rücktritt als CDU-Chef angekündigt hatte, gab Merz seine erneute Kandidatur bekannt. Diesmal schaffte er es: Direkt im ersten Wahlgang setzte sich der Sauerländer mit 62,1 Prozent der Stimmen gegen Helge Braun und erneut Norbert Röttgen durch. Somit ist Friedrich Merz seit 31. Januar 2022 Bundesvorsitzender der CDU.

Die Anfänge der politischen Karriere

Schon in seiner Schulzeit hat sich Friedrich Merz politisch engagiert. 1972 trat er als Schüler in die CDU ein, 1980 war er Vorsitzender der Jungen Union. Die große politische Bühne betrat er erstmals 1989, als er fünf Jahre lang den Bezirk Südwestfalen für seine Heimat als Abgeordneter im Europäischen Parlament vertrat.

Von 1994 bis 2009 vertrat er seinen Wahlkreis im Bundestag. Im Hochsauerlandkreis holte Merz immer das Direktmandat, mit „überdurchschnittlichen Ergebnissen“, wie es auf seiner Website heißt. Schnell etablierte er sich dort als einer der führenden Wirtschaftspolitiker. Ebenfalls bekannt wurde er wegen seiner Prägung des Begriffs „deutsche Leitkultur“.

Vom Wirtschaftspolitiker zum Fraktionschef

Als Wolfgang Schäuble wegen der CDU-Spendenaffäre unter Druck geriet und seinen Rücktritt vom Fraktions- und Parteivorsitz erklärte, wurde Angela Merkel Parteichefin, Friedrich Merz rückte an die Spitze der Fraktion. In seiner Zeit als Fraktionschef, von 2000 bis 2002, entwickelte er Kanzlerambitionen. Doch es kam anders.

Nach der Bundestagswahl 2002 verlor Friedrich Merz den Vorsitz an Angela Merkel, die das so mit dem damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber verhandelt hatte. Friedrich Merz blieb zunächst ihr Vize, trat aber 2004 zurück. Im Bundestagswahlkampf 2005 war er nicht an Merkels Seite. So stand er auch für eine weitere Legislaturperiode in der Fraktionsspitze nicht zur Verfügung. Bei der Wahl 2009 bewarb er sich nicht erneut um ein Bundestagsmandat, wollte sich „nach zwanzigjähriger Parlamentszugehörigkeit [...] nach der Bundestagswahl 2009 wieder stärker seinem erlernten Beruf als Rechtsanwalt widmen“.

Sieben Jahre nach dem Comeback von Friedrich Merz schafft er es zum Kanzler

2018 folgte dann das beschriebene Comeback. Nach seiner knappen Niederlage bei der Wahl zum Vorsitzenden 2018 wurde Friedrich Merz 2019 zunächst Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU, ehe weitere Anläufe folgten. Im September 2024 nominierten die Parteivorstände von CDU und CSU den gebürtigen Sauerländer dann einstimmig als Kanzlerkandidaten der Union für die Bundestagswahl 2025.

Und er hatte Erfolg: Zusammen kamen CDU und CSU auf 28,6 Prozent und wurden damit stärkste Kraft. Weil Friedrich Merz eine Zusammenarbeit mit der AfD – die Partei wurde mir 20,8 Prozent zweitstärkste Kraft– ausgeschlossen hatte, einigte er sich mit der SPD (16,4 Prozent) auf Koalitionsverhandlungen. 45 Tage nach der Wahl einigten sie sich auf einen gemeinsamen Koalitionsvertrag. Voraussichtlich am 7. Mai soll der Bundestag Friedrich Merz zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik wählen.

Für die Bundestagswahl 2025 ging Friedrich Merz als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen – und gewann die Wahl.

Friedrich Merz gilt als herausragender Rhetoriker. Doch seine Kritiker bemängeln seine Qualitäten als Zuhörer, werfen ihm geringe Kompromissbereitschaft und Teamfähigkeit vor. Der Sauerländer ist ein ausgemachter Machtmensch, bekannt für seine Ungeduld. Neben seinen rhetorischen Fähigkeiten wird Friedrich Merz für seine Kompetenzen in der Finanzpolitik gelobt.

Friedrich Merz privat: In seiner Heimat im Sauerland ist er fest verwurzelt

Friedrich Merz gilt als fest in seiner Heimat, dem Sauerland, verwurzelt. Er wurde dort geboren – in Brilon, am 11. November 1955. Er war das älteste von vier Kindern der Eheleute Joachim und Paula Merz. Die Familie galt als konservativ: Vater Joachim war Richter am Landgericht Arnsberg, Mutter Paula entstammte der Familie Sauvigny, die seit Ende des 19. Jahrhunderts zur besseren Gesellschaft Brilons gehört. Ihr Vater Josef Paul Sauvigny war Verwaltungsjurist und von 1917 bis 1937 Bürgermeister von Brilon.

Der junge Friedrich Merz galt nicht als angepasst. Vielmehr eilte ihm am Gymnasium Petrinum der Ruf eines undisziplinierten Schülers voraus – er musste die Schule 1971 sogar verlassen. Friedrich Merz berichtet aus dieser Zeit auch von Problemen mit seinen Eltern, beschreibt sich als Jungen mit schulterlangen Haaren und Motorrad, der raucht und trinkt - ob das nun so stimmt oder der Sauerländer hier seine Jugend verklärt? Der Spiegel ließ in einem Beitrag aus Dezember 2000 jedenfalls deutliche Zweifel an der Version des damaligen Fraktionschefs hören. Sicher ist: Am Friedrich-Spee-Gymnasium in Rüthen machte Merz das Abitur. Seine schulischen Leistungen hatten sich hier deutlich positiver entwickelt.

Friedrich Merz und seine Ehefrau Charlotte Merz im Mai 2024 auf einer Party bei der Verleihung der Lola in Berlin.

Friedrich Merz studierte Jura in Bonn und Marburg, arbeitete dann zunächst als Amtsrichter in Saarbrücken und für den Verband der Chemischen Industrie. Auch als Rechtsanwalt war – und ist – der gebürtige Briloner tätig. Seit 1981 ist Merz mit seiner Ehefrau Charlotte (geb. Gass) verheiratet. Das Paar hat drei erwachsene Kinder: Carola Clüsener, Philippe Merz und Constanze Merz.

Umstrittene Aufsichtsratsposten von Friedrich Merz

Friedrich Merz nahm im Laufe seiner Karriere eine ganze Reihe von Aufsichtsratsposten an, unter anderem beim Axa Konzern (bis 2014), in der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH (bis 2014) und der Deutschen Börse AG (bis 2015), der Wepa Holding in Arnsberg (bis 2021) und der Flughafen Köln/Bonn GmbH (bis 2020).

Umstritten war seine Tätigkeit für die Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC/bis 2011), weil die HSBC in Verhandlungen über einen Verkauf der WestLB eintrat - und Friedrich Merz vom Bankenrettungsfonds Soffin 2010 mit der Leitung des Verkaufsprozesses an einen privaten Investor betraut worden war. Einen Interessenskonflikt wies Merz damals zurück. Kritik erhielt er aber auch für den angeblichen Tagessatz von 5.000 Euro, den er für die WestLB-Beratung erhalten haben soll.

2016 heuerte Merz bei einer Tochtergesellschaft von BlackRock an, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Er war hier Aufsichtsratsvorsitzender und Lobbyist. Diese Tätigkeit wurde von Medien im Zusammenhang mit seiner Kandidatur um den CDU-Vorsitz 2018 kontrovers diskutiert. Mit seiner erneuten Kandidatur, die er im Februar 2020 bekannt gab, kündigte Merz an, sein Aufsichtsratsmandat bei BlackRock zum 31. März 2020 niederzulegen.

Friedrich Merz: Fettnäpfchen und schlechte Scherze

Schon immer ist Friedrich Merz umstritten. Sein konservativer Politikstil, für den der Mann aus dem Hochsauerland von seinen Anhängern gefeiert wird, stößt auch auf Ablehnung. Merz gilt nicht unbedingt als Verfechter der Gleichberechtigung, man sagt ihm nach, er vertrete ein überholtes Familien- und Frauenbild. Auf die Frage, ob er sich einen schwulen Kanzler vorstellen könne, antwortete Merz im September 2020 mindestens ungeschickt: „Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht –, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.“

Schon einmal hatte Merz mit einer Aussage zum Outing des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, polarisiert. Und sein Scherz, es sei wohl kein Wunder, „dass Tiefs im Augenblick Frauennamen tragen“, als Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug erklärte, stieß wohl nicht mal auf müdes Lächeln.

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